Kleine Schritte auf einem langen Weg

Kleine Schritte auf einem langen Weg Titel

Seit fünf Jahren gehe ich einen Weg, meinen Weg der Osteopenie. Seit fünf Jahren kämpfe ich nicht nur um Anerkennung. Auch darum, ernst genommen zu werden, zu forschen und einen Weg zu finden der mich mein weiteres Leben lang begleiten wird. Darum kleine Schritte auf meinem Weg gehen zu können.

Ich bin chronisch krank. Das hört sich im ersten Moment schlimmer an wie es ist, aber irgendwie ist es das doch. Ich laufe seit 5 Jahren durch das Leben und versuche Hilfe zu finden. Ignoranz und der eigene Tellerrand meiner Umwelt und auch der Ärzte halfen mir auf dem Weg nicht weiter – bislang.

Auf meinem langen Weg gehe ich kleine Schritte

Wenn Dich keiner erst nimmt, dann durchläufst Du alle möglichen Emotionen. Irgendwann zweifelst Du an Dir selber, doch wenn sogar Messwerte eine klare Sprache sprechen, dann sollte es eigentlich keine Zweifel geben – sollte. Denn meine Krankheit – die Osteopenie – die hat man in meinem Alter einfach gar nicht. Also wird die Realität einfach ausgeblendet und das war es. Zumindest für die Ärzte, denn leben musste ich auch schon in den letzen 5 Jahren damit. Dazu erzähle ich Euch aber gerne an anderern Stelle mehr, heute möchte ich Euch von meinem gestrigen Termin und der neuen Hoffnung berichten.

In den letzten fünf Jahren ging ich aus eigener Kraft kleine Schritte. Leider ging ich ständig drei vor zwei zurück und wenn ich mal fünf vor schaffte, dann ging ich drei wieder zurück. Da ich nicht mehr wie die Diagnose „Sie haben Osteopenie, aber das hat man in ihrem Alter nicht“ an die Hand bekam, versuchte ich damit zu leben. Das klappte mit viel Kraft und der Unterstützung meiner wundervollen Familie immer wieder, doch sah ich kein weiterkommen mehr. Jeder Schmerzschub schmiss mich gefühlte Meilen zurück und nicht ernst genommen zu werden, das ist so schlimm.

Aus diesem Gefühl heraus, nicht gesehen und dadurch nicht ernst genommen zu werden und weil sich so oft im Gespräch dieses Phänomen der unsichtbar kranken Menschen heraus stellte. startete ich sogar die Reihe #unsichbarKrank.

Doch gab ich die Hoffnung und auch die Suche nicht auf. Immer wieder suchte ich einen neuen Arzt, immer wieder überzeugte ich aufs Neue und irgendwann fand ich meinen jetzigen Orthopäden, der mich an den Professor des Instituts für Osteologie und Biochemie des Universitätsklinikum in Hamburg verwies. Auch wenn ich diesen Orthopäden durch eine erneute Knochendichtemessung davon überzeugen musste, das auch ich mit nun 31 Jahre an dieser „alten Frauen-Krankheit“ leide. Er ging sofort in die Richtung der Ursachen-Forschung – etwas, das ich von Anfang an wollte. Leider ist der Besuch beim Professor in Hamburg eine Privatleistung. Ich trage diese selber. Willkommen im deutschen Ärztesystem.

Kleine Schritte auf einem langen Weg

Aber irgendwann ist man so verzweifelt, dass man auch diese Kosten auf sich nimmt. nach fünf Jahren des täglichen Schmerzes ist jeder Strohhalm ein Hoffnungsschimmer.

Ein menschlicher Arzt – jemand nimmt mich ernst

Der Besuch beim Professor war toll. Er hat mich endlich ernst genommen und überhaupt nicht angezweifelt, dass man diese Werte in meinem Alter nicht zu haben hat. Er durchleuchtete alles und er sagte, ganz weg bekommen wir das nicht, aber damit lasse sich besser leben – behandelt eben. Er wird seine genaue Empfehlung schreiben, sobald er alle aktuellen Werte hat (also in den nächsten Tagen) und erzählte schon etwas von einer Intensiv-Kur mit allem was mir fehlt. Vitamin D, Calcium und und und. Die Motte soll dringend auch Vitamin D nehmen. Er rät allgemein allen Eltern die Zugabe von Vitanin D länger, als es die Kinderärzte meist nur im ersten Lebensjahr verschreiben, zu geben. Sein 16 jähriger nimmt es auch noch und sogar er selber. Hochdosiert. Dann möchte er das ich auf meinen Mangel eingestellt werde. Er kann nicht ganz rückgängig machen, was sich die letzten Jahre aufgebaut hat, aber er denkt das die Schmerzen besser werden, wenn mein Körper endlich bekommt  was er braucht.

Nun warten wir auf die genauen Werte. Ich bin gespannt auf diesen neuen Weg, aber voller Hoffnung. Allein das Gefühl, mich nicht ständig neu erklären zu müssen – sogar neue Erklärungen erhalten zu haben, gibt mir Kraft. Gibt mir Mut.

Schade das ich dafür fünf Jahre – eher wahrscheinlich schon mein ganzes Leben lang – mit diesem Kram durch die Welt gelaufen bin. Von meine Ärzte-Odyssee erzähle ich Euch gerne an anderer Stelle. Dieser Artikel soll von meiner gestern neu geschöpften Hoffnung sprechen.

Wie ist Eure Erfahrung mit Ärzten? Habt Ihr auch schon das Gefühl gehabt, nicht ernst genommen worden zu sein und wie habt Ihr Euch dann verhalten? Kopf in den Sand oder weiter geforscht? Gekämpft? Gesucht?

In diesem Sinne ~ jeder Weg beginnt mit Schritten – kleine Schritte führen uns zum Ziel.

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Kategorie Gedanken, Unsichtbar Krank

Hier schreibt JesS (32), (Pflege-) Mutter, Autorin und selbstständige Unternehmerin. Zwischen Pflegschaft, Elternsein, Gedanken, LifeStyle und der Liebe zur Fotografie nimmt sie Euch mit auf das Abenteuer Familienleben. Mit viel Herzblut, Authentizität und noch mehr Liebe zu den Dingen die sie tut.

6 Kommentare

  1. Das ist schön zu hören, dass Du endlich jemanden gefunden ist (bzw. 2), der Dich ernst nimmt. Ich freu mich arg für Dich.

    Ich weiß, wie es ist, mit Schmerzen zu leben. Ich musste 13 Jahre damit leben, bis mich jemand ernst nahm und mir die Schmerzen abgenommen hat. Ärzte sind nicht gleich Ärzte.

    Drück Dich,

    LG Ivi

  2. Das sind ja herrliche Neuigkeiten! Es ist gut, dass Du den Weg zum Spezialisten gewählt hast – Gesundheit lässt sich nicht in Geld messen und ist sicherlich alle Gebühren wert!
    (auch meine private Versicherung übernimmt nur einen Teil von Behandlungen und Untersuchungen die ich für meine Krankheiten gebraucht habe, und es war’s wert! Jeden Cent davon)

    • Der Professor war jeden einzelnen Cent wert. Weiter behandelt werde ich dann nach seiner Empfehlung beim Orthopäden, aber ich werde zur Kontrolle regelmäßig zu ihm fahren. Das Geld für seine Sprechstunden bringt mich nicht um, aber er hat einfach Ahnung, da er sich seit 26 Jahren mit Knochen beschäftigt. Da sein Blick weiter als nur bis über seinen Tellerrand reicht.

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