Unsichtbar krank – Lisa und Asthma

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Vertrauen ist ein Gut welches man sich eigentlich erst erarbeiten muss, daher bin ich um so geehrter, das Ihr es mir so sehr entgegen bringt – Ihr die mir jeder seine ganz persönliche Geschichte erzählt und damit ein Teil von  #unsichtbarkrank werdet.

Heute habe ich die liebe Lisa zu Gast und sie erzählt von ihrem Leben mit Asthma, welches sie seit ihrer Teenager-Zeit begleitet. Wie sie damit lebt und was für sie besonders wichtig und hilfreich wäre, denn sie könnte bei ihrer Krankheit wirklich durch ihr Umfeld entlastet werden, dass erzählt sie heute.  Mein Bruder litt in seiner Kindheit an Asthma und ich selber bin auch einige Dinge – unter anderem auch Parfümstoffe (aber nur auf der Haut) allergisch, daher kann ich sie sehr verstehen.

Unsichtbar Krank – das Leben mit einer unsichtbaren Krankheit
Lisa und Asthma

 

Unsichtbar krank – Lisa und Asthma

Bild&Rechte: Lisa

Wer bist Du beschreibe Dich in ein paar Sätzen.

Hallo, mein Name ist Lisa und ich werde dieses Jahr 30 Jahre alt. Ich habe einen kleinen Sohn und lebe mit meinem Mann zusammen in Augsburg. Dort arbeite ich in einer Werbeagentur als Projektmanagerin.

1. Welche unsichtbare Krankheit trägst du mit dir herum?

Ich habe als Teenager allergisches Asthma bekommen.

2. Was hast du für Auswirkungen und sind diese bei jedem erkrankten Patienten gleich oder ähnlich??

Ein Asthmaanfall kann unterschiedlich stark sein. Meine sind sehr schwach – von außen fast nicht zu sehen. Manchmal muss ich ein bisschen husten, oder eher hüsteln, manchmal kommt ein ganz furchtbares, kehliges Grollen aus der Lunge. In jedem Fall ist es sehr unangenehm und manchmal auch schmerzhaft. Es fühlt sich an, als sei die Kehle zugeschnürt. Das schlägt vor allem aufs Gemüt und oft ist der restliche Tag für mich “gelaufen”.
Die Auslöser sind bei jedem Asthmatiker andere. Bei mir sind es Pollen, starke Parfüme, Lösungsmittel (z.B. in Nagellack) und starker Alkohol-Geruch (wenn man z.B. an einem Schnapsglas riecht). Dazu kommen bleihaltige Abgase und natürlich Zigarettenrauch.
Ich kenne keine anderen Asthmatiker, daher kann ich keinen Vergleich ziehen.

3. Wie hast Du herausgefunden an welcher Krankheit Du leidest? War das auf den ersten Blick gleich ersichtlich oder musstest Du lange forschen bis klar war, welche unsichtbare Krankheit Dich nun auf Deinem Lebensweg begleiten wird?

Ich bin im Hochsommer über ein Feld gejoggt und hatte schlimme Atemnot. Es hat mehrere Stunden gedauert, bis das wieder weg war. Danach kam es öfter vor. Der Hausarzt hat mich dann gleich zum Pneumologen geschickt. Die Diagnose habe ich damals nicht so richtig verstanden. Ich fand hauptsächlich die Inhalatoren hässlich, die ich seit dem täglich mehrfach benutzen muss.

4. Wie wirkt sich diese Krankheit in Deinem Alltag (und Dein Familienleben) aus. Orientierst Du Dich an der Krankheit oder orientierte Dein Alltag sich um sie herum – wie integrierst du beides?

Ich vermeide die oben genannten Auslöser und die Situationen, in denen sie vorkommen. Das ist manchmal leicht (ich gehe nicht in ein Nagelstudio) und manchmal richtig schwer (in unserem Büro stehen die Mitarbeiter der anderen Firmen grundsätzlich vor dem Eingang um zu rauchen).
Wir benutzen Zuhause keinerlei Duftstoffe und haben auch alle Putz- und Waschmittel entsprechend ausgewählt. Probleme entstehen dann, wenn wir mal ein neues Auto kaufen werden, denn viele Produkte sind speziell beduftet. Auch neue Dinge aus Plastik oder frisch gedruckte Kataloge muss ich manchmal “ausduften” lassen, zum Beispiel im Garten oder auf dem Fensterbrett.
Ein großes Problem war letztens der Besuch eines Festivals für mich. Obwohl die Veranstaltung insgesamt sehr familienfreundlich gestaltet war und obwohl wegen der krassen Hitze hier in Bayern absolutes Rauchverbot herrschte, fingen zunächst die Ordner an zu rauchen und am Abend fand ich dann kaum noch ein Plätzchen mit Frischluft. Sehr ärgerlich! Meine Lieblingsband konnte ich dadurch kaum genießen.

5. Wie reagiert Umfeld auf diese Krankheit?

Oft ist es sozial sehr schwierig. Liebe, aufmerksame Freunde lassen Deo und Parfum weg, wenn wir uns treffen. Andere reagieren völlig irritiert, wenn ich sie darauf hinweise. Manchmal kommt es vor, dass die Leute zwar nicken, als hätten sie verstanden, aber dann nichts unternehmen. Sie bleiben mit ihrer Zigarette neben mir stehen oder rücken mit ihrer Parfümwolke nicht ein paar Plätze weiter. Das ärgert mich sehr. Aber ich denke auch, dass es daran liegt, dass keiner so recht weiß, was das für eine Krankheit ist.
Ein Asthmaanfall ist eben nicht spektakulär. Ich wälze mich nicht am Boden oder habe Schaum vor dem Mund. Das führt dazu, dass viele Leute Asthmatiker für hysterisch halten oder für jemanden, der sich in den Mittelpunkt rücken will. Das ist totaler Quatsch. Wer mich besser kennt weiß, dass ich das gar nicht nötig habe 😉
Ein weiterer Punkt, den ich hier erwähnen möchte ist, dass Asthmatiker in Filmen oft als die Dummen dargestellt werden. Das trägt nicht unbedingt zur Akzeptanz bei.

6. Wie kann Dein Umfeld – wie können Außenstehende Dir helfen?

Ich wünsche mir, dass Menschen vorsichtiger mit Düften umgehen. Parfum ist toll. Aber in vernünftigen (kleinen!!!) Dosen. Rauchen? Meinetwegen, aber dann nicht nur drei Schritte weggehen, sondern auch die Windrichtung beachten.
Viel schlimmer sind eigentlich die Firmen, die mit Duftmarketing arbeiten. Ich kann nicht in große Kaufhäuser gehen. Dort wird mir heiß und kalt und kotzübel. Am schlimmsten sind Bekleidungsgeschäfte und Elektronikmärkte. Ich muss dann jemanden schicken, der für mich einkauft, oder mich sehr beeilen. Das nervt im Alltag.

7. Ich selber habe gute und schlechte Phasen – woran erkennen Außenstehende ob Du gerade einen „Schub“ heißt eine schlechtere Phase hast ohne Dich fragen zu müssen? Geht das?

Die Phasen sind sehr lang. Bei mir war es zum Beispiel in der Schwangerschaft besser, jeden Sommer ist es aber schlimmer. Ich wünsche mir, dass die Leute immer Rücksicht nehmen. Denn auch in guten Zeiten ist mein Körper trotzdem auf vieles allergisch.

8. Wie wird Dir geholfen? Hast Du gute Ärzte? Nimmst Du Medikamente und wie stehst Du alternativen Heilmethoden gegenüber?

Ich nehme morgens und abends Cortisonspray und bei einem akuten Anfall ein Notfallspray. Das sieht ziemlich doof aus und ich mache es meist heimlich. Ich mag es auch nicht, wenn mein Mann mich dabei sieht.

9. Wenn ich Dir einen Tag schenken könnte, an dem Du nicht eine einzige Einschränkung und keinerlei Beschwerden hättest, was würdest Du machen?

Ich würde den ganzen Tag Kleidung anprobieren, zum Friseur und ins Spa gehen.

