Unsichtbar krank – Janina und die schizoaffektive Störung

Bella und die Hashimoto Thyreoiditis Unsichtbar Krank Titel

Wieder erzählt mir und Euch jemand seine ganz persönliche Geschichte und wird damit ein Teil von #unsichtbarkrank – gemeinsam machen wir unsichtbares sichtbar. Heute habe ich die liebe Janina zu Gast und sie erzählt und von ihrem Leben mit der Krankheit schizoaffektive Störung.

Janina erzählt auf ihrem Blog Perlenmama – Alleinerziehend und glücklich – über ihre Perlenwelt. Diese Welt besteht aus zwei Mädchen (einer großen und einer kleineren) und wie sie gemeinsam die Welt entdecken. Perlen – das ihre schöne Momente, Sprüche, Bilder, Gedanken, Erlebnisse, Situationen, Lieder, etc. Eben alles, was das Leben schön macht. Ein Blog, der mir sehr gut gefällt und die große Perle und ich, wir sehen uns des Öfteren auf Periscope.

Unsichtbar Krank – das Leben mit einer unsichtbaren Krankheit
Janina und die schizoaffektive Störung


Unsichtbar krank – Janina und die schizoaffektive StörungWer bist Du beschreibe Dich in ein paar Sätzen.

Ich heiße Janina, bin 31 Jahre alt und komme aus einem kleinen Städtchen im Bergischen Land. Vor Kurzem sind meine Tochter (die “Perle”, 3 ½ Jahre alt) wieder in meine alte Heimat gezogen. Nachdem ich vor 1 ½ Jahren krank wurde dachte ich, es sei vielleicht gut in der Nähe von der Familie und Freunden zu wohnen statt ganz alleine in der großen Stadt. Ich bin recht aktiv und mache sehr viel mit meiner Tochter. Wir basteln, backen, spielen, oder unternehmen was (schwimmen, Zoo, etc.). Als Alleinerziehende fühle ich mich sehr wohl und wir sind ein eingespieltes Team, meine Tochter und ich. Ich habe aber auch viel Unterstützung seitens ihres Papas und meiner Familie/Freunden.

 

1. Welche unsichtbare Krankheit trägst du mit dir herum?
Ich wurde vor gut einem Jahr mit einer Schizoaffektiven Störung diagnostiziert.

2. Was hast du für Auswirkungen und sind diese bei jedem erkrankten Patienten gleich oder ähnlich??
Ich hatte Halluzinationen und ziemlich heftige Zwangs-Gedanken. Außerdem hatte ich etwas, was sich “rasende Gedanken” nennt, wo die Gedanken quasi Karussell fahren und man nicht aufhören kann. Das ist ziemlich schwer zu erklären, aber sehr unangenehm. Seit ich meine Medikamente bekomme bin ich aber dahingehend Symptom-frei. Mit Medikamenten habe ich “nur” noch Symptome einer Bipolar II Störung. Das heißt, dass ich “normale” Tage habe und solche, die einer Depression gleichzusetzen sind. Das heißt, ich bin schlapp, antriebslos, launisch und alles ist irgendwie grau.

3. Wie hast Du herausgefunden an welcher Krankheit Du leidest? War das auf den ersten Blick gleich ersichtlich oder musstest Du lange forschen bis klar war, welche unsichtbare Krankheit Dich nun auf Deinem Lebensweg begleiten wird?
Im August 2014 hatte ich auf der Arbeit einen Nervenzusammenbruch und wurde mit akutem Erschöpfungssyndrom erstmal drei Wochen krank geschrieben. Erst da nahm ich die Halluzinationen und Zwanggedanken richtig wahr. Davor hatte ich sie wohl durch Stress verdrängt. Schon in den Monaten davor hatte ich gemerkt, das irgendetwas nicht stimmt, hatte aber immer alles verdrängt. Aber ich konnte nicht mehr richtig arbeiten, da mir die Konzentration fehlte und mein Denk-Vermögen war eingeschränkt. Die leichtesten Aufgaben waren mir zu schwer.
Nachdem ich mit Erschöpfung zu hause war und die anderen Symptome über mich hereinbrachen suchte ich einen Psychiater auf, der mich auch relativ schnell diagnostizierte. Er verschrieb mir Medikamente, die mir sehr gut halfen, aber auch starke Nebenwirkungen hatten. So habe ich etwa 10 kg zugenommen und mein Prolaktin Spiegel ist viel zu hoch (was wiederum meine Schilddrüsen Werte durcheinander brachte und mir zudem noch ein POC Syndrom bescherte).
Mein neuer Psychiater (durch den Umzug musste ich wechseln) nimmt sich derzeit dieser Nebenwirkungen an und versucht mich auf ein anderes Medikament umzustellen. Ich hoffe es gelingt, ich fühle mich nämlich sehr unwohl.

4. Wie wirkt sich diese Krankheit in Deinem Alltag (und Dein Familienleben) aus. Orientierst Du Dich an der Krankheit oder orientierte Dein Alltag sich um sie herum – wie integrierst du beides?
Also ich finde persönlich, dass ich sehr gut funktioniere. Meine Krankheit richtet sich nach meinem Alltag. Meistens jedenfalls. Meine Tochter war mir da eine große Hilfe. Selbst in den schlimmsten Zeiten gab sie mir Struktur und eine Aufgabe. Klar habe ich manchmal Tage, an denen alles etwas langsamer geht und ich viele Pausen machen muss. Aber generell würde ich sagen wir wuppen das ganz gut.

5. Wie reagiert Umfeld auf diese Krankheit?
Ich bin erst kürzlich mit dieser Sache öffentlich gegangen (mit diesem Blogpost). Bis dahin waren alle immer der Meinung ich hätte ein Burn Out gehabt. Dafür hatte ich auch ziemlich viel Verständnis bekommen. Doch auch jetzt zeigen die meisten Verständnis. Manche fragen auch nach den Gründen. Das finde ich manchmal etwas daneben…Es ist halt eine Krankheit. Bei einer Grippe fragt mich ja auch keiner warum ich die habe. Aber mit psychischen Geschichten sind die Leute immer gleich bei der Ursachenforschung. Als könnte irgendwas oder irgendwer dafür. Das heizt in einer Kleinstadt wie meiner schnell die Gerüchteküche an, wenn manche ihre Vermutungen anstellen, was mich dazu getrieben hat jetzt psychisch krank zu werden. Das nervt. Ich bin halt krank geworden. Punkt. Die Schuldfrage ist hier total überflüssig.

6. Wie kann Dein Umfeld – wie können Außenstehende Dir helfen?
Eigentlich nur mit Verständnis. Manchmal sind mir soziale Kontakte sehr wichtig. Manchmal überfordern sie mich aber auch und dann bin ich gern für mich. Das kann von Tag zu Tag verschieden sein. Da sollte man nicht gleich beleidigt sein, wenn ich überfordert und ohne wirklich großen Grund etwas absage. Ansonsten kann man mir helfen in dem man mich und die Symptome ernst nimmt. Ich brauche keine Perspektive wenn es mir dreckig geht. Ich brauche auch keine Aufheiterung. Es geht mir dann einfach schlecht, ohne Grund aber auch ohne Lösung. Da kann ich mich nicht “aufraffen” oder es “vergessen”. Das ist dann halt so. Da hilft eigentlich nur: In Ruhe lassen.

7. Ich selber habe gute und schlechte Phasen – woran erkennen Außenstehende ob Du gerade einen „Schub“ heißt eine schlechtere Phase hast ohne Dich fragen zu müssen? Geht das?
Dann bin ich abgeschlagen, gestresst (von augenscheinlich nix), müde, traurig, schlecht gelaunt, gereizt, genervt. Alles auf einmal halt. Aber Vorsicht: nicht immer wenn ich mich ärger hab ich gleich einen schlechten Tag, nicht immer wenn ich gestresst bin gleich einen Schub. Also bitte nicht alles negative gleich als Schub abstempeln und dann nicht ernst nehmen.

