Entscheidend ist nur die Entscheidung

Entscheidend ist nur die Entscheidung

Entscheidend ist nur die Entscheidung, der Film der Jungen Helden feierte am vergangenem Montag in Berlin Premiere mit einem klarem Auftrag – Aufklärung! Ich hab dazu natürlich Gedanken und vor allem eine Meinung.

Vor vielen Jahren wanderte bereits ein kleiner Ausweis in mein Portmonee und er verweilte dort sehr lange. Irgendwann tauschte ich ihn nur mal gegen einen Neuen aus, weil sich die Adresse schon das zweite Mal geändert hatte. Aber an meiner Entscheidung änderte sich nur eine Kleinigkeit – sie wurde weit greifender.

Ich spreche von meinem Organspendeausweis  und meinen Entscheidungen die ich zu treffen hatte. Noch lange bevor ich Blutspenderin wurde, hFfabe ich mich nach einer Erkrankung in meinem Umfeld dazu entschieden mir so einen kleinen Ausweis zu besorgen. Damals informierte ich mich und traf meine Entscheidung: Ich wollte alle Organe nach meinem Ableben spenden, außer mein Herz. Damals war es mir unglaublich wichtig genau dieses Organ zu behalten. Heute – nach einigen Schicksalsschlägen und mit fortgeschrittener Reife schließe ich kein Organ mehr aus.

Vielleicht hat die Mutterschaft mich auch weitergehend in dieses Thema getrieben, aber für mich war weder mein noch das Ableben der Menschen in meiner Umgebung, nie ein Tabuthema, daher hab ich mir schon immer Gedanken darum gemacht. Als der Schwiegervater meiner Mutter ganz plötzlich innerhalb weniger Stunden starb, wurde mir noch viel wichtiger das auch zu kommunizieren, denn mit seinem Ableben standen wir vor der Herausforderung, was passiert nun? Was hätte er sich gewünscht? Spende der Organe? Beerdigung? Einäscherung? Ich finde das sind Entscheidungen, die kann ich meinen trauernden Hinterbliebenen abnehmen, die haben ganz anderes im Kopf in solchen Momenten.

Ich habe dem Herzensmann damals schon gerade in dieser Situation meine Wünsche und Überzeugungen mitgeteilt. Erst war ihm unwohl bei dem Thema, denn der Tot schwingt einfach mit. Doch was soll ich mit meinen Organen bitte noch, wenn ich tot bin? Da ich nicht vergraben werden möchte, können sie sich nicht mal zurück in Erde verwandeln. Die Vorstellung, das mit meinen Organen nach meinem Tot sogar noch etwas Gutes passieren kann, dass macht das Thema weniger unbehaglich für mich und der Mann gewöhnte sich auch daran, dass ich es immer mal wieder thematisiere – nicht weil es einen Anlass gäbe, sondern einfach weil ich den Austausch und die Positionierung dazu wichtig finde.

 

Manche Dinge brauchen einfach mehr Aufmerksamkeit und das haben die Jungen Helden sich auf die Fahne geschrieben. Sie wollen uns nicht alle überreden und zur Organspende überzeugen, sondern Aufklären und genau das ist – meiner Meinung nach – der richtige Weg. Genau aus diesem Grunde möchte ich einen kleinen Beitrag leisten und dieses Vorhaben in die Welt hinaus tragen – in die Welt hinaus brüllen.

Leute informiert Euch und trefft dann eine Entscheidung!

Dafür oder auch dagegen – beides ist total ok, nur nehmt diese Entscheidung Euren Liebsten ab und trefft sie selber – es ist Euer Körper.

