Unsichtbar krank

Osteopenie Leben mit dem Schmerz - krank

Man sieht es mir nicht an und manchmal wird mir sogar kaum geglaubt, doch es ist da. Ich bin einfach nicht gesund, ich habe eine unsichtbare aber sich deutlich bemerkbar machende Krankheit. Ich bin unsichtbar krank

Ich bin nicht sichtbar krank – unsichtbar krank.

Osteopenie? Was soll das sein und wie bekommt man so was?

Osteopenie ist sozusagen die Vorstufe der Osteoporose. Früher nannte man Osteoporose auch die „alte Frauen-Krankheit“. Es gibt genug Internet-Seiten und Fachartikel oder Wikipedia die diese Krankheit genau beschreiben, die Mühe mache ich mir hier nicht, heute erzähle ich Euch meinen Umgang und meine Sicht mit dieser Krankheit. Es ist meine Knochendichte, die ist zu gering. In meinem Körper sind zu viele Knochenabbauhormone tätig. Ich bin noch jung genug, das mein Körper dagegen ankämpft, doch das ist nicht immer spurlos. Schmerzen begleiten mich durch den Tag seit dem das Kind auf der Welt ist.

Eigentlich schon während der Schwangerschaft, doch da schob man alles auf den Bauch. Dann schob man alles auf die Stillzeit und am Ende war es dann nicht genug Bewegung – durch tägliches Schieben konnte ich das allerdings ausschließen. Bis ich endlich jemanden dazu bekam mich auf den Kopf zu stellen durch zu checken. Zu checken ob da vielleicht etwas unsichtbares ist, was mich unsichtbar krank macht.
Überlastungsbrüche; Stressfrakturen, mikroskopisch kleinen Verletzungen der Knochensubstanz, dies aus zu schließen war schon wieder einige Zeit ins Land gegangen. Am Ende saß ich sogar im Osteoporose-Zentrum mit der Aussage: „Ja Ihre Knochendichte ist nicht mehr in Ordnung, aber behandeln werden wir noch nicht. Osteopenie oder auch Osteoporose hat man in ihrem Alter (damals war ich 27 noch nicht).“ Ja ich war auch nicht scharf auf dem Kram, das darf man mir ruhig glauben.

Lange war ich grämig, zornig und wütend – heute weiß ich, das bringt alles nichts, ich bin Mutter, also muss ich lernen damit zu leben. Krank oder gesund sichtbar oder unsichtbar krank – ich muss und ich werde damit leben.

 

Ich spüre sie täglich – die Schmerzen

Das größte Ausmaß dieser Krankheit sind die täglichen Schmerzen. Wirklich jeden verdammten Tag. Es gibt gute Tage, an denen habe ich „nur“ Schmerzen und es gib schlechte Tage, an denen weiß ich schon morgens nicht wie ich den Tag überstehen soll. An denen lag ich schon vor meinem Baby auf dem Boden und wartete ängstlich das der Papa nach Hause kommt weil ich nicht in der Large war, mein Kind hoch zu heben. Panik überkommt einen in solchen Momenten.

Heute weiß ich – es gibt diese guten und diese schlechten Phasen. Sie fühlen sich manchmal wie Schübe an. Das sind dann harte Zeiten, wenn die Schmerzen sich multiplizieren und jede Bewegung mir den Atem raubt. Lange war ich sauer auf die Menschen, die mich nicht verstanden. Aber wer da nicht drinnen steckt, der weiß eben auch nicht wie es ist, täglich Schmerzen zu haben – ununterbrochen daran erinnert zu werden das da was nicht stimmt, dass man unsichtbar krank ist. Der weiß nicht wie sehr es einen selber fertig macht, wenn man seinen Tagesplan nicht schafft, weil der Rücken einen in die Knie zwingt.

Alltägliche Kleinigkeiten werden zur Herausforderung

Wie beschrieben, manchmal ist selber das Aufstehen am Morgen ein schirr unüberbrückbarer Gedanke, wenn man sich die ganze Nacht mal wieder hin und herwälzend zum Schlafen zwingen wollte. Wenn man vor dem Wäschekorb oder der Spülmaschine steht und das Bücken nach den Dingen kaum auszuhalten ist. Niemand kann es nachvollziehen – viele runzeln nur die Stirn wenn ich nach zwei Fenstern nicht mehr kann und das Haus nur in Etappen sauber bekomme.

