Mehr als Chaos – plötzlich Zweifachmama

Mehr als Chaos My Family (2) - KopieVom plötzlichem Segen nun eine Zweifachmama sein zu dürfen

Ich war mir gar nicht sicher, ob meine Gedanken hier überhaupt einen Platz haben, denn schließlich habe ich nach der Motte kein Baby mehr bekommen und doch herrscht hier ganz deutlich #mehralschaos.

Dann hab ich überlegt – mach einfach mit bei der {Blogparade} von Mama on the rocks und Mama Schulze, denn auch ich hab zwei Kinder und bin dann doch auch irgendwie eine Zweifachmama.

Ich kann Euch gar nichts dazu sagen wie ihr das neue Baby und das erste Kind managt, dass das zweite Kind einfach schier mitziehen muss. Das sind alles nur Theorien für mich, aber wir stehen dafür vor ganz anderen Fragen und Herausforderungen und durchlebten gerade einen wirklich schwierigen Aspekt.

„Mama der große Junge ist doch mein Buder – also soll der doch mal in Deinen Bauch krabbeln und dann wieder rausflutschen…“

Ich berichtete in meiner Kindermund-Reihe darüber und erlebte Schmunzeln und Rührung darüber. Ich selber empfand die Situation als genau so, doch sie war ein Vorbote auf eine nicht einfache Zeit.

Wenn das zweite Kind das größere ist

Eine Situation die wirklich nun nicht all zu oft ist und wie hat die Trainerin das im Eltern-Coaching genannt „diese Situation ist ja auch so nicht  normal“.

Und so hat das Kind von außen wirkend keinerlei Probleme mit dem Einzug des großen Jungen. Erstmals und nach außen ersichtlich. Doch nach einem Jahr sollte sich da etwas anderes auftun.

Aber zum Verständnis muss  ich etwas ausholen:

Der große kam Anfang Dezember 2013 – damals 15 – zu uns. Anfangs war noch alles sehr unklar wie es weiter geht. Dann begann das Überlegen. Soll der Junge bei uns bleiben? Kann er bleiben? Kann ich das? Können wir das? Klappt das? Was sagt die Motte dazu? Wie hart wird der Kampf? Wie lange wird es dauern und wie krass wird es werden? Viele Fragen stellten sich – einiges ergab sich von allein – vieles waren gar keine wirkliche Fragen.

Entscheidung und Kampf

Die Motte schloss ihn schnell in ihr Herz – ganz fest und ganz tief. Irgendwann kamen wir an einen Punkt an dem wir eine klare Entscheidung treffen mussten – auch für sie. Doch unsere Herzen hatten dies bereits getan und so begann der Kampf und ich fechtete sein Dableiben aus. Psychologen, Jugendamt, seine Mutter, sein Vater, die Großeltern – die ganze Familie drum herum war involviert – nebst meines  wie unterschiedlich Mütter doch sein können. Und doch hatte ich am längsten die Kraft zu kämpfen. An Stellen an denen die anderen Parteien kurz vor dem Aufgeben waren hielt ich den Kopf oben – das war ein verdammt harter Kampf den ich voller Liebe und Sorge ausfechtete.

Dann war klar, er bleibt. Damit war der Kampf nach außen wirkend vorüber. Aber irgendwie fing er auch gerade erst an. Nun hatte ich zwei Kinder. Der große ist wirklich ein toller Junge. Aber er bringt seine eigene Geschichte mit. Mehr als das er selber denkt und das sich im Familienleben mal mehr und mal weniger äußert. Seine Krankheit bekamen wir in den Griff und er lebte sich hier ein. Ich entdeckte mit dem Vorschlaghammer Muttergefühle und bereue keinen Moment des Kampfes.

Motten-Rebellion

Nun hatte, fast ein Jahr später, die Motte ihre wirklich schlechte Phase. Sie schien nun erst zu verarbeiten und ausdrücken zu können das wir keine normale Familie sind. Ich denke für sie waren wir normal – nur sah sie nun im Kindergarten das es auch anders geht. Sie brüllte, schrie, wütete, schlief nicht mehr und entdeckt Geister und Monster die sie ärgerten und mit denen sie sich unterhielt. Denn auch im Kindergarten musste sie plötzlich merken: Ich bin eine unter vielen. So wie sie zu Hause merkte, ich bin nun zu zweit.