8. Wie wird Dir geholfen? Hast Du gute Ärzte? Nimmst Du Medikamente und wie stehst Du alternativen Heilmethoden gegenüber?
Ich habe einen wundervollen neuen Psychiater, der meine Wehwechen ernst nimmt und mir zur bestmöglichen Therapie verhelfen will. Er strebt nun einen Wechsel von einem zu einem anderen Medikament an. Dies sind beides starke Psychopharmaka. In meiner alten Stadt hatte ich zudem noch einen Psycho-Therapeuten zu dem ich zu einer Gesprächstherapie ging. Das half mir sehr. Leider habe ich in meiner neuen Stadt noch keinen derartigen Therapieplatz bekommen, suche aber derzeit aktiv nach einem. Doch die Medikamente absetzen und nur auf Gesprächstherapie vertrauen würde ich derzeit noch nicht.

9. Wenn ich Dir einen Tag schenken könnte, an dem Du nicht eine einzige Einschränkung und keinerlei Beschwerden hättest, was würdest Du machen?
Wahrscheinlich genau das gleiche wie sonst auch, nur mit mehr Elan und ohne der Hilfe von meinen Psychopharmaka.

10. Wie ist Dein Weg mit der Krankheit trotzdem ein erfülltes und glückliches Leben zu führen?? Hast Du dazu eine besondere Einstellung oder einen besonderen Umgang mit Dir???
Die Medikamente helfen sehr. Ansonsten versuche ich halt meine Identität zu wahren und mich selbst nicht als “die Depressive” zu sehen. Ich nehme jeden Tag wie er kommt, gute wie schlechte, einen Tag nach dem anderen. Mal fällt es leicht, mal etwas schwerer. Ich fühle jeden Tag nach dem Aufwachen in mich hinein um zu sehen was für einen Tag ich da nun erwischt habe. Und dann agiere ich danach. Mal mit mehr Energie, mal mit weniger. Ich versuche die Krankheit nicht zuviel von meinem Leben und meinen Gedanken beherrschen zu lassen. Daher habe ich sie auch lange verschwiegen. Doch ich bin auch stolz darauf, wie ich es trotz dieser Einschränkung schaffe. Und ich möchte anderen mit psychischen Erkrankungen Mut machen. Man kann quasi-normale Leben führen, wenn man sich helfen lässt.


 

Danke liebe Janina für Deine ehrlichen Worte. Ich hoffe sie machen anderen erkrankten Menschen Mut. Mich haben sie sehr berührt.

Noch immer bin ich ganz überwältigt von der positiven Resonanz und auch der Offenheit. Euer Vertrauen ist unendlich wertvoll und ich fühle mich geehrt, dass Ihr es mir entgegen bringt.

Unsichtbar krank_Perlenmama schizoaffektive StörungJanina findet Ihr auch ihrem Blog, auf Facebook und auf Twitter @Yahneena, InstagraPinterest und Periscope – schaut mal bei Ihr vorbei.

Mein Raum – Eure Stimme – zusammen machen wir sichtbar was sonst keiner sieht.

Wenn auch Du mir nun Deine Geschichte erzählen möchtest; schreib mir gerne eine Email, denn nur mit Euch zusammen funktioniert es sie sichtbar zu machen unsichtbarkrank @ feiersun.de 

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In diesem Sinne ~ das Leben gibt jedem von uns seine Aufgaben. Die einen bekommen größere, die anderen kleinere – doch damit leben lernen, dass ist die Aufgabe von uns allen.

 


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Ich danke Euch für Euer Vertrauen!!

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Kategorie Unsichtbar Krank

Hier schreibt JesS (32), (Pflege-) Mutter, Autorin und selbstständige Unternehmerin. Zwischen Pflegschaft, Elternsein, Gedanken, LifeStyle und der Liebe zur Fotografie nimmt sie Euch mit auf das Abenteuer Familienleben. Mit viel Herzblut, Authentizität und noch mehr Liebe zu den Dingen die sie tut.

2 Kommentare

  1. Danke für dieses ehrliche Interview. Ich habe großen Respekt davor dass du so ehrlich über deine Krankheit sprichst und deinen Alltag so toll meisterst 🙂 Deine Tochter hat eine tolle Mutter 🙂

    Liebe Grüße

  2. Pingback: Depressionen – Was mir hilft…und was nicht #notjustsad – Perlenmama

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