Man sieht diese Schmerzen nicht und genau darin liegt das Unverständnis des Umfeldes. Bei einer Fraktur, da sehen die Menschen den Bruch, den Gips, die Verletzung. Aber bei Schmerzen im inneren unseres Körpers fängt das Verständnis an zu bröckeln. Und wenn man dann auch noch so jung ist und über seinen Rücken klagt, dann ist dieses schnell ganz verschwunden und weicht fragenden Blicken und manchmal sogar Verurteilungen.

Und wenn diese Schmerzen ganz schlimm sind, dann wirkt sich dieses auch auf meine Stimmung aus. Ich bin verzweifelt, ich bin sauer, demotiviert und fühle mich schlecht weil ich nicht das schaffe, was ich schaffen müsste. Was doch alle schaffen – ob mit oder ohne Schmerzen – ich zweifele und hadere und ja, leider habe ich dann auch nicht die beste Laune. Das ist für mich die schlimmste aller Auswirkungen, denn diese Launen, diese Unzufriedenheit, diese Verzweiflung bekommt dann meine Familie mit und der Mann leider sogar ab und zu weil er es abbekommt. Weil er mein Fels ist an den ich mich dann klammern muss.

Weitermachen – aufgeben ist keine Option!

Es gab Zeiten da hab ich das Haus nur für das Nötigste verlassen. Zeiten in denen ich nur ein Schatten meiner selbst war. Immer mit der Angst im Nacken blöd angesehen zu werden. Es gab Zeiten da hatte ich Angst mit der Motte weiter raus zu gehen als innerhalb unseres Umkreises, aus Angst das sie getragen werden möchte. Laufen war eben noch nie ihre Stärke – ich bin gespannt wann sich das endlich ändern wird, denn nun ist sie definitiv zu groß um von mir getragen zu werden.

Doch ich habe meine Weg gefunden – dadurch wird es nicht einfacher, aber aufgeben ist ja eh nicht. Aufgabe ist keine Option für mich, denn hier muss es weiter gehen. Rechnungen müssen geschrieben werden, die Buchhaltung gemacht, der Haushalt und vor allem brauchen die Kinder und der Mann mich.

Mit Sport – gerade Kraftsport hilft mir hier, Muskelaufbau um den Rücken zu unterstützen – Ernährung, Vitaminen, Unterstützung und dem Wissen das Aufgeben eben keine Option ist gehe ich voran – ich bin 30 und hab noch ein paar Jahre – verkrümeln ist daher nicht.

Unsichtbar krank – unsichtbares muss sichtbar gemacht werden!

Warum ich Euch das erzähle, weil ich es gefragt wurde – gefragt wurde, da ich darüber schon andeutend geschrieben hatte und was ich denn genau habe, warum wir nicht eher – nach der Geburt nach der Motte – über ein zweites Kind nachgedacht hatten und weil es zu mir gehört. Ich will kein Mitleid – denn ich gehe diesen Weg, ob Ihr es wisst oder nicht, doch es ist ein Teil von mir – genau wie diese grässliche Migräne.

 

Kennt Ihr Menschen mit unsichtbaren Krankheiten? Wie wirken sie auf Euch? Oder leidet Ihr selber an einer?? Erzählt mir davon – ich bin sehr gespannt wie andere damit umgehen!!

 

In diesem Sinne ~ wenn Aufgabe keine Option ist, dann bleibt einem nur das Weitermachen – also lächeln und den Kopf oben halten.

 

– Aus diesem Artikel heraus starte ich einige Zeit später die Serie # unsichtbar Krank, eine Serie die mehr als mein Herzensprojekt ist. Eine Serie in der wir gemeinsam unsichtbares sichtbar machen! Eine Serie in er Ihr mit Eure Geschichten erzählt und von Eurem Leben mit unsichtbaren Krankheiten erzählt. –

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Kategorie Unsichtbar Krank

Hier schreibt JesS (33), (Pflege-) Mutter, Autorin und selbstständige Unternehmerin. Zwischen Pflegschaft, Elternsein, Gedanken, LifeStyle und der Liebe zur Fotografie nimmt sie Euch mit auf das Abenteuer Familienleben. Mit viel Herzblut, Authentizität und noch mehr Liebe zu den Dingen die sie tut.

18 Kommentare

  1. Oh, das tut mir leid, liebe Jessi! Ich bewundere, wie toll du damit umgehst und wie gut du euer Leben als Uweifachmama meisterst, trotz Krankheit, trotz Schmerzen. Ich drück dich!

