Von der Rabenmama zur Hausfrau & Mama und zurück

Hast du schon mal darüber nachgedacht, alles stehen und liegen zu lassen und das Land zu verlassen? Ich bewundere jede Expat und gerade weil ich selber noch so wenig von der Welt gesehen habe, besuche ich super gerne Reiseblogs. Das ist oft wie ein Bisschen mitreisen.

Heute erzählt uns eine Weltenbummlerin von ihrem Weg von der Rabenmama zur Hausfrau & Mama und zurück.

Von der Rabenmama zur Hausfrau & Mama und zurück

Vor etwas mehr als 3 Jahren habe ich mich meiner bis dahin größten Herausforderung gestellt. Ich wurde von einer fast Vollzeit arbeitenden „Rabenmama“ zur Hausfrau & Mama. Nicht lange geplant, aber mit weitreichenden Folgen für mich und mein weiteres Dasein.

Das Drum Herum

Von je her zähle ich zu den Menschen, die nach dem Prinzip Leben und Leben lassen denken und handeln. Was dem Einen gefällt, muss der Andere noch lange nicht mögen. Leider schimpft sich unsere Gesellschaft nur tolerant, ist es aber in Wirklichkeit gar nicht. Tatsächlich wird meist nur toleriert, was in die eigene Welt passt. Daher kämpfen wir Frauen immer noch gegen Windmühlen, insbesondere untereinander, statt uns zu bestärken. Am schlimmsten trifft es uns Mütter. Bleibt man zu Hause bei den Kindern kommt der Stempel – Hausmütterchen – kann nix außer Kinder, putzen , backen… Geh’ste dagegen arbeiten – komm’ste in die Schublade Rabenmutti.

Schlussfolgerung 1: Du kannst es den Anderen eh nicht recht machen, was mich zu Schlussfolgerung 2 bringt: Mach was gut für dich ist!

Keine der beiden Mamas ist besser als die andere. Eine Pauschallösung gibt es nicht. Ich denke – NUR eine GLüCKLICHE Mama ist eine gute Mama. Es bedarf einiges an Zeit, seine eigene Lösung zu finden. Horcht in euch rein und nur auf euch!!! Traut euch, ihr selbst kennt euch am besten! Und jetzt zu mir:

Ich habe es geschafft. Die Umwandlung von der einen zur anderen. Es war schwer, aber heute bin ich stolz auf mich!

Vor nunmehr knapp drei Jahren ging ich relativ kurzfristig mit meiner kleinen Familie nach Montréal. Gab meinen Job in Deutschland auf und war von jetzt auf gleich 24/7 mit meiner Tochter zu Hause. Ein riesen Schritt! Bis dato war ich nicht nur 35h arbeiten, sondern auch aktiv in der Kita. Meine Tage waren gut strukturiert, alles war organisiert und getaktet. Und plötzlich war alles neu. Die neue Umgebung war tatsächlich das kleinere Übel. Da waren wir, auf uns gestellt und immer zusammen.

Der Wandel

Ich musste mich neu erfinden und gleichzeitig meiner Tochter gerecht werden, ein Spagat der nicht immer einfach war. Fürs Erste war ich eben nur noch die Frau von. On top kam, dass du hier in Quebec überall mit deinem Mädchennamen angemeldet und aufgerufen wirst. Das hat mich wirklich in eine kleine Identitätskrise gestürzt. Nix Job, nix Name … Komisches Gefühl und ganz nebenbei die Maus, die immer bei mir war und selbst klar – und ankommen musste.

Da stand ich nun als Frau Börner, ohne Job, mit Kind zu Hause und dem nahenden Winter in Montréal. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht irgendwas Positives daran gesehen hätte.

Also gab ich mir selbst einen Tritt in den Allerwertesten und habe Dinge getan, die ich schon lange tun wollte – wie zum Beispiel Basteln. Wir haben viel gebastelt und allen in Deutschland eine selbstgemachte Weihnachtskarte geschickt. Die Grosse und ich haben gebacken und gekocht und es gab immer was selbstgemachtes. Nicht meine Erfüllung, aber wir haben es uns so schön wie möglich gemacht.

Für jemanden wie mich, dem es vorher nie in den Sinn gekommen wäre den Job aufzugeben, war es eine echte Herausforderung! Ich bin nie der Typ Frau gewesen, der im Mamasein 1000% aufgeht. Quality time steht und stand für mich immer über quantity time. Lieber 3h mit Freude zusammen, als 8h gemeinsam durch den Tag gequält. Sowohl vorher als auch während dessen habe ich mich gefragt – wie machen die Mamas das bloß? Kinderbetreuung ist und bleibt einer der härtesten Jobs der Welt. Ein HOCH auf alle MAMAS und Erzieher! Dies auf Dauer mit Liebe und Hingabe zu tun, Hut ab. Nun war ich eine von ihnen, die Hingabe fehlte, aber ich habe es geschafft! Mein Kind war glücklich, meine Zufriedenheit kam zurück und damit auch die positiven Energien!  Ich war stolz auf mich, dass ich es geschafft hatte, eine Rolle anzunehmen, die mir sehr fremd war. Mit der Zeit konnte ich auch erhobenen Hauptes sagen: JA ich bin Hausfrau und Mutter und genieße diesen Luxus, denn das war es.

Noch besser wurde es als ich einen Kitaplatz fand. Die Kita war ums Eck, die Zeiten optimal und so hatte ich zum ersten Mal seit Geburt unserer Tochter wirklich Zeit für mich. WOW!