Wir hatten sehr viel Zeit und Kraft und Mühe in das Akzeptieren der Pflegschaft gesteckt, in das Herausfinden der Krankheit und zum Zeitpunkt das Rebellieren der Motte verletzte sich der große Junge das Knie und musste operiert werden. Sie hat alles über sich ergehen lassen, doch das schien zu viel und sie brüllte nach Aufmerksamkeit. Sie war sonst ein sehr selbstbewusstes Mädchen mit einem Schädel so dicke wie eine Betonwand und der Zickigkeit ihrer Mutter, aber sonst machte sie uns null wirkliche Sorgen. Das versuchte sie wohl gerade zu ändern, denn auch diese Aufmerksamkeit war Aufmerksamkeit. Und sie schaffte es auch, ich machte mir große Gedanken, denn sie veränderte sich in minimalster Zeit rasant – aber genau so rasant ging es wieder zurück nachdem wir es raus fanden und mit viel Liebe und Zuwendung und Geduld ihr alles erklärten was uns so in den Sinn kam und was sie uns plötzlich fragte.

Doch Liebe und Familie stehen darüber

Das hört sich alles negativ und erschreckend an und doch möchte ich erzählen, warum ich stolz darauf bin, dass ich zwei Kinder habe die mehr als nur anstrengend und chaotisch sind – die einfach wunderbar sind in dem, was sie sind!

Plötzlich Geschwister, was das auch bedeuten kann, dass fassen wir hier einmal kurz zusammen:
  1. Plötzlich eine kleine Schwester bedeutet aber auch plötzlich einen großen Bruder zu haben. Jemanden der mit einem spielt und das eben anders als Mama und Papa.
  2. Der große kümmert sich rührend um die Kleine – er schätzt was der Herzensmann und ich für ihn getan haben und täglich tun und gibt so viel Liebe an die Kleine ab das jedes Mutterherz glüht.
  3. Zusammen spielen macht zwar der Motte mehr Spaß als dem Großen, aber er weiß wie sehr sie es liebt und wie sehr es uns vor allem mit hilft, wenn er sie mir abnimmt damit ich noch was arbeiten, bloggen oder auch mal kochen kann.
  4. Aufpassen. Es ist schon vorgekommen das der Herzensmann und ich einen abendlichen Termin wahrnehmen mussten und Oma brauchte nur so lange hier sein, bis das Mottchen schläft – denn auf ein schlafendes Kind kann ein mittlerweile 16 jähriger schon recht gut aufpassen.
  5. Die Liebe und das Vertrauen zwischen diesen beiden ist greifbar – spürbar und manchmal sogar sichtbar!!!! So muss das sein mit der Geschwisterliebe!
  6. Sie hat einen großen Bruder – wenn ihr mal jemand blöd kommt dann kann sie tatsächlich diesen holen und der wird sie beschützen.
  7. Wir befassen uns mit Themen, über die wir nicht mal nachgedacht hätten – zum Einen organisatorisch, aber auch zum Anderen wir Fragen: Wann soll ich drinnen sein? Wie hoch soll das Taschengeld sein – kann man ja vielleicht mal gebrauchen später und alles andere ist gut für die Allgemeinbildung.
  8. Psychologisch setze ich mich mit ganz anderen Fragen auseinander. Das kann ich nicht nur für die Kinder gebrauchen.
  9. Seine Freundinnen müssen hier durch den Motten-TÜV, wer den besteht ist akzeptiert (das ist nicht schwer bei ihr aber Kinder und siebter Sinn – das klappt schon gut, ich bin gespannt wie es dann werden wird, wenn sie mal in das Alter…. NEIN so weit will ich noch gar nicht denken!!!
  10. Durch den hohen Altersabstand hat der Große eine ganz andere Auffassungsgabe und ein viel größeres Verständnis – manchmal mehr manchmal nicht.
  11. Ich scherze immer, das sich hier die Kinder vermehren ohne mein bzw. unser Zutun, denn auch die Nachbarskinder sind regelmäßig hier. Ich war nicht körperlich schwanger sondern harke den Kampf um die Pflegschaft als Schwangerschaft ab.
  12. Der Große braucht definitiv keine Schnuller, keinen Maxicosi, keine Windeln, kein Füttern, nix mehr – der ist aus dem „Gröbsten raus“
  13. Auch wenn es kein Teilen mehr unter gleichaltrigen ist – sie lernt nun – und das wohl gerade sehr deutlich – das sie nicht das einzige Kind ist und das da neben Mama und Paps noch jemand ist der Mama und Papa bracht. Für das Teilen unter gleichaltrigen Kindern oder streiten unter diesen hat sie ja dann den Kindergarten.
  14. Der zweite Mann im Haushalt kann schon sehr hilfreich sein. Der Herzensmann arbeitet viel und hart und trotzdem kann ich jemanden bitten mit beim schweren Einkauf zu helfen. Dem Herzensmann beim Garagenbau helfen oder Holzstapeln gehen nun schneller von der Hand und ich kam auch in diesem Jahr ums verhasste Rasenmähen drum herum.
  15. Das hört sich alles an, als müsste er hier nur helfen und aufpassen – natürlich nicht, er hat auch viele Freiheiten und lehrt uns so, dass man ihm vertrauen und sich auf ihn verlassen kann.