 

Tomma Rabach von der Kommunikationsagentur rabach kommunikation war als Mitwirkende vor Ort und hat spontan zugesagt mir und Euch ein paar Fragen zu beantworten.
Tomma lernte ich bereits auf der rk|blog:Xchange im Juni kennen. Eine wunderbare Person. Voller Energie, Euphorie und Tatendrang. Eine tolle Ausstrahlung und ein grandioses Team hat sie hinter sich. Die Motte fühlte sich so wohl in der Agentur das sie zum Ende Tomma den Chef-Sessel streitig machen wollte indem sie die Aufgabenverteilung der Mädels übernahm. Und Tomma verbindet etwas ganz besonderes mit diesem Thema – aber lest selber,  lasst Euch von ihrer Geschichte berühren.

Entscheidend ist nur die Entscheidung Bild Tomma

Bild&Rechte: Tomma Rabach


1. Tomma, wie stehst Du zu dem Thema Organspende?

Das Thema Organspende liegt mir seit vielen Jahren sehr am Herzen. Es ist leider ein Thema, mit dem sich viele erst beschäftigen, wenn sie persönlich betroffen sind. Das würde ich sehr gern ändern. Denn Organspende kann jeden treffen. Erst darüber zu sprechen, wenn es akut ist – kann im Zweifel zu spät sein. Ich habe bereits seit über 15 Jahren einen Ausweis und spreche offen mit Familie und Freunden darüber, denn die Angehörigen werden im Fall der Fälle dazu befragt. Und sie sollten sich nicht dann darüber den Kopf zerbrechen müssen, wie ich mich wohl entschieden hätte.

2. Du hast einen besonderen Bezug zum Thema Organspende, wie hat sich das Thema in Dein Leben geschlichen? Gab es dazu einen besonderen Anlass?

Meine beste Freundin hat aufgrund einer Erkrankung eine neue Leber bekommen. Mit meinen damals Anfang 20 Jahren mit der besten Freundin ernsthaft über das Thema Organspende und all die Ängste sprechen zu müssen, ist ein einschneidendes Erlebnis für mich gewesen. Es folgten Jahre des Wartens. Dann die Erhöhung der Dringlichkeit auf der Liste und endlich, m November 2004, der Anruf, dass es soweit ist. Diesen Moment werde ich nicht vergessen. Das Gefühl nach der Operation war für mich unbeschreiblich. Ich habe noch nie eine solch starke Dankbarkeit empfunden. Leider gab es sehr schwere Komplikationen, so dass sehr lange nicht klar war, ob ich sie auch weiterhin an meiner Seite haben werde. Dass ich heute mit ihr gemeinsam das Leben genießen kann – das habe ich einem Organspender zu verdanken. Und hätte ich die Chance, ich wüsste gar nicht, wie ich diese tiefe Dankbarkeit den Angehörigen des Spenders ausdrücken könnte.

Aufgrund der Komplikationen hat sie kürzlich auch ein Hornhauttransplantat bekommen. Ihr größter Wunsch war es wieder alleine Fahrradfahren zu können, weil ihr Sehvermögen beeinträchtigt war. Zu sehen, wieviel Lebensqualität sie dadurch gewonnen hat, hat mich dazu bewogen meine Organspendebereitschaft nicht einzuschränken.

3. Wie fandest Du die Informationspolitik – vor den Jungen Helden – um die Menschen auf dieses Thema aufmerksam zu machen? Sowohl als Privatperson als auch aus Agentursicht?

Die Jungen Helden sind mir erst vor ein paar Jahren aufgefallen. Davor habe ich das Thema gar nicht wahrgenommen in der Öffentlichkeit. Und wenn war es ein rein medizinisch, sachliches, sehr distanziertes Thema. Die Jungen Helden schaffen es, das Thema Organspende sehr emotional und stets mit einem Augenzwinkern aufzugreifen und sehr persönlich Wissen zu vermitteln. Dabei geben sie keine Richtung vor, sondern regen dazu an, sich Gedanken zu machen, um auf der Basis eine eigene Entscheidung für oder gegen Organspende zu treffen. Ein für mich sehr guter Weg. Sie gehen in Schulