PCOS – die unsichtbare Krankheit

Eine berührende Geschichte voller Gefühlen und dem Wunsch uns auf zu klären. Für mehr Verständnis, was eine Krankheit betrifft, mit der ich mich vorher noch nicht auseinander gesetzt hatte.

Heute habe ich einen ganz besonderen Gastbeitrag für Euch. Einen Beitrag bei dem ich wieder die Demut der Dankbarkeit verspüre und den ich von Herzen gerne veröffentliche nachdem mich die liebe Jenny fragte, ob ich ihn veröffentlichen würde. Jenny kenne ich schon seit dem wir ganz junge Teenager waren und sie hat mich sogar schon hier oben im Norden besucht und ich war erstaunt, was sie in der Zeit alles geschafft hatte.


 

Ich bin krank, ja! Man sieht es nicht, zumindest nicht für das ungeübte Auge.
Ich habe Übergewicht, ja und nein ich kann nicht mal so eben abnehmen, denn ich bin krank!
Heilbar? NEIN! Symptome können gebessert werden aber verschwinden niemals ganz.
Ich habe das Polyzystisches Ovarialsyndrom, kurz PCOS!

Was das ist kann man auf vielen Seiten nachlesen, aber am besten erklärt ist es auf der Webseite der PCOS Selbsthilfe Deutschland e.V.

Kurzgefasst: Mein Körper produziert zu viele Männliche Hormone.

Aber fangen wir man vorne an.

Meine Periode kam mit 16 schon nicht regelmäßig, aber ganz ehrlich, welcher Jugendliche denkt sich nicht; „Oh toll keine Periode, dann kann sie mir auch nicht auf den Senkel gehen.“
In der Zeit hörte ich von meiner Frauenärztin auch nur: “Sie müssen abnehmen“, aber eine Erklärung gab es nicht.
Mein Gedanke; mir sagt eine Frau die 3 fach so dick ist wie ich das ich abnehmen muss? Ja ne ist klar
2003 lernte ich meinen Partner kennen. Ich habe mir natürlich als zuerst keine Gedanken gemacht Meine Periode kam manchmal regelmäßig und dann auch wieder nicht. Schwangerschaftstest wurden natürlich gemacht, allerdings nur zur Vorsicht, da wir ja haben verhütet haben.
2007 sind wir zusammen gezogen, ab dem Zeitpunkt haben wir gesagt, wir versuchen es ohne Verhütung (bis dato nahm ich noch die Pille).

Tja und da fing das ganze erst an.
Keine Periode mehr, jedes Mal ein negativer Test – sehr deprimierend.
Neue Frauenärztin gesucht und auch gefunden. Diese hatte sämtliche Test gemacht und kam dann auch darauf, dass ich das PCOS-Syndrom habe.
Als erstes war es gar nicht so schlimm, weil sie auch gleich sagte, das es  Hormone gibt die bewirken können, dass man schwanger wird.

HOFFNUNG! Test vom Mann ob alles ok war, war in Ordnung
HOFFNUNG! Doch die Tortur ging los.

Doch dann begann eine Odyssee

Metformin – habe ich nicht vertragen
Duphaston – ergab kein Erfolg.
Clomifen (in Überdosis zum Schluss) – brachte auch keinerlei Erfolg.
Eine Überweisung in die Kinderwunschklinik erfolgte.
Klar man schöpft irgendwie auch Hoffnung, aber schon abgeschwächter.
Neue Medikamente mussten her.
Puregon – jeden Tag spritzen und das jede Woche eine andere Dosis.
Ich konnte nicht eingestellt werden. Meine Hoffnung die noch da war , wurde von Tag zu Tag weniger.
Ich habe die Blöde Spritze nur noch mit Tränen angeschaut und gesagt :“Jetzt hilf doch endlich du blödes Teil.“
Irgendwann habe ich nur noch unter Tränen gesagt, dass ich nicht mehr  will, weil ich nicht mehr kann.

Ich zerbrach jeden Tag ein bisschen mehr.

Ich habe erst mal aufgehört und gesagt ich lebe lieber ohne Kind.

Meine Beziehung hat natürlich sehr gelitten. Ich wollte meinen Mann gehen lassen weil ich ihn lieber mit einer anderen Frau glücklich mit Kind sehen wollte, als mit mir zwar glücklich aber ohne das Kind welches auch er sich so sehr wünschte.
Also trennte ich mich, eine kurze Zeit (ne Woche ca.), wir redeten und haben nochmal einen Versuch mit den Spritzen gewagt. Doch die Odyssee begann von vorn…

Ich habe wieder aufgehört, weil irgendwann einfach gar nichts mehr ging.
Daraufhin habe ich beschlossen, dass ich brauche eine Pause brauchte. Ich bat meinen Mann doch das Angebot an zunehmen und hier die Ernähungsberaterin aufzusuchen.
Ja es kostete Geld , aber ggf. ist es ja gut investiert.
Selbst wenn mir und damit uns das nicht helfen sollte, sollte ich wenigstens ein wenig abnehmen und sehe wieder toller aus.
Gesagt getan.
Kurse besucht mit Partner, da er auch das ganze umsetzen musste mit mir. Er wollte schließlich auch das wir ein Kind bekommen, also konnte er auch was tun dafür. Dieser Kurs basiert auf Low Carb .

Warum LOGI bei PCO?

Kinderwunsch-Kliniken arbeiten eng mit Ernährungsberatern zusammen, um eine bessere Grundlage für unsere Eizellen zu bekommen. Stoffwechselprobleme und Übergewicht können nachteilig auf unserem Hormonhaushalt wirken und damit eine Behandlung erschweren. Außerdem ergibt sich eine frühe Ermüdung der Eizellreserve und bei eintretender SS ein erhöhtes Abortrisiko.

Warum also LOGI?

Auch im Fettgewebe werden Hormone produziert. Deswegen kann ein erhöhter Fettanteil und Übergewicht bei Kinderwunsch hinderlich sein. Bei normalgewichtigen, gesunden Patienten besteht normalerwiese ein Gleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Hormonen. Bei Übergewichtigen haben meistens die männlichen Hormone die Überhand.

Übergewicht und Bewegungsmangel verstärken zudem die Neigung zu einer Insulinresistenz. Für eine bessere Behandlungschance ist daher ratsam den Insulinspiegel zu senken. Dieses alles bietet LOGI. Ziel ist es die Senkung der Insulinkonzentration zur Schonung der Bauchspeicheldrüse. Zucker und stärkereiches Essen bilden bei dieser Form nur einen geringen Anteil. Die Eiweißzufuhr wird unter der Berücksichtigung einer besonders hohen Fettqualität erhöht. Stärkearmes Gemüse, Salate und Obst ergänzen die Kombi der Nahrungsmittel.

Die Logi Methode wird in vielen Kliniken aufgrund wissenschaftlicher Nachforschungen/ Erkenntnisse und nachweisbarer Erfolge angewandt.

Was dann geschah

Ein Jahr später habe ich gesagt ich mache im Februar nur noch die Prüfung und dann werden wir nochmal einen Versuch starten.
Kurz vor der Prüfung (8 Tage nach meinem Geburtstag) bin ich zum Arzt gegangen. Mir war so schlecht, was ich aber auf meinen nervösen Magen und die bevorstehende Prüfung schob.
Mein Hausarzt bat mich zum Frauenarzt zu gehen.
Ich habe mir nur gedacht warum? Mir ist doch nur schlecht.
Nun ja, ich bin dahin und habe einen Urintest gemacht. Der Arzt sagte mir, das ich schwanger sei. Meine Reaktion? Ich wollte neuen Urin abgeben!
Es konnte doch nicht sein das ich nach solange Zeit des Versuchens, nach fast 6 Jahre, endlich schwanger wurde und das auch noch ganz ohne Hormone!
Wir haben einen Ultraschall gemacht und meine Schleimhaut war aufgebaut.
Mein Satz: „Ja ok dann bekomme ich ja jetzt meine Periode, ist ja ok.“
Er zeigte mir wieder den Positiven Test.

Es war ein komisches Gefühl. Zum eine Freude, zum anderen aber auch panische Angst. Angst, dass der Arzt mich nur anlügt und es alles nur ein Traum ist und ich gleich aufwache.
PANIKATTAKEN – keine schöne Sache .
Meine Frauenärztin hat mich nicht für voll genommen.
Es hat gezogen überall und mir wurde nur gesagt solange es nicht blutet passiert nichts, das ist normal.
Tja mein Gang ging alle 5 Minuten auf die Toilette weil ich jeden Moment damit gerechnet habe, dass ich das Baby verlieren würde.
Kurz vor dem Ende des dritten Monats habe ich den Arzt gewechselt.
Der neue Arzt hat mich auch direkt aus dem Verkehr gezogen und mich umgehend auch zum Psychologen geschickt.
Ich könnte mich heute noch dafür treten das ich das nicht früher gemacht habe. Schon in der Anfangszeit, aber da dachte ich ja noch damit klar zu kommen und habe mich selbst angelogen und es auch geglaubt. Ein Psychologe kam für mich ca 4 Monate in Frage, danach kamen die ganzen körperlichen Beschwerden, allerdings  haben diese viele schwangere Frauen, von daher war das noch ok.

PCOS - die unsichtbare Krankheit {Gastpost} (1)

Bildrechte: Jenny Mauzz

Es war alles ein böser Traum

Ich für meinen Teil weiß, ich werde nie vergessen wie ich mich gefühlt habe, werde nie vergessen welchen Schmerz ich erlitten habe dadurch und was es aus mir gemacht hat.
Auch wenn viele immer sagten,das ich doch jetzt total überglücklich sein musste mir meiner Schwangerschaft. So war es nicht nur, nein es  war komisch. Alle sahen nur das Ende des Kampfes, aber nicht das was war, was kaputt in einem gegangen war. Ich wusste, ich werde mein Kind lieben und es nie missen wollen. Ich weiß aber auch, welche Hölle ich durchquert habe, wie viele „ Freunde“ ich aus meinen Leben verbannt habe, die absolut nicht verstehen wollten das es nicht so einfach ist mit dem Kinderbekommen. Die, die immer meinten, alles besser wissen zu müssen, die einem nur reingeredet und mich zeitgleich verletzt haben ohne es selber zu merken.
Man benötigt Freunde die einen verstehen, die für einen da sind und auch akzeptieren wenn es heute nicht geht …

PCOS kann vieles mit einem Machen und es ist nicht immer leicht damit umzugehen.
Freunde die schwanger werden und denen man nicht sagen kann oder will, dass man dies selbst gerade nicht erträgt. Man wendet sich ab geht kaum hin. Ich fragte wie es der Mutter geht, aber nie, wie es dem Kind geht. Säuglinge meidet man. Man hört sie in der Stadt brüllen aber sah sie nicht……

Mein ganz persönliches Wunder!!

Ich habe mein Wunder bekommen, am 27.7.14 – zu unserem  11-jährigem Jahrestag – wurden wir nach dieser langen Odysee mit unserem Wunder belohnt.
Es war ein harter Kampf, den es  sich gelohnt hat zu gehen.
Ein steiniger Weg , der mit dem größten Geschenk auf Erden belohnt wurde.

Was es bedeutet für mich mein Kind zu sehen? Einfach alles!
Wie es mir heute geht? Wenn ich sagen würde alles ist perfekt – bei mir selbst – würde ich lügen, denn alles das war einfach sehr steiniger Weg! Ich kann aber sagen, das ich glücklich bin und es sich lohnt für das Glück in seinem Leben zu kämpfen.

PCOS - die unsichtbare Krankheit {Gastpost} Halt mich

Bildrechte: Jenny Mauzz.

Unser Wunder, es bedeutet alles für uns, wir lieben SIE!
Was das Wunder für mich bedeutet? Ich habe glauben gelernt! Ich habe es nicht für möglich gehalten und glauben gelernt. Unser schönstes Jahrestags-Geschenk, war unser kleines WUNDER. Ich bin dankbar über jeden einzelnen Tag den ich mir ihr verbringen darf.

Wenn ihr jemanden kennt mit dem Problem. Schaut nicht weg. seid einfach da!


Ich kenne Jenny schon seit vielen vielen Jahren und war ergriffen, als sie mir bei einem Besuch bei mir nachdem wir uns fast ein Jahrzehnt nicht gesehen hatten, diese Geschichte erzählte. Und selbst beim Bearbeiten dieses Gastartikels spüre ich Demut und Dankbarkeit und großen Respekt das sie diesen Weg so toll gegangen ist. Jenny, ich danke Dir für Deine Offenheit und hoffe, dass Du Dein Wunder noch lange genießen kannst und das wir uns ganz bald wieder sehen.

Eine weitere persönliche und ergreifende Geschichte zu dieser Krankheit hat die liebe Anna vom Blog Familiemotte bereits bei der lieben Dajana auf dem Blog mit Kinderaugen veröffentlicht. Sehr lesenswert, aber vergesst nicht vorher Taschentücher bereit zu legen – Emotionen garantiert!

 

Kanntet Ihr diese Krankheit? Habt Ihr schon vorher von Ihr gehört und wenn Ihr betroffen seit oder jemanden kennt – mögt Ihr davon berichten???

 

In diesem Sinne ~ manchmal wirken wir so normal, doch auf den zweien Blick kann man manchmal den Menschen in die Seele sehen. Wenn sie es zulassen und wir genau hinschauen!

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Kategorie Unsichtbar Krank
Autor

Gastautor bei feierSun.de - wir freuen uns über die gemeinsame Gestaltung des Connects für die Leser und arbeiten als Community immer zusammen.