    • Ich brauche keine Bewunderung, aber die Worte von Dir tun gut – weil ich denke das Du ein toller Mensch bist und weil ich Deine Augen kenne.
      Ich versuche mich daran zu halten das es alles hätte noch viel schlimmer kommen können – auch wenn es mich oft ärgert das ich nicht immer genau so alles kann wie ich es gerne haben würde. Aber ich gebe mein Bestes, jeden Tag. Das es nahe am Besten kommt, das zeigen mir meine Kinder jeden Abend.
      Und so liebe Worte wie die Deinen.
      Ich drücke Dich und hoffe wir sehen uns bald wieder!!

  2. Liebe Jessi,
    Ja ich kenne und habe eine unsichtbare Krankheit, Depression nennt es die Allgemeinheit, ich bin auch Angst-und Schmerzpatientin und vieles mehr und weiß genau wie du dich fühlst. Ich war einen Tag in einer Schmerzklinik, das hat mein Leben verändert. Seitdem nehme ich kaum noch Schmerzmittel, seitdem bin ich positiver, seitdem habe ich mir Hilfe geholt. Es ist ein täglicher Kampf und es wird immer Menschen geben die dich nicht verstehen aber erkläre Ihnen was los ist und dann ist es ok. Geh weiter euren Weg und sei so positiv!!!
    Liebe Grüsse
    Dani „die Glucke“

    • Schmerzmittel nehme ich wegen des Rückens gar n ich tmehr – sie bringen nix außer Magenschmerzen und Erbrechen. Aber auch Ängste schleppe ich mit mir herum (aber es ist noch nicht die Zeit gekommen damit weiter an die Öffentlichkeit zu gehen).
      Eine Schmerzklinik habe ich auch schon oft angedacht – einfach damit ich nicht so verbittet bin in diesen schlimmen Phasen, die sich wie Schübe anfühlen.
      Positiv bin ich viel – so viel ich kann, aber es gibt eben auch schlechte Tage… leider … leider für meine Familie…
      Danke für Deine Worte.
      JesSi Ca

  3. Oh ja, da kann ich ein Lied von singen. Ich habe auch einige unsichtbare Krankheiten…4 Stück sind es…. Man muss da durch ob man will oder nicht. Leider….Aber ist so.

  4. Liebe Jessie, danke für deine offenen Worte. Meine Nachbarin hat wohl eine ähnliche Erkrankung. Es belastet sie wirklich sehr. Auch sie ist jung und kann teilweise an schlechten Tagen vor Schmerzen nichtmals einen Topf richtig halten. Aber was sie wohl richtig fertig macht, ist das Unverständnis was sie bekommt. Diese Worte „aber du bist doch noch so jung, das haben doch nur alte Menschen“ – gewollt hat sie das so sicher auch nicht. Ich selbst habe keine Schilddrüse mehr und hatte, bis es dazu kam, einen langen Leidensweg – der mir teilweise richtig Angst machte. Auch bei dieser Krankheit war es eben nichts sichtbares – aber mir ging es mies und ich fühlte mich nicht mehr wie der selbe Mensch. Meine Gefühle und Beschwerden waren unglaublich schwer in Worte zu fassen und die meisten Ärzte konnten damit nichts anfangen. Schlimm, wenn man so hilflos mit seinen Problemen da sitzt.
    Ich wünsche dir ganz viel Kraft!!! Lulu

    • Liebe Lulu,
      das Unverständnis ist schlimm, noch schlimmer ist es das man mir seinem Kind nicht immer das machen kann, was man möchte und ich leide und leidet viel für die Motte – weil ich sie lange und viel getragen habe. Aber das tat ich gerne, da ich wusste, ich werde das irgenwann nicht mehr können. Ich werde an schlechten Tagen nicht so mit ihr toben können wie ich das möchte.

      Ich mache den Menschen für ihr Unverständnis nicht mal einen Vorwurf, es ist schwer für etwas Verständnis auf zu bringen, was man zum Einen nicht kennt und zum anderem nicht sieht…

      Ich freue mich sehr für Dich das es Dir besser geht!!
      Liebste und positive Grüße
      JesSi Ca

  5. Jessi,
    wenn ihr mal im Süden seid, in Heidelberg ist die beste Schmerzklinik der Welt( Termin dauert ca. 1Jahr) aber kann man ja planen. Vielleicht hilft es Dir. Ich war selber dort und kenne auch einige andere und es hat ihr Leben verändert.
    In Heidelbeg kann man auch Super Urlaub machen.
    Liebe Grüsse
    Dani

  6. Liebe JesSi, dass auch ich eine unsichtbare Krankheit habe, weißt Du ja schon.
    Ich habe mit Trauer gelesen, dass Du ebenfalls betroffen bist. Es erschreckt mich, wieviele Menschen -von was auch immer- betroffen sind. Manchmal habe ich das Gefühl, dass es den „gesunden Menschen“ gar nicht wirklich gibt.
    Ich finde es toll, dass Du darüber geschrieben hast. Schreiben hilft ungemein. Und der Austausch auch!
    Bleib so wie Du bist, bewahre Dir das „Augen-zu-und-durch“-Prinzip und scheue Dich nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen, ich drücke Dich, JuSu aka Mama Schulze

    • Ja man sieht es nicht immer und eigentlich will man es ja auch nicht jedem auf die Nase binden, aber es ist ja nun mal da. Es gehört zu uns – und zu wissen das man nicht allein ist, dass hilft schon ungemein!!

  7. hallo,
    mir geht es mit fibromyalgie und arthrose auch nicht besser. ewig schmerzen, keiner siehts.
    und durch die fibromyalgie schleichenn die schmerzen durch den körper, mal tut das bein weh, mal der arm.
    kam mir anfangs auch blöd vor beim arzt. aber zuminndest die arthrose wurde schell etdeckt, was die schmerzen erklärt.
    blechhüfte hab ich schon, mit 39 bekommen, aber die arthrose hats in letzter zeit auf meine finger abgesehen. schmerzschübe erschweren die handgriffe und das ist atürlich immer blöd. egal ob zu hause oder im job, es fehlt die kraft und es schmerzt.
    hab mich jetzt mit der arthrose ernährung=basische ernährung auseinandergesetzt. und es hilft, zwar nicht komplett, aber es lindert die schmerzen.
    leben muss ich damit schließlich mein ganzes restliches leben.
    aber es ist echt schon viel wert, wenn ärzte die ursache finden.
    fremde sehens nicht, wie du schreibst: gips sieht krank aus, aber schmerz sieht niemand.

    (ich schreib oft klein, weils für die arthrosefinger leichter und schneller geht.)

    liebe grüße andrea

  8. Hallo Jessi

    Ich finde es toll, dass du hier so offen darüber redest! Ich habe ähnliche Probleme und verstehe das alles sehr gut. Mit 17 hatte ich eine Bandscheiben-Operation, seither reiht sich das Eine ans Andere. Mal heisst es Fibromyalgie und dann ist da scheinbar noch eine vegetative Dystonie (nur schon diese Namen klingen total skurril).

    Auf jeden Fall wünsche ich dir und allen anderen hier viel Kraft! Das Wichtigste sind immer noch unsere Lieben, die uns unterstützen, die uns brauchen und das Leben schön und sinnvoll bleiben lassen.

    Ganz liebe Grüsse
    Tatjana

    • Vielen Dank liebe Tatjana,
      genau diese sind es, die mich nicht an das Aufgeben denken lassen, denn ich habe eine Familie. Eine Familie die mich braucht und für die ich stark sein muss. Uns stark bin.
      Auch Dir alles alles Liebe und Gute!!
      Der Kopf sieht gehoben einfach viel besser aus, also wieder ein Stückchen höher und weitergemacht.
      Liebste Grüße
      JesSi Ca

  9. Hi.. auch wenn es nicht ganz vergleichbar ist, weiß ich doch, wie es ist, wenn einem keiner glaubt, dass man Schmerzen hat / es einem schlecht geht. Ich litt viele Jahre an einem unentdeckten Herzfehler, der mein Herz in unregelmäßigen Abständen „aus dem Tritt“ brachte und damit Herzschläge von über 200 zustande brachte. Das kam immer Herzanfällen gleich. 15 Jahre lang wurde ich auch nur belächelt, von Arzt zu Arzt geschickt.. als Spinner abgestempelt, weil es nie reproduzierbar war und es kaum jemand mitbekam. Erst als so ein Anfall bei einem Kardiologen auftrat, konnte das entdeckt und behandelt werden. Nach einer Herz-OP bin ich jetzt zum Glück beschwerdefrei.. trotzdem ist die Angst immer noch da, dass ich bei Überanstrengung wieder Herzprobleme bekomme. :/

    • Oh weh – das klingt beängstigend. 15 Jahre an etwas zu leiden was einem keiner glaubt und das solche Auswirkungen auf einen selber hat, dass stelle ich mir schon schrecklich vor.
      Zum Glück hat man es raus gefunden und sogar behandeln können!!!!
      Ich wünsche Dir alles alles Gute und das das Herz nun gesund bleibt!!

      Liebste Grüße
      JesSi Ca

  10. Pingback: Best Mother Award - heute für besondere Stärke | feierSun.de

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