Von der Powerfrau zur Heulsuse und zurück

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Kennt Ihr dieses Syndrom das man als Mama plötzlich zur Heulsuse mutiert? Ich kenne das ganz klar. Auch wenn ich schon immer emotional war, seitdem ich Mutter bin, bin ich nicht nur nah am Wasser gebaut, ich sitze quasi drinnen. Ja so ist das als Mutter und wie es ist, von der Powerfrau zur Heulsuse und zurück, das erzählt und heute Katja.

Ich bin gespannt, wer sich nun wieder erkennen wird.

Von der Powerfrau zur Heulsuse und zurück

Als ich noch zu den Kinderlosen gehörte, war ich eine Powerfrau. Ich wusste genau was ich wollte, und auch, dass ich hart arbeiten musste, um es zu bekommen. Ich war zielstrebig, ehrgeizig und extrem belastbar. Stress machte mir Spaß und mit Zeitdruck wurde ich erst so richtig kreativ. Trauer und Schwäche kannte ich kaum. Und niemand konnte mich verletzen, denn ich ließ den Schmerz nicht an mich ran.

Im Beruf fürchtete ich weder direkte Chefs noch Geschäftsführer, privat liebte ich es schnelle Autos zu fahren, mich beim Sport mit anderen zu messen und  Horrorfilme anzuschauen.

Und dann wurde ich schwanger. Und mit dieser kleinen Fruchthülle in meinem Bauch eröffnete sich mir die Welt der Heulsusen, der Mimimis und der Jammerer. Neben einem scheinbar unendlichen Verlangen nach Wasser (ich trank in den ersten 12 Wochen 5! Liter Wasser am Tag), quollen auch meine Tränendrüsen über und schienen den Wasserstand meines Körpers wieder ausgleichen zu wollen.

Völlig unvorbereitet liefen auf einmal Tränen in Strömen, sobald ich den Fernseher anschaltete. In jeder Werbepause musste ich weinen. Und wir reden hier nicht über die süße Nivea – Danke Mama- Kampagne, die auf diese Art von Gefühle abzielt. Nein, ich heulte, wenn ich einen süßen Hund sah, ich heulte, wenn ein Kind in der Werbung zu seiner Mama lief und sie umarmte und ich heulte, weil ich auch zur Diva geworden war und dringend einen Snickers brauchte.

Ich war Königin des Jammerns, weil ich Sodbrennen hatte und war der festen Überzeugung, mein Baby müsste mit einem Afro auf die Welt kommen. Vielleicht habt ihr es nicht gehört, der Volksmund behauptet, die Haare des Babies verursachen  dieses ätzende Gefühl in der Speiseröhre.

Die allerwichtigste Veränderung war allerdings, dass ich auf einmal auf meinen Körper aufpasste. Ich fuhr immer noch schnell Auto, aber nicht super schnell. Ich ging immer noch überall hin, sprang aber nicht mehr von Mauern um eine Abkürzung zu nehmen, sondern zog die Treppen vor.

Oft erzählen Frauen, dass ihre Männer sie nach der Geburt mit ganz anderen Augen sehen, weil sie auf einmal sehen konnten wie stark wir Frauen wirklich sind. Bei mir war es eher anders herum. Mein Mann wusste immer, dass ich stark bin. Ich hingegen wurde mir meiner wahren Stärke erst mit der Geburt meiner Tochter bewusst. Na klar, ich war auf der einen Seite immer noch die Heulsuse, die vor Mutterstolz platzte, weil sie die minimalste Entwicklung ihres Babies erkannt hatte. Und auch an Taufen und Hochzeiten wurde von nun an regelmäßig geflennt, bis die Tränensäcke ausgetrocknet waren. Aber da war noch diese andere Seite. Diese unfassbare Stärke, die ich vorher nicht gekannt hatte, und die auf einmal alle meine Stärken aus der Vergangenheit in den Schatten stellte.

Mal im  Ernst, wie konnte ich als kinderloser Mensch überhaupt denken, ich wäre verantwortungsbewusst? Während Verantwortungsbewusstsein früher für mich hiess täglich zur Arbeit zu gehen und keine Scheisse zu bauen, haue ich mir heute auf die Finger, weil ich gerade das Sch… Wort geschrieben habe und ich nicht das Vokabular meiner Kinder vermasseln will.

Während Druck früher bedeutete, etwas rechtzeitig fertig zu stellen, treffen ich heute täglich Entscheidungen, die das Leben der Personen, die ich am meisten liebe, nicht nur beeinflussen, sondern für die Zukunft bestimmen.

Hohe Belastung waren früher für mich Überstunden; heute bezwinge ich Wäsche, Einkauf und den Alltag mit zwei kleinen Kindern ohne auch nur 4 Stunden am Stück geschlafen zu haben.

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So schaut eine waschechte Powerfrau aus.

Ich lache über die starke Frau von damals, denn die Powerfrau von heute weiß, dass es nur eine kleine Fruchthülle braucht, um die stärkste Version von dir hervor zu holen.


 

Danke Katja für diesen spanenden Artikel. Gerade Deine Beschreibung, wie Du Dich als Mama verändert hast, hat mir sehr gefallen und verliebt habe ich mich sofort in dieses Zitat aus der About-Me-Seite:

„Der Mamatized-Blog wird dich entweder völlig verstört zu Verhütungsmitteln greifen lassen oder dich endlich wissen lassen, dass du normal und nicht allein bist. Naja, fast normal.“

Ich bin da dafür das Ihr unbedingt bei Katja auf Mamatized vorbei schaut. Aber auch ihre Sozial-Media-Kanäle wie Facebook oder Instagram sind sehr schön.

Jap, da gibt es die ein oder andere Parallele – oder auch mehr – ja es gibt viele.

Wie hat Euch die Mutterschaft verändert? Kennt auch Ihr die wachsende Heulsuse oder ist die bei Euch nicht aufgetaucht?

In diesem Sinne – ob Heulsuse oder nicht, Powerfrauen sind wir doch alle. Wir sind Mütter!

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Kategorie Gedanken
Autor

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3 Kommentare

  1. Oh, da sprichst du, Katja, mir aus der Seele. Ich bin so eine Memme geworden, ich kann nicht mal mehr Radio hören. Ein etwas emotionalerer Song und ich sitze ich Wasser und will meine Kinder halten. Das kann ja noch was werden. Ich habe schon geheult, als die „Große“ erstmals bei Oma übernachtete…mir graut schon vor der Einschulung in 4(!!!!) Jahren… sie wird bekannt als die Tochter der Mutter, die winselte wie ein getretener Welpen. Naja, vielleicht kriege ich das bis dahin ja noch auf die Reihe… 😉 Liebe Grüße und in der Tat: den Blog kannte ich noch nicht. Toll! <3

    • Hach mein Herz, ich kann Dich so verstehen. Ich heule schon beim Gedanken an die Einschulung NÄCHSTES Jahr…. das sind keine 365 Tage mehr… nääääächstes Jahr…. ich dreh durch…. mein Baby. Mein einziges Baby.

      Baby – ein Baby ist sie schon gar nicht mehr – überhaupt nicht mehr….

      Dieses Jahr muss ich schon den Große loslassen lernen – das hat mir keiner gesagt vorher… .hach mein Herz.

      Und ja, ich freu mich wenn ich Euch neue Blogs vorstellen kann 😉

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