Die 10 häufigsten Vorurteile und Sprüche gegenüber Pflegeeltern

Vorurteile und Sprüche gegenüber Pflegeeltern

Pflegeeltern können ihnen kaum ausweichen, den Vorurteile und Sprüche gegenüber Pflegeeltern und auch dem Pflegekind gegenüber. Anderssein wird in der Gesellschaft leider noch immer als nicht positiv bewertet. Überhaupt bewertet die Gesellschaft häufig nur nach dem was sie sieht. Evolutionär kann der Mensch gar nicht anders und keiner kann sich davon komplett frei sprechen, aber sollten wir nicht mittlerweile so fortschrittlich sein, die Keule in der Höhle zu lassen und statt mit dieser, mit unserem Verstand zu (be)urteilen?

Selbst wir in der Verwandtenfpflege müssen uns diesen stellen – da kann ich mir nur vage vorstellen, wie es meinen Mit-Pflegeeltern ergeht, die sich in einer Nicht-Verwandten-Pflegschaft befinden.

Den Unterschied zwischen Verwandtenfpflege und „normalen“ Pflegeeltern kann ich gerne an weiterer Stelle ausführlich beschreiben nur kurz und knapp: Wir sind mit unserem Pflegekind verwandt – er war unser Neffe und somit der Sohn meiner Schwägerin.

Die 10 häufigsten Vorurteile und Sprüche gegenüber Pflegeeltern

  1. Warum tut man sich sowas denn an?

  2. Ihr wisst doch gar nicht was ihr Euch da ins Haus holt!

  3. Zur Familie gehören solche Kinder eh nie!

  4. Schämt ihr euch nicht, den Eltern das Kind weg zu nehmen?!

  5. Das macht ihr doch nur wegen dem Geld!

  6. Nun ja das ist doch jawohl auch selbstverständlich!

  7. Nun stell Dich doch mal nicht so an, Du hast das ja nicht anders gewollt!

  8. Ja den kanntest Du ja schon, das ist dann ja nicht so schwer.

  9. Pflegekinder kann man nicht richtig liebe – versuche es gar nicht erst.

  10. Lohnt sich das?

Für einige dieser Vorurteile und Sprüche habe ich Antworten, Antworten für mich und meine Familie – diese sollen keine Rechtfertigung sein, aber ich hab es nicht so mit dem Runterschlucken und Hinnehmen solcher Aussagen ….

Meine Antworten auf die 10 häufigsten Vorurteile und Sprüche gegenüber Pflegeeltern

  1. Warum wir uns das antun? WEIL wir LIEBEN! Und was heißt hier antun? Ja es geht nicht ohne Kraftakt. Bürokratisch und emotional – gerade in der Verwandtenpflegschaft steht man mitten drinnen im Chaos und sammelt die Splitter der geplatzten Bombe mit auf. Aber ich persönlich habe noch einen anderen Grund und der liegt in meiner eigenen Vergangenheit. Als ich ab meinem dreizehnten Lebensjahr nicht mehr in meinem Elternhaus lebte, hätte ich mein rechtes Bein dafür gegeben, wenn sich jemand nur annähernd so um mich bemüht hätte. Ich glaube aber heute, dass ich diesen Weg gegangen bin um den jetzigen gehen zu können und bin einfach voller liebe.
  2. Ja, in der Nicht-Verwandtenpflegschaft ist das genau so. Man kennt wenig bis gar nichts von der Vorgeschichte und muss sich teilweise auch jede Information erkämpfen; aber es ist ein Kind – ein Lebewesen welches Schutz bedarf! Muss man mehr wissen? In unserem Fall wussten wir sehr viel, viel zu viel an manchen stellen – aber im Grunde weiß man doch nur das man etwas tun muss.
  3. Der große Junge gehörte als Neffe meines Mannes immer schon zur Familie, doch ist er in den letzen beiden Jahren so sehr fester Bestandteil unserer kleinen eigenen Familie geworden, dass er unser Pflegesohn ist und der Bruder der Motte – fester kann man kaum ein Bestandteil sein!!!!! Und auch in der Nicht-Verwandtenpflegschaft finden die Kinder ihren Platz in den Familien, genau wie es die Pflegeeltern tun.
  4. Muss ich was dazu sagen? Ich nehme niemandem jemanden weg und ich stelle mich auch nicht als die bessere Mutter – wir als Eltern – wir sind da. Wir sind einfach da, wenn man uns braucht und das man uns braucht, dass spüren wir.
  5. Ich lache laut und lache schrill. Wenn man mit der Pflegschaft eines Kindes reich werden könnte, dann würde ich meine Putzfrau anstellen und den Lamborghini in der Garage stehen haben – oder so ähnlich….
  6. Nein das ist es nicht, leider erlebte ich das vor vielen Jahren – nichts ist selbstverständlich. Es ist eben nicht das gleiche wie sich für ein zweites Kind zu entscheiden. Niemand weiß wie anstrengend und zehren das ganze Prozedere ist und worauf man sich einlässt. Viele schrecken allein davor zurück. Nein selbstverständlich ist das definitiv nicht.
  7. Keiner sagt Dir, wie hart das werden kann – keiner bereitet Dich auf das Abenteuer vor. Es ist eine Aufgabe, der man erst mal gewachsen werden seien muss und nein, Du weißt nicht vorher, worauf Du Dich da wirklich einlässt.
  8. Ja das stimmt sogar. Dafür stehe ich mitten in der geplatzten Emotions-Bombe und habe keinen „professionellen“ Abstand… Zwei Seiten einer Medaille.
  9. Dazu sage ich nichts, dazu spüre ich einfach die Liebe zu meinem großen Jungen. Ja sie ist natürlich anders, wie die zur Motte, aber lieben Eltern nicht auch ihre selbst- geborenen Kindern unterschiedlich? Ich liebe – das ist Fakt!
  10. Jajajajajajajaaaaaaaaaaaaaaaa! Der Stolz, die Entwicklung, die Erfahrung, der gemeinsame Weg und die Bindung. Mein Horizont ist weiter, mein Wissen mehr, aber vor allem mein Herz voller – ja verdammt es lohnt sich und ich verfluche jetzt schon den Tag, an dem der große Junge ausziehen wird – er ist doch gerade erst hier angekommen…..MEIN JUNGE!!!

