Freundschaft – Veränderungen im Wandel

Nichts kann so beständig und so veränderbar in seiner Definition sein, wie die Freundschaft und dabei ist kaum etwas so wichtig wie dieses emotionale Verbindung zwischen den Menschen. Freundschaft ist oft beständiger wie Liebe und doch stetig im Wandel.

Freundschaft ist eines der elementarsten Güter in den zwischenmenschlichen Beziehungen.

Wirklich gepflegt, können Freundschaften einen unheimlich viel Halt geben, einen aber auch daran erinnern, was man vermisst.

Ich habe keine Freundin, die ich seit dem Kindergarten kenne, dafür sind wir als Familie viel zu oft umgezogen. Auch wenn es, bis zu meinem eigenen großem Umzug, nur innerhalb einer Stadt war, als Kind hat man oftmals keine Wahl und so entwickelte man sich in verschiedene Richtungen. Doch Freundschaften die selbst Entfernungen überstehen, das sind wahre tiefe Freundschaften, die eine Verbundenheit symbolisieren, die der Liebe nahe kommt – nur auf einer anderen Stufe.

Verbundenheit im Geiste – Entfernung hat nichts mit Freundschaft zu tun

Wie sehr mir meine Freunde fehlen, das merke ich gerade an schlechten Tagen. Das merkte ich an dem Tag, an dem ich Lästereien über mich mit eignen Ohren hören musste. Das merke ich immer wieder dann, wenn ich mal nicht weiter weiß und wenn der Mann und ich uns mal streiten. Das merke ich dann, wenn die Schmerzen mich übermannen und ich nicht mal mehr gerade aus gehen kann. Das merke ich genau dann, wenn ich ganz allein hier sitze und mir die Welt um mich herum anschaue. Dann denke ich an meine Freunde aus der Heimat und an diese, die Freundschaften, die es leider nicht geschafft haben, mit der Entfernung klar zu kommen. Ich denke nicht wütend über diese, nur wehmütig und manchmal sehnsuchtsvoll.

Ich kann es ja sogar echt verstehen, wir entwickeln uns alle, sind in unseren Alltagen und Familien. Wir leben grundsätzlich in unseren kleinen eigenen Kosmen und wenn dann noch eine solche Entfernung zwischen den Menschen steht, dann ist es nicht einfach, diese Verbundenheit zu halten. Für keine der beiden Seiten, dann braucht es Stärke und eine andere Ebene der Empathie.

Das Telefon als Nabelschnur

Leider ist das Telefon nicht immer alles, es hilft. Genau wie das Internet oder unsere Handys. Wir können schreiben, telefonieren, Sprachnachrichten schicken, Videos oder uns sogar live via Video-Chat sehen, aber das ersetzt eben nicht immer alles. Manchmal reicht das einfach nicht. An Tagen an denen man einfach dringend eine Umarmung brauchen würde, an denen hat man auch nicht immer den Elan das eines dieser Kommunikationselemente in die Hand zu nehmen. Auch wenn es gerade an diesen so wichtig wäre, an diesen Tagen wünscht man sich eigentlich nicht mehr als den körperlichen Kontakt. Ein Blick, eine gehaltene Hand oder eine Umarmung. Innige Freundschaft ist auch körperlich – denn das gibt uns Menschen Halt – das gibt mir Halt.

Aus dem Heimattal sind mir nun über die Jahre wenige Freundschaften geblieben. Bekanntschaften schon mehr, aber wahre Freunde sehr wenige. Mit Freundschaften meine ich die Menschen, bei denen ich mit dem gepackten Koffer heute Nacht vor der Tür stehen könnte, die mich einfach umarmen und hinein bitten würden. Ohne Fragen zu stellen und ohne es ausdiskutieren zu müssen. Menschen die einfach da wären. Ich weiß das – und diese Menschen sind die wertvollsten in meinem Leben. Dafür bin ich unendlich dankbar. Und ich vermisse diese Menschen manchmal so unsagbar!!!