Jetzt war ich nur noch „halbe“ Hausfrau & Mama, zum Wohle aller. Big J lernte Englisch in der Kita, der Grundstein um hier problemlos in die Schule gehen zu können. Ich machte einen Französischkurs – endlich wieder soziale Kontakte!!! (Im Winter kommt man hier nicht so in Kontakt, das sich das Leben drinnen abspielt) und der Rest kam dann irgendwie von selbst.

Neben dem Vollzeitmamadasein und der Eingewöhnung, hatte ich tatsächlich noch Zeit mir Gedanken über mich und meine (berufliche) Zukunft zu machen. Eines Tages machte es KLICK. Warum nicht meine zwei liebsten Hobbys verbinden? Schreiben und Reisen. Die Idee war da, jetzt ging es an die Umsetzung. Ich recherchierte und machte mich schlau zum Thema bloggen. Da mir aber auch sonst noch 1000 andere Schreibideen kamen, habe ich einen allround Blog gestartet.

Es war fantastisch, endlich hatte ich das Gefühl angekommen zu sein, angekommen in jeglicher Hinsicht. Kreativität braucht Freiheit und die hatte ich jetzt. Für etwas zu brennen ist der beste Motor. Ich genoss nicht nur meinen persönliche Erfolg, sondern auch weiterhin den Luxus keinen 9-5 Job mehr zu haben, meine Maus abholen zu können wann es mir/ihr passte oder sie auch einfach mal zu Hause zu lassen, wenn ihr nach mehr Mama war. Die perfekt Lösung für uns und ganz nebenbei, hat es der Beziehung (Mann – Frau) auch gut getan ;-).

Schwupps war ich also drin, naja so halb, im Hausfrau und Mama Alltag. Ohne schlechtes Gewissen und erhobenen Hauptes. Diese Wende in meinem Leben war das Beste was mir passieren konnte!!!

Was ich gelernt habe

1. Ich bin und werde keine, reine Vollzeitmama!

2. Ich werde nicht wieder in meinen alten Job zurück kehren!

3. Selbstständigkeit ist MEINE perfekte Lösung!

Ich bin gestärkt aus dem Ganzen heraus gegangen. Ich habe mich selbst finden können. Ich weiß nun wie es ist mit Kind zu Hause zu sein und dass es nicht zu mir passt! Mittlerweile wird unsere zweite Maus bereits bald zwei. Nach ihrer Geburt war ich noch einmal in einer Krise, nahm mir sogar 4 Tage Auszeit von der Familie. Kam gestärkt wieder, habe meinen Blog umbenannt, den Fokus geändert und bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

Das Bloggen erlaubt mir weiterhin Zeit für meine Kinder zu haben, wenn sie mich brauchen! Freie Zeiteinteilung ist unbezahlbar! Klar hat man immer mal wieder das Gefühl es nicht allen, vor allem sich selbst, recht machen zu können, aber wir sind halt auch nur Menschen und keine Maschinen. Manchmal sitze ich dafür nachts am PC oder am Wochenende, aber das ist ok. Dann ist halt PAPAzeit und die ist genauso wichtig! Wir sind und bleiben unseres eigenes Glückes Schmied. Wollen wir Veränderung, müssen wir UNS bewegen, ggf. auch mal gegen den Strom schwimmen.

Vor allem MÜSSEN wir aber eins: AUF UNS SELBST HÖREN!

In diesem Sinne bleibt mir nur, jede einzelne von uns zu bestärken ihren eigenen Weg zu gehen. Egal ob als Hausfrau oder Working-Mom, wir alle sind gute Mütter! Wenn ihr glücklich seid, sind es eure Kinder auch!

Ulrike Jeute

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Hinter LittleBigvoyager steht Ulrike Jeute, eine junge zweifach Mama mit Spaß am Reisen & Schreiben. Sie ist offen, ehrlich & direkt. Hat Spaß am Leben und bezeichnet sich selbst als hoffnungslose Optimistin mit zynischem Touch. Das Bloggen hat sie während ihrer Expatzeit in Montréal begonnen, mit dem Ziel andere Familien zu ermutigen auch bzw. gerade mit ihren Kindern die Welt zu entdecken.

Auf ihren Reisen lassen sie sich gerne auch einmal Treiben. Festgelegt auf keine bestimmte Art des Reisens erleben sie die Welt gemeinsam auf dem Zeltplatz, im Ferienhaus, auch mal im Hotel oder Bed & Breakfast. Mal bringt sie das vollgepackte Auto ans Ziel, oft der Flieger und zwischendurch dürfen es auch mal Busse oder Schiffe sein. Hauptsache raus, raus aus dem Alltag rein in die Natur, fremde Länder und Kulturen.

Was sie dabei erleben oder auch Dinge auf die sie hätten verzichten können, bekommen die Leser am Ende in Wort und Bild erzählt. Englischkenntnisse sind hier von Vorteil, da littlebigvoyager auf Englisch ist

Ein super spannender Weg, den Ulrike da gegangen ist und sie hat so recht: „Egal ob als Hausfrau oder Working-Mom, wir alle sind gute Mütter! Wenn ihr glücklich seid, sind es eure Kinder auch!“

Ich hoffe das wir jede Frau bestärken können, ihren eigenen Weg zu finden das sie auch den Mut hat, ihn zu gehen. So wie Sylvi, von die bereits davon erzählte, noch einmal von vorne anzufangen.

Hast du schon mal ans Auswandern gedacht? 

In diesem Sinne – finden wir unsere Wege und unterstützen uns dabei ihn zu gehen, statt andere Wege immer schlecht zu machen.

Kategorie Leben
Autor

Gastautor bei feierSun - wir freuen uns über die gemeinsame Gestaltung des Connects für die Leser und arbeiten als Community immer zusammen.

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