Mir würde noch unendlich viel mehr einfallen, aber wir sind ja hier bei „Die 10 häufigsten…..“. Vielleicht gibt es ja irgendwann einmal eine Fortsetzung oder einen weiteren Teil. Genug Stoff dafür hätte ich.

Kennt Ihr auch dieses Vorteils-Klischee-Denken? Habt Ihr sogar Vorurteile? Erzählt mir doch gerne davon.

In diesem Sinne ~ andersartig oder normal, wer setzt hier denn schon die Wertigkeit wenn wir im Herzen einfach eine Familie sind?!?!

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Wenn Ihr mehr zum Thema Pflegschaft lesen wollt, schaut mal in die Kategorie Pflegschaft hinein. Wir werden niemals alles preis geben, dafür ist das Thema einfach zu sensibel, aber wir nehmen Euch ein Stück mit und verraten Euch, wie sich Zwei Jahre zu viert – zwei Jahre Familie anfühlen oder auch die 10 Regeln im Zusammenleben mit einem Teenager und auch die 10 Dinge an denen Du merkst das Du Pflegemutter bist und noch einiges mehr. 

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Kategorie Pflegschaft

Hier schreibt JesS (33), (Pflege-) Mutter, Autorin und selbstständige Unternehmerin. Zwischen Pflegschaft, Elternsein, Gedanken, LifeStyle und der Liebe zur Fotografie nimmt sie Euch mit auf das Abenteuer Familienleben. Mit viel Herzblut, Authentizität und noch mehr Liebe zu den Dingen die sie tut.

7 Kommentare

  1. Tja, wie Du weißt habe ich ja selber 2 Pflegekinder.

    Wir sind damals extra auf’s Land gezogen, weil hier die Kinder noch einfach raus können und mitten in der Natur sind.

    Aber was hier für eine Hetzjagd abgegangen ist kannst Du Dir gar nicht vorstellen.

    Manche sind ihr Leben lang nicht aus dem Dorf hier rausgegangen und meinen sie hätten die dicke Ahnung von Traumatas.

    Aber egal!!! Wir stehen zu unserem Lifestyle und sehen es ja bei unserer leiblichen Tochter, dass wir das gut machen.

    Ihre „Geschwister“ hat sie angenommen als seien es wirklich ihre Brüder.

    Vor allem Punkt 5….Wo bitte kann ich meine S-Klasse parken?

  2. Ich bin mit Pflegekinder großgezogen, keine Eltern hatten Tagespflegekinder, Dauerpflegekinder oder auch „nur“ mal Notplätze, für Kinder die schnell aus den Familien mussten. Und man hört viele solche Sprüche. Ich fand es toll, neben meiner Schwester waren immer andere Kinder da.
    Als ich älter wurde, hat man automatisch geholfen, dass heißt auch, man ist mit 15/16Jahren mal mit Kinderwagen und 2Kindern an der Hand rausgegangen, zum Spielplatz oder einkaufen. Für mich ganz normal. Aber ich würde teilweise angeschrieben, ob ich nicht ganz dicht sei, in dem ALTER schon Kinder. Nach Erklärung, dass es Pflegekinder meiner Eltern sind, gings richtig los. Auch auf dem Dorf. Aber ich muss sagen, sobald bei mir alles wieder gesundheitlich läuft, nehmen meine Mann und ich auch Ein Pflegekind auf. Platz ist da, ich bin zu Hause. Und man kann den Kindern so viel Liebe geben, ausserdem Halt, Geborgenheit und sonst alles was sie brauchen. Und das mit dem Geld…..naja, wer Pflegekinder hat, weiß was ich meine.

  3. Pingback: 6 Gründe warum Du keine Pflegefamilie gründen solltest

  4. Ursula Wiederhold

    Diese Vorurteile höre ich öfter. Wir haben 3 dauerpflegekinder und davon hat eins 100 Prozent und eins 70 Prozent. Was mann da nicht alles gesagt bekommt. Aber ich liebe sie alle egal wie sie sind. Und ich behalte auch alle. Wer uns so nicht will der braucht uns garnicht. Liebe Grüße

  5. Mit keinem dieser Vorurteile bin ich je konfrontiert worden.
    Wir haben zwei Dauerpflegekinder, leben sehr ländlich und sind erst kurz vor Aufnahme der Pflegekinder hier her gezogen.
    Es kann auch anders gehen.

  6. Was wir ständig gehört haben:

    „Wie? Das ist gar nicht eurer?“
    „Doch. Aber er ist halt ein Pflegekind.“
    „Ach so! Ihr habt ihn adoptiert!“
    „Nein. Er ist unser Pflegekind.“
    „Häh???“

    Wir haben es relativ schnell sein gelassen, es/uns/unser Kind zu erklären.
    Aber es ist schon krass, wie unbekannt das Thema ‚Pflegefamilie‘ noch ist.
    Und das, obwohl die meisten Leute behaupten, sie hätten auch „Verwandte/Bekannte/Freunde mit x Pflegekindern“…

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