Ein Teil von mir…

Ein Teil von mir...

Manchmal gibt es Momente, in denen denke ich ganz stark an Dich, manchmal gibt es Momente, da bist Du ganz weit weg, doch Du wirst immer ein Teil von mir seien.

„Alles wird gut“ ein Satz, der in keiner Situation mehr hochgekräuselte Fußnägel in mir auslösten, als vor knapp zehn Jahren, als ich unverhofft ins Krankenhaus musste und ein Teil von mir verlor.

Auch nach bald zehn Jahren sitze ich manchmal hier und weine – ich weine um ungeborenes Leben und um die schönen Gedanken, die Pläne und Gefühle, die beraubt nicht mal die Chance bekommen auf die Welt zu kommen. Die aus unerklärlichen Gründen nach einem kurzen Besuch bei uns wieder gehen und doch eine Lücke hinterlassen – einen Platz in unserem Leben haben.

Ich weine, weil ich weiß wie es sich anfühlt, weil ich die Bilder wieder vor Augen habe und manchmal die selben Gefühle spüre. Weil ich den Geruch des OPs in der Nase habe und die Augen der Ärzte sehe, die um mich herum standen und warteten, das ich endlich einschlafen würde…. Ich höre die Geräusche, sehe das grelle Licht und spüre den Schmerz nach dem Eingriff. Noch niemals zuvor hatte ich ein Kind bekommen und doch spürte ich Wehen – Wehen die mir kein Kind bringen sollten. Wehen die mir viel mehr bewusst machten „nun ist es vorbei – für immer“.

Ich würde allen Müttern von Sternenkindern gerne so vieles sagen, ich würde sie gerne umarmen und einfach neben ihnen sitzen. Aber ich glaube ich weine einfach mit jeder. Um ihr Sternchen – um mein Sternchen. Darum, dass Sterne am Himmel stehen – vielleicht nun gemeinsam.

Es wird alles gut – das waren die schlimmsten Worte in der Zeit für mich – nichts war gut und es fühlte sich auch nicht so an, als wenn wieder alles gut werden würde. Es wird besser, aber dieser Gedanke war damals utopisch. Und das fühlt sich nicht immer so an für mich, denn noch heute denke ich an meinen kleinen Stern – mein Kind.

Doch wird es das wirklich? Wenn ich sage es wird besser und dann nach fast zehn Jahren weine, wenn ich diese Zeilen schreibe, schenkt man mir dann noch Glauben, dass alles wieder gut werden wird? Wie weit scheint der Realismus dann von diesem Satz entfernt zu sein?  Wenn ich sage, die Zeit wird alle Wunden heilen und mich dann noch so intensiv an Gerüche, Gefühle, Geräusche und Gedanken erinnere, wie kann ich mir dann selber glauben??

Ein Teil von mir wird immer weinen

Ich weiß das es weiter geht – aber es wird nicht wie vorher seien. Irgendwann werden die Erinnerungen schwächer, doch sie werden niemals verschwinden. Genau wie das Gefühl, dass ich nicht komplett bin. Ist das der Wunsch nach einem zweiten leiblichen Kind oder ist es das Loch in meinem Herzen in dem das Sternchen wohnt?? Ein Kind ist ein Kind, lebendig oder tot, es wird immer ein Teil von mir seien.

Wenn ich Geschichten höre, Zeilen lese von Müttern, die ihre Sternenkinder betrauern, dann möchte ich ihnen nichts raten, ich möchte ihnen nichts vormachen, ich möchte ihnen aber auch keine Angst machen, ich möchte einfach meine Hand reichen. Wer mag nimm dem ganzen Arm und auch gerne den zweiten, für eine Umarmung – wer keine Berührungen ertragen möchte, dem reiche ich meine Gedanken voller Liebe und Kraft und Mitgefühl!!

Du bist nicht allein – Du bist nicht Schuld – das Leben geht manchmal unergründliche Wege.

Das Thema Sternenkinder berührt mich unsagbar – lassen wir es trotz allem nicht zum Tabuthema werden – niemand darf sich schuldig fühlen!

In diesem Sinne ~ schaue hinauf zu den Sternen, dort sitzen sie und lächeln uns zu….

Dieser Artikel entstand, als ich vom Sternenkind der lieben Fräulein Null.Zwo las – er entstand aus einem Kommentar heraus, den ich ihr schrieb. Ich denke an Dich meine Liebe! 

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Kategorie Familie, Gedanken

Hier schreibt JesS (32), die Mutter einer etwas anderen Familie. Zwischen Pflegschaft, Elternsein, Gedanken, LifeStyle und Kinderkleidung nehmen wir Euch mit auf unser Abenteuer Familienleben. Mit viel Herzblut und noch mehr Liebe zu den Dingen die sie tut.

15 Kommentare

    • ich hab lange überlegt ob ich den Text veröffentlichen soll, lange darüber nachgedacht und haderte lange, doch für diesen Kommentar allein hat es sich gelohnt. Ich habe geweint beim Schreiben,geweint beim Korrigieren und geweint beim überlegen ob es das richtige ist, doch dieser kleine Stern ist jeder Träne wert.
      Carina, ich drück Dich!

  1. Danke! Danke für jedes einzelne Wort. Genauso denke und fühle ich auch… hätte es aber niemals so toll ausdrücken können.
    Danke 💛

    • Manchmal können andere die eigenen Gefühle besser ausdrücken – geht selbst mir ganz oft genau so und das ist auch total ok so.
      ich selber habe diesen Text vor vielen Wochen geschrieben, aber manchmal brauchen Texte Zeit zum reifen bevor man sie online stellen kann – manchmal brauche ich aber auch den Abstand um mehr Kraft nach dem Schreiben zu tanken.

  2. Ich kann Dir so gut nachfühlen.

    Drei Kinder haben wir bereits zu den Sternen entlassen müssen…und noch keines konnten wir in Armen halten…
    …und doch sind es meine, unsere Kinder, die immer einen Platz in meinem Herzen haben werden.

    „Ein Teil von mir wird immer weinen…“ – Wie recht Du hast!

  3. Liebe Jessica,

    Ich bin durch Anna (Familie Motte) auf Deinen Beitrag aufmerksam geworden. Ich muss gerade echt heulen. Deine Worte sind unbeschreiblich, ich hab den grössten Respekt vor Dir!!! Ich drücke Dich und alle Sternchenmamas, Papas und Geschwister ganz ganz fest!!! Es ist furchtbar was Ihr erlebt habt und ich finde es ganzganz hochachtungsvoll, dass Du darüber schreibst! Ich ziehe meinen Hut vor Dir liebe Jessi. Eure Sternchen werden immer in Euren Herzen sein und ich bin mir sicher, dass dein Post vielen wenigstens ein bisschen hilft weil sie sich verstanden fühlen.

    Ganz grosse Umarmung,

    Anne

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  5. Liebe Jessica,
    was für ein trauriges Erlebnis und welch wundervolle Worte du dafür gefunden hast! Es tut mir so so Leid für dich, dass du so etwas Grausames erleben musstest! 🙁
    Ich habe vor gut 4 Jahren meine kleine Nichte verloren, die nun ein Sternenkind ist. Es tat sehr weh, da ich zuvor bei all den Ultraschallen und Gesprächen dabei war. Es tat weh, das kleine ungeborene Mädchen leiden zu sehen und es tat so unheimlich weh, meine Schwester so leiden zu sehen. Sie wird immer ein Teil von uns bleiben ;-(
    LG
    Elena

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