Und in Kombination funktionieren wir als Familie alle sehr gut. Wir sehen uns, wir respektieren und akzeptieren uns. Wir helfen uns alle gegenseitig – und wir LIEBEN uns!

Da ist der eigentliche Wunsch nach einem selbstgeborenen zweiten Kind zwar da aber schon erträglicher.

Und ich glaube daran: Jeder Mensch mit einer besonderen Geschichte findet jemanden anderen mit einer ähnlichen Geschichte. Und so hat sich irgendwer ausgedacht, dass der große Junge genau vor unserer Türe stand, weil dieser jemand – nennen wir ihn mal einfach Schicksal – wusste; da kann dem Jungen geholfen werden, da wird er Liebe erfahren. Eben weil vielleicht ähnliche Wege bereits bestritten wurden.

Meine Familie ist mehr als Chaos, sie ist laut, leise, bunt, lustig, traurig, spannend, großartig, zum Haare raufen, sie ist was sie ist – sie ist WIR, sie ist FAMILIE mit jedem einzelnem Mitglied!!!

Mehr als Chaos My Family (2)

Wie ist das bei Dir? Gibt es Vorteile bei Euch als Mehrfacheltern? Wie viel Chaos brachte das zweite (oder dritte oder…) Kind wirklich mit sich und was für schöne Seiten / Vorteile? Berichte gerne in den Kommentaren oder mach mit der der Blogparade!!

In diesem Sinne ~ nicht das Blut macht uns zu Eltern, sondern die LIEBE!!!!

 

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Kategorie Familie, Pflegschaft

Hier schreibt JesS (32), (Pflege-) Mutter, Autorin und selbstständige Unternehmerin. Zwischen Pflegschaft, Elternsein, Gedanken, LifeStyle und der Liebe zur Fotografie nimmt sie Euch mit auf das Abenteuer Familienleben. Mit viel Herzblut, Authentizität und noch mehr Liebe zu den Dingen die sie tut.

6 Kommentare

  1. Wunderschön geschrieben, und der Motten-Freundinnen-TÜV ist ja wohl der Hammer ;-)).
    Ja, Du beschreibst wirklich eine Ausnahmesituation, nämlich wie sich zwei Kinder – und dann noch mit einem so grossen Altersunterschied – plötzlich zu Geschwistern zusammenraufen. Ich finde, ihr packt und managed das alles ganz wunderbar! Und ja: Das Schicksal hat sich eindeutig etwas überlegt und die richtigen Eltern und die richtige Schwester mit dem Grossen zusammengebracht. Genauso wie die Motte den besten grossen Bruder der Welt hat! In Deinen Zeilen ist so unglaublich viel Liebe zu lesen, ich glaube, da reicht es irgendwann dann doch auch noch für ein 3. Kind ;-). Ich wünsche es euch jedenfalls von Herzen <333

  2. Ein wunderschöner Post – ehrlich und aufwühlend !
    Du bist eine tolle, starke Frau und Mutter.. und ich freue mich, dass wir uns über Twitter kennenlernen durften 🙂
    Liebste Grüße – Linda

  3. Liebe Jessica, vielen Dank, dass Du mitgemacht hast und Deine/Eure Geschichte mit uns teilst. Mir ist ein kleiner kalter Schauer über den Rücken gelaufen, ich bin sehr gerührt, wie ihr das meistert! Ich finde es bewundernswert, was ihr bisher geleistet habt und wünsche Euch wirklich nur das Beste für die Zukunft! Hach! Schnief! LG Julia alias Mama Schulze

  4. Wunderschön geschrieben mit ganz viel Herz!
    Deine beiden Kids haben großes Glück so starke, mutige und herzliche Eltern zu haben!

    Ich bin tief beeindruckt über das, was ihr beim Großen geleistet habt. Oft denke ich darüber nach, ob wir nicht auch einem 4. Kind eine „Chance geben sollten“ in einer ähnlichen Art wie ihr es gemacht habt! Dein Text macht hier sehr viel Mut!

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  6. Pingback: Sag mal, wie wuppst Du das, JesSi? - Mama Schulze

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