7 Kommentare

  1. Liebe Jenny, Als Gleichgesinnte kann ich sagen: Du bist nicht allein da draußen.
    Ich kenne Dein Problem und die Gefühle zwischen Hoffen, Bangen und der großen Enttäuschung. Wie wunderbar, dass Euer großer Traum sich nun doch noch erfüllt hat und ihr Euer kleines Wunder in den Armen halten dürft. Genießt die Zeit zusammen und akzeptiere diese blöde Krankheit als einen Teil von Dir. Mir hat der Kampf und mein Kinderwunsch gezeigt, wie wertvoll so ein kleines neues Leben ist, und dass es eben nicht selbstverständlich ist, einfach ein Kind in die Welt zu setzen.

    Wichtig ist es, anderen Betroffenen Mut zu machen, nicht aufzugeben. Sich von Niederlagen nicht abschrecken zu lassen. Und auch über Alternativen nachzudenken. Und am Ende kann sich der Wunsch erfüllen – das gibt immer wieder Hoffnung!

    Danke für Deinen ehrlichen Beitrag. Fühl´ Dich lieb gegrüßt,
    Anna

    Sei lieb gegrüßt!

    • Jennifer Beckers

      🙂 Danke für die lieben Worte:)
      Ich bin einfach nur überglücklich, das es nach 6 Jahren doch noch geklappt hat.
      Alternative wäre ein Pflegekind gewesen und ich denke das ich den Schritt auch als 2tes kind wähle. Nochmal bewusst so ein Stress tue ich mir nicht an. Ich habe gelernt dankbar zu sein. Nun will ich einem Kind ein Zuhause gewähren was leider keins hat.
      Sollte ich trotzdem schwanger werden, dann soll es so sein.
      Der komplett „wirre“ teil ist noch in der Schwangerschaft entstanden. Ich bin froh das ich durch die pco Gruppe bei Facebook Rückhalt hatte von betroffenen.
      Ja wir sind nicht allein ! In meinem direkten Umfeld lerne ich auch immer mehr betroffene kennen,die sich trauen sich zu outen. Total komisch ^^
      Ich wünsche dir eine schicke restliche Woche

  2. Pingback: Meine ♥-Links der Woche (3) - Familie Mottes Mama- und Familienblog

  3. Ich kenne die Zerreißprobe zwischen Hoffen und Bangen, Enttäuschung und Angst selbst sehr gut. Die Hoffnung, dass es diesen Monat endlich geklappt hat und zeitgleich die große Angst und ab einem bestimmten Zeitpunkt irgendwie auch Gewissheit, dass man wieder enttäuscht auf einen einzelnen rosa Strich blicken wird.
    Es ist wundervoll, wenn man am Ende des Kampfes ein gesundes Kind in den Armen halten darf und ich bin froh und dankbar für unser Wunder. Doch bis all die Strapazen der Kinderwunschzeit überstanden sind, dauert es eine ganze Weile.

    Alles Gute Dir und Deiner kleinen Familie <3
    Lena

    • Jennifer Beckers

      Danke dir 🙂
      Ja die Strapazen der letzten Jahre merke ich noch immer. Es sind viele kleine Dinge, die mich nicht zur Ruhe bringen.
      Wir versuchen jetzt auch eine Kur zu bekommen. Ich bin den Gang zum Psychologen gegangen, allerdings mein mann nicht. Bei ihm merkt man es schlimmer wenn man drauf achtet .

      Ich hoffe das wir bald soweit sind und „normal “ den Alltag meistern.
      Draußen wird man doof angeschaut,nur weil man ein weinendes Kind auf den Arm nimmt und beruhigt. Man bekommt Sätze wie „ein kind muss auch schreien ,weitet die Lungen “
      Mein Kommentar dazu :“ihr Kind oder meins? “
      Ein Ende dieser ganzen Strapazen der letzten Jahre ist in Sicht !
      Ist deine Zerreißprobe vorbei?
      Lg

  4. Ich bin gerade sehr ergriffen und weiß garnicht, was ich dazu sagen soll..
    Vor unserem Kinderwunsch hätte ich nie geglaubt, dass es so schwer werden kann.

    Ich habe ebenfalls PCO und wenn ich das lese, stehe ich noch ganz am Anfang.
    In meinem Blog (wird gerade aufgebaut) habe ich die Geschichte meines Mannes und mir niedergeschrieben. Wir halten unser Glück noch nicht in den Händen und auch nicht im Bauch. Aber wir kämpfen dafür und lassen uns nicht unter kriegen.

    Liebe Grüße,
    Elli

    • Liebe Elli,
      ich bin meiner Gastschreiberin sehr dankbar für ihren offenen und ehrlichen Artikel.
      Und Dir wünsche ich alles alles erdenklich Gute auf Eurem Weg. Berichte gerne weiter davon!!

      Liebste Grüße
      JesSi Ca

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