Unsichtbar krank – Yvonne und die Depressionen

Bella und die Hashimoto Thyreoiditis Unsichtbar Krank Titel

Wieder erzählt mir und Euch jemand seine ganz persönliche Geschichte und wird damit ein Teil von  #unsichtbarkrank – gemeinsam machen wir unsichtbares sichtbar.

Heute habe ich die liebe Yvonne zu Gast. Yvonne lebt mit ihren Mädels in der Nähe von Hannover. Sie lebt, liebt und lacht, doch das war nicht immer so. Vor zwei Jahren bekam ihr Leben eine Wende – davon berichtet sie heute bei mir und ich hoffe es macht allen Mut. Manchmal lebt es sich eben doch ein Stück leichter, wenn man die Karten auf den Tisch legt….

Unsichtbar Krank – das Leben mit einer unsichtbaren Krankheit
Yvonne und die Depressionen

 

Wer bist Du beschreibe Dich in ein paar Sätzen.

Unsichtbar krank – Yvonne und die Depressionen Limalisoy Yvonne

Bild&Rechte: Yvonne von Limalisoy

Ich bin Yvonne und werde in ein paar Tagen 35 Jahre alt sein. Mit meinen beiden Mädels wohne ich in Niedersachsen, genauer gesagt in der Nähe von Hannover. Wir leben zu dritt auf großem Raum (120qm + Garten) und brauchen auch so ganz viel Freiraum. Das ist nämlich unser Luxus, was anderes brauchen wir kaum… Was mir wichtig ist, sind meine Kinder – wer hätte das gedacht (???), meine Arbeit als Lehrerin in einer Grundschule, meine wundervollen Freunde und seit November 2014 auch mein Blog, der zunehmend ein ganz persönlicher Teil von mir wird. Außerdem aber auch meine wieder gewonnene Lebensfreude, denn die ging mir vor zwei Jahren komplett verloren. Mehr möchte ich aber an dieser Stelle noch nicht verraten…

1. Welche unsichtbare Krankheit trägst du mit dir herum?

Ich habe Depressionen. Also jetzt akut – Gott sei Dank – nicht mehr, aber bis vor Kurzem war das noch so. Da meine depressiven Episoden in immer kürzeren Abständen auftauchten und sich zu einer besonders schweren Depression mit Borderline-Akzentuierung ausgewachsen habe, werde ich nie komplett geheilt sein. Aber nun bin ich symptomfrei und durfte sogar meine (heftigen) Medikamente komplett absetzen.

2 Was hast du für Auswirkungen und sind diese bei jedem erkrankten Patienten gleich oder ähnlich??

Depressionen haben viele Facetten. Es gibt Symptome, die typisch sind, aber nicht jeder Depressive hat gleiche Ausprägungen bzw. alle Symptome. Es gibt diejenigen, die vor lauter Erschöpfung und Missstimmung nicht mehr aus dem Bett kommen und solche, die bis zum Umfallen tätig sind (um sich selbst nicht zu spüren, bzw. die Fassade der Normalität aufrecht zu erhalten – so wie ich). Meine Depression hat mich regelrecht in die Knie gezwungen, denn nichts machte mir Freude. Ich habe nur noch funktioniert, war emotional abgestumpft, hatte Flashbacks und war eigentlich wie ein Roboter: mechanisch und gefühlsmäßig leer.

3. Wie hast Du herausgefunden an welcher Krankheit Du leidest? War das auf den ersten Blick gleich ersichtlich oder musstest Du lange forschen bis klar war, welche unsichtbare Krankheit Dich nun auf Deinem Lebensweg begleiten wird?

Das ist so eine Frage… Herausgefunden habe ich es nicht wirklich, weil ich es nicht wahrhaben wollte. Mein körperlicher Zusammenbruch sorgte dann dafür, dass ich in eine Akutklinik für psychisch kranke Menschen eingewiesen wurde. Ein Burnout, das sich als handfeste schwere Depression tarnte.