10. Wie ist Dein Weg mit der Krankheit trotzdem ein erfülltes und glückliches Leben zu führen?? Hast Du dazu eine besondere Einstellung oder einen besonderen Umgang mit Dir???

Das ist eine gute Frage. Hier habe ich noch keine richtige Antwort für mich gefunden. Ich selbst komme gut damit zurecht. Die anderen Leute sind das Problem. Manchmal wünsche ich mir so eine Armbinde wie bei den Blinden. Dann würde jeder sehen: Duftstoffallergiker. Und ich hätte meine Ruhe vor Rauch und Parfum. Aber so ist das nun mal. Wir müssen uns mit anderen Menschen auseinander setzen und Kompromisse finden.


Lisa findet Ihr auch unter anderem bei Twitter @meet_lisa, auf ihrem persönlichem Blog Meetshaus.de oder in ihrer Mami-Kolumne auf Haushofkind.de.

Danke lieber Lisa für Deine ehrlichen Worte. Ich hoffe sie machen anderen erkrankten Menschen Mut und vielleicht erleichtert Dir die Rücksichtnahme auch nur eines Menschen in der Zukunft Dein Leben. 

Noch immer bin ich ganz überwältigt von der positiven Resonanz und auch den Offenheit. Euer Vertrauen ist unendlich wertvoll und ich ich fühle mich geehrt, dass Ihr es mir entgegen bringt.

Mein Raum – Eure Stimme – zusammen machen wir sichtbar was sonst keiner sieht.

In diesem Sinne ~ manchmal könnten wir viel mehr für die Menschen in unserem Umfeld tun, als wir denken. Genaues hinsehen und auch hören wäre manchmal der Schlüssel.


Folgende Artikel durfte ich schon in dieser wundervollen Reihe veröffentlichen:

Unsichtbar krank – Tomma und Morbus Crohn -Special-
Unsichtbar krank – Steffen und Rheuma
Unsichtbar krank – JuSu und die Multiple Sklerose (MS)
♥ Unsichtbar krank – Saskia und die Angst- und Panikerkrankung
♥ Unsichtbar krank – Osteopenie – meine eigene Geschichte
♥ Unsichtbar krank – Chris und der Krebs

Ich danke Euch für Euer Vertrauen!!

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Kategorie Unsichtbar Krank

Hier schreibt JesS (32), (Pflege-) Mutter, Autorin und selbstständige Unternehmerin. Zwischen Pflegschaft, Elternsein, Gedanken, LifeStyle und der Liebe zur Fotografie nimmt sie Euch mit auf das Abenteuer Familienleben. Mit viel Herzblut, Authentizität und noch mehr Liebe zu den Dingen die sie tut.

1 Kommentare

  1. Richard Friedel

    Wie ich die vollkommene Lösung zu Asthma für mich entdeckte.
    Meist hält man die absonderliche Atmung des Asthmatikers durch den Mund für eine Folge des Leidens und nicht etwas, das man durch Atemübungen abstellen sollte. Wegen der Nebenwirkungen der Asthmaarzneien, suchte ich von daher
    nach einer besseren heilenden Atmung, die scharfsinnig nicht nur auf die Beseitigung der Überatmung (Hyperventilation) sucht, sondern zusätzlich einen Reflex nutz.
    Hier half der Ansatz bei der Therapie nach Frau A.N.Strelnikova. Bei ihr wird laut durch die Nase eingeatmet. Ihre Heilatmung hat erwiesene Erfolge in Russland und anderswo. Als jemand mit Selbsterfahrung mit Asthma und mit dem Erlebnis der starken Heilwirkung der lauten Einatmung durch die Nase wirkt das Alles sehr überzeugend. Bei Graspollenwetter Mitte Juli, spüre ich zwar die Wirkung in Form eines asthmatischen Hustens, mit dem empfohlenen lauten Einatmen durch die Nase bleibt eine etwaige Wirkung auf das Wohlbefinden völlig aus. Hier ein Video der In Russland erfolgreichen Methode https://www.youtube.com/watch?v=GvQXH4c7PDM Im Takt mit der scharfen Einatmung werden die Fäuste geballt, dann tritt die gefurchte Atemnot und Erstickungsanfall nicht mehr auf.

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