 

Nicht jeder nette Mensch ist gleich ein Freund

Die Schwelle in mein Herz ist größer als man auf den ersten Blick denkt. Ich bin ein sehr herzlicher Mensch und begegne Menschen grundsätzlich erst mal mit genau dieser Herzlichkeit. Doch das macht sehr verletzlich. Und so hab ich gelernt das herzlich und freundschaftlich zwei Unterschiede sind und manchmal, da mache ich es den Menschen nicht einfach mit einer Freundschaft und mir.

Ich habe sehr hohe Ansprüche an eine Freundschaft und aus Schutz nicht verletzt zu werden, braucht das bei mir Zeit. Zeit und Arbeit. Dabei muss man nicht unbedingt viel tun. Manchmal ist es auch einfach ein Gefühl, aber ich würde niemals nach nur wenigen Wochen meine neuste „beste Freundin“ küren. Aus diesem Grunde kann ich sagen, dass ich seit meinem Umzug in den Norden 2009 und auch seit dem Umzug in unser Haus aufs Dorf 2012 hier wenige Menschen meine Freunde nenne.

Mein Herz ist eine Einbahnstraße

Doch wer es einmal hinein geschafft hat in mein Herz, der kommt da auch so schnell nicht mehr hinaus und so kann ich einige wenige Menschen hier oben meine Freunde nennen. Für meine Freunde gebe ich mein ganzes Herz. „Nur ein Bisschen“ Freund kann ich nicht. Ein Freund ist entweder ein Freund oder ein Bekannter. Aber es sind irgendwie andere Freunde als meine Mädels im Heimattal. Nicht bessere, nicht schlechtere, aber vielleicht verbindet mich mit der Heimat einfach noch ein Stück mehr ich. Doch die Menschen die ich hier oben Freunde nenne, das sind tolle Menschen  – und ja diese wenigen sind mir mehr wert als zig oberflächliche Bekanntschaften die man vielleicht sogar öfter sieht, aber bei denen das Gefühl der Verbindung einfach fehlt.

Diese wenigen Freundschaften sind in ihrer Wertigkeit unbezahlbar.

Und zu einer dieser Wenigen Freundschaften fahre ich gerade – mit diesem Menschen und ihrer Familie verbringe ich nun einen tollen Tag!!!

 

Diese Gedanken sind mein Beitrag zur Blogparade „Über die Veränderung von Freundschaft“ der wundervollen Bella von familieberlin. Dort findet Ihr auch noch ganz viele tolle andere Beiträge anderer mir zum Teil echt ans Herz gewachsener BloggerInnen. 

 

Wie sehr Ihr das Thema Freundschaft? Ist es einfach in Eure Herzen hinein zu kommen und was verbindet Euch besonders? Habt Ihr da eine kleine Anekdote für mich?

 

In diesem Sinne ~ ich wische mir die Tränchen aus den Augen, schwelge in Erinnerungen (später nehme den Telefonhörer in die Hand – da muss dringend ein Anruf in das Heimattal gemacht werden!).

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Kategorie Gedanken

Hier schreibt JesS (33), (Pflege-) Mutter, Autorin und selbstständige Unternehmerin. Zwischen Pflegschaft, Elternsein, Gedanken, LifeStyle und der Liebe zur Fotografie nimmt sie Euch mit auf das Abenteuer Familienleben. Mit viel Herzblut, Authentizität und noch mehr Liebe zu den Dingen die sie tut.

2 Kommentare

  1. Das hast du schön geschrieben. Ich habe leider die Erfahrung gemacht, dass Freundschaft oft nichts Beständiges ist. Ich bin schon sehr sehr oft von Menschen enttäuscht worden, die ich „Freund“ nannte und für die ich sehr viel gegeben habe. Gerade von dem Wechsel in meine Mutterrolle haben sich viele Freundschaften als sehr oberflächlich entpuppt und sind kaputt gegangen. Eine BFF hatte ich noch nie. Manchmal fühle ich mich ziemlich allein, aber anhand der schlechten Erfahrungen bin ich eher vorsichtig geworden.

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