4. Wie wirkt sich diese Krankheit in Deinem Alltag (und Dein Familienleben) aus. Orientierst Du Dich an der Krankheit oder orientierte Dein Alltag sich um sie herum – wie integrierst du beides?

Oje, schon wieder so was Schwieriges! Also im Moment wirkt es sich nur so aus, dass ich noch in der Phase bin, in der die Entzugserscheinungen der Medikamente so ein bisschen auf die Stimmung schlagen. Manchmal bin ich dann leichter reizbar, aber das geht schon. Als ich akut depressiv war, war es ziemlich schlimm. Wenn mir alles zu viel wurde, setzte mein Verstand einen Stopp und “beamte” mich aus der Situation raus. Ein Beispiel: Ich war mit meinen Kindern auf einem Spielplatz und merkte, wie ich meinen Körper verließ. Ich schwebte über der Szene und sah mich und die Kinder von oben. Hört sich total bescheuert an – weiß ich doch -, aber das war wirklich so. Ich habe mich auf einem Stein sitzen sehen und die Kinder gedankenlos und leer beobachtet, ich gehörte nicht mehr in dieses Leben. Meine Gefühle waren taub, ich konnte keine Verbindung mehr mit meinen Kindern fühlen. Ich hatte keine Liebe mehr. Es war schrecklich! Um den Kindern davon nichts zu zeigen, verwendete ich viel Energie auf die Schauspielerei. natürlich haben sie gemerkt, dass einiges nicht echt war und ich wenig gelacht habe, aber ich wollte trotz meiner Krankheit eine gute Mutter sein.

In der Zeit, in der ich in der Klinik untergebracht war, wurden die Kinder von ihrem Papa betreut. Das war nicht einfach und hat auch viele Schwierigkeiten mit sich gebracht, aber ich musste komplett aus meinem Alltag herausgezogen werden, um eine Chance auf Heilung zu haben. Nachdem ich wieder da war, war eine andere Organisation gefordert. Mein Alltag musste meiner Krankheit angepasst werden, damit ich keinen Rückfall bekomme (regelmäßige Pausen, Zeit für mich, kein ständiger Arbeitsdrang wie bei einer Maschine, Anbgrenzung gegenüber Reizen und auch den Bedürfnissen anderer). Nur so gelang ein langer Weg, der mich ins normale Leben zurückbrachte. Und heute ist das Leben mit der Krankheit kein Problem mehr, denn ich bin symptomfrei. Allerdings habe ich ein hohes Rückfallrisiko, denn als Lehrerin, Alleinerziehende und hochsensible Person trage ich gleich drei Risikofaktoren mit mir rum.

5. Wie reagiert Umfeld auf diese Krankheit?

Ich habe es meinem Umfeld immer verschwiegen und eine riesengroße Fassade aufgebaut. In der Klinik habe ich dann gelernt, mich zu öffnen. Seitdem ich die Karten auf den Tisch gelegt habe, ist alles leichter. Zwar waren Freunde und Familie erschrocken und einige konnten es auch nicht fassen, aber eigentlich reagierten (fast) alle positiv. Immerhin habe ich den meisten von ihnen die Aufgabe zugeteilt, auf mich Acht zu geben. Denn meistens bemerkt ein Depressiver seine Veränderungen erst sehr spät und will es selbst nicht wirklich wahrhaben.

6. Wie kann Dein Umfeld – wie können Außenstehende Dir helfen?

Meine Freunde reden offen mit mir und fragen auch nach, wenn ihnen an meinem Verhalten etwas komisch vorkommt. Der offene Umgang ist sehr wichtig! Durch viele Gespräche habe ich ihnen erklärt, was mir gut tut und wann ich vielleicht mal Hilfe brauche und wenn sie mal nicht weiter wissen, habe ich ja auf meinem Blog eine Liste “Das tut Depressiven gut” :-). Seit meinem “Outing” als Depressive ist ohnehin alles besser. Ich kann nur jedem dazu raten.

7. Ich selber habe gute und schlechte Phasen – woran erkennen Außenstehende ob Du grade einen „Schub“ heißt eine schlechtere Phase hast ohne Dich fragen zu müssen? Geht das?

Oh ja, das geht. Wenn ich schlechte Phasen habe, bin ich extrem gereizt. Da ist dann Vorsicht geboten. Meine Lieben wissen dann, dass sie mich dezent mal zu einer Pause überreden müssen. Dummerweise leide ich auch an Neurodermitis, auch eine Krankheit, die je nach Stresslevel und persönlicher Befindlichkeit äußere unschöne Erscheinungen hervorruft. Wenn mein Stress somit sichtbar wird, kann auch so gesehen werden, dass ich nicht so viele “Nebenbaustellen” gebrauchen kann.

8. Wie wird Dir geholfen? Hast Du gute Ärzte? Nimmst Du Medikamente und wie stehst Du alternativen Heilmethoden gegenüber?

Ich habe tolle Ärzte, die mich gut kennen und sogar selbst depressive Phasen hatten. Was will ich mehr? Zur Bekämpfung meiner akuten Phasen habe ich verschiedene Antidepressiva genommen; glücklicherweise bin ich nun so stabil, dass ich komplett ohne etwas davon auskomme :-).

9. Wenn ich Dir einen Tag schenken könnte, an dem Du nicht eine einzige Einschränkung und keinerlei Beschwerden hättest, was würdest Du machen?

Ich würde den Tag genießen, mich über das Leben freuen und beten, dass noch viele dieser Tage kommen werden.

10. Wie ist Dein Weg mit der Krankheit trotzdem ein erfülltes und glückliches Leben zu führen?? Hast Du dazu eine besondere Einstellung oder einen besonderen Umgang mit Dir???

Ich habe gelernt, besser auf mich zu achten, meine Bedürfnisse wahrzunehmen und mich gegenüber anderen auch mal abzugrenzen. Als HSP bin ich sehr empathisch und habe eine Art Helfer-Syndrom. Ich habe mich in der Vergangenheit stets mit anderer Leute Problemen vollgeladen, um von meinen eigenen abzulenken. Das mache ich nun nicht mehr. Ich helfe zwar immer noch gern, aber auch nur dann, wenn ich wirklich die Kraft dazu habe. Außerdem habe ich mehr Struktur in meinen Alltag gebracht und will nicht mehr alles auf einmal und sofort. An der Gelassenheit hapert es zwar noch, aber es wird besser und somit bin ich heute weitaus glücklicher als viele Jahre zuvor.


Danke liebe Yvonne für Deine ehrlichen Worte. Ich hoffe sie machen anderen erkrankten Menschen Mut. Mich haben sie sehr berührt.

Noch immer bin ich ganz überwältigt von der positiven Resonanz und auch den Offenheit. Euer Vertrauen ist unendlich wertvoll und ich ich fühle mich geehrt, dass Ihr es mir entgegen bringt.

Limalisoy-ruhiger-Header-perfekt1Yvonne findet Ihr auch ihrem Blog, auf Facebook und auf Twitter @limalisoy – schaut mal bei Ihr vorbei.

Mein Raum – Eure Stimme – zusammen machen wir sichtbar was sonst keiner sieht.

Wenn auch Du mir nun Deine Geschichte erzählen möchtest; schreib mir gerne eine Email, denn nur mit Euch zusammen funktioniert es sie sichtbar zu machen unsichtbarkrank @ feiersun.de

In diesem Sinne ~ das Leben ändern können wir eh nicht, also machen wir doch bitteschön das Beste draus.


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Ich danke Euch für Euer Vertrauen!!

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Kategorie Unsichtbar Krank

Hier schreibt JesS (32), die Mutter, Autorin und selbstständige Unternehmerin. Zwischen Pflegschaft, Elternsein, Gedanken, LifeStyle und der Liebe zur Fotografie nimmt sie Euch mit auf das Abenteuer Familienleben. Mit viel Herzblut, Authentizität und noch mehr Liebe zu den Dingen die sie tut.

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