Sprechen & Lernen – Gedanken einer schwerhörigen Mutter

Gedanken einer schwerhörigen Mutter zum Thema Sprache, Sprechen und Lernen

Habt Ihr Euch schon mal Gedanken zur Spracherziehung gemacht? Frühkindlich? Einfach mit der Schule oder erzieht Ihr sogar ganz natürlich mehrsprachig?

Simone macht sich in ihrem heutigen Artikel Gedanken zu diesem Thema mit der Besonderheit, das sie schwerhörig ist. Eine schwerhörige Mutter geht da noch mal mit einer ganz anderen Sensibilität an das Thema. Reicht das Erlernen einer Sprache vor der Schule oder sollten wir unseren Kindern mehr (an)bieten?

Für die, die es noch nicht wissen: Ich bin schwerhörig. Von Geburt an. Ich trage Hörgeräte, die mir den Alltag erleichtern und mit denen ich alles gut verstehe. Wenn ich sie nicht trage, höre ich nix und schlafe dann vor allem gut 😉

Gedanken einer schwerhörigen Mutter

Als ich dann schwanger wurde, haben wir uns natürlich oft gefragt, ob unser Kind normal hören wird und wenn nicht, was wir dann tun würden. Wir hatten natürlich die Hoffnung, dass er hören wird, da ich einfach aus Erfahrung weiß, dass das Leben so deutlich einfacher ist. Und ich hatte auch immer das Gefühl, dass er im Bauch auf Geräusche reagiert hat.

Aber es reicht ja nicht, sich nur auf das Gefühl zu verlassen. Was würden wir tun, wenn genau das Gegenteil der Fall ist? Die Technik ist ja heutzutage sehr weit fortgeschritten und so war natürlich klar, dass wir es mit Hörgeräten versuchen werden oder sogar – wenn die Chancen da sind, dass er damit gut hören wird – ihm ein Implantat einsetzen lassen.

Ist mein Kind schwerhörig oder kann es ganz normal hören?

Als er mir nach der Geburt auf die Brust gelegt wurde und ich mit ihm gesprochen habe, habe ich wohl schon die Hoffnung gehabt, dass er darauf reagiert. Das war ganz unbewusst, aber ich glaube, das ist die ganz normale Reaktion einer Mutter. Natürlich stand das nicht im Vordergrund, sondern das Kennenlernen zu dritt und wir genossen die Zeit. Auf Station wussten die Schwestern natürlich, dass ich schwerhörig war und mir wurde gesagt, dass bei jedem Neugeborenen am zweiten Tag ein Hörtest gemacht wird. Als dieser dann war, standen wir total angespannt da und haben auf dieses Gerät geguckt, das uns gesagt hat, dass die Ohren wohl in Ordnung sind. Trotzdem wollte die Schwester einen zusätzlichen Test machen, der wohl noch genauer sei. Also kam sie später mit einem anderen Gerät zurück. Dieses wird so angelegt, dass ein Teil im Ohr und ein Teil auf der Stirn liegt, um so die Ströme zu messen. Der Test kam uns vor wie eine Ewigkeit. Auch da starrten wir auf dieses Gerät, auf dem die Kurve eine gewisse Linie erreichen musste. Wird sie erreicht, ist alles gut. Diese Kurve war sehr gemütlich und hatte es überhaupt nicht eilig, ihr Ziel zu erreichen und wir wurden immer nervöser. Nach gefühlten drei Stunden (es war vielleicht eine halbe Minute pro Ohr) war der Test endlich vorbei und es war sehr eindeutig, dass Levi ganz normal hört. Ich glaube, in diesem Moment waren wir sehr erleichtert. Natürlich hätten wir ihn auch geliebt, wenn er nichts gehört hätte, aber ich war froh, dass er es einfacher haben wird als ich – zumindest was das Hören angeht.

Mehrsprachigkeit – Sprache in verschiedenen Fa­cet­ten

Irgendwann haben wir uns – wie alle anderen Eltern wohl auch – darüber Gedanken gemacht, ob wir eigentlich nur Deutsch mit ihm reden oder ob man heutzutage schon Englisch mit Babys redet. Hinzu kam noch die Frage, ob wir auch die Gebärdensprache einsetzen (meine Eltern sind gehörlos) und ihm das gleich mit beibringen. Wir haben beschlossen, dass wir es auf uns zukommen lassen und sind uns sicher, dass er sich das irgendwann bei meinen Eltern abschauen wird.

Wir – eine interessante Eltern-Generation. Ehrgeiz und so.

Nur das mit dem Englisch ist so eine Sache. Meine Eltern haben mich damals in der ersten Klasse in so einem Englisch-Kurs für Kinder angemeldet, der immer nach der Schule einmal in der Woche stattfand. Ich bin heute noch dankbar dafür. Ich hatte nie Probleme mit Englisch und bin davon überzeugt, dass es mit diesem Kurs zu tun hatte. Aber wie macht man das heute? Wir sind ja schon eine interessante Eltern-Generation. Eine Generation, die hohe Erwartungen an ihre Kinder hat. Ist das richtig oder falsch? Hat es mein Kind im Leben leichter, wenn es schon früh anfängt, z.B. eine Sprache zu lernen? Oder reicht es, wenn das im Kindergarten gemacht wird (ich weiß zwar nicht, ob das so ist, aber ich denke mal schon)? Oder reicht da wirklich dann die Schule schon? Und wenn es in die Schule kommt und alle anderen Kinder können das schon, weil sie ehrgeizige Eltern haben? Eine schwierige Situation aber ich glaube, ich werde ihm das irgendwie spielerisch beibringen, wenn ich der Meinung bin, dass er soweit ist. Schließlich habe ich ja ein Kind auf die Welt gebracht und keine Maschine.

Was mir vor Kurzem auch aufgefallen ist: Als wir Aufzug gefahren sind, war noch eine andere Mutter mit ihrem Kind dabei und eine ältere Dame. Der Junge war ca. drei Jahre alt und hatte ein Buch in der Hand, das ein Feuerwehrauto auf der Vorderseite zeigte. Die Dame beugte sich zu ihm runter, zeigte auf das Auto und sagte zu ihm: „Ja hast du da ein Tut-Tut, der macht Brrrrm Brrrrrm wenn der fährt.“ Die ganze Fahrt über ging sie in ihrer Baby- bzw. Kindersprache total auf und ich habe mich gefragt, ob es nicht besser wäre, ganz normal mit einem Kind zu sprechen. Warum tun wir Erwachsene das eigentlich? Oder bin ich jetzt spießig, wenn ich so etwas denke?

Eine etwas andere Sprache – die Gebärdensprache

Achja, seine erste Gebärde kann er übrigens schon dank Oma und Opa. Wenn ihm etwas schmeckt und er „mmmmmmmh“ sagt (das kann man ja nicht von den Lippen ablesen, d. h., Oma und Opa würden gar nicht sehen, dass er das gerade sagt), dann legt er die flache Hand auf die Brust. Ich freue mich schon darauf, wenn er weitere Gebärden lernt und bin mir sicher, dass das Englische auch irgendwie von alleine kommt.

 

Bis zum nächsten Mal,

Signatur - Gastartikel - Simone

 

 

 

 

P.S. Gedanken zur Mehrsprachigkeit hat auch schon Mihaela bei feierSun.de geschrieben – Sprache ist ein so spannendes Thema und für Mihaela sind drei Sprachen nur der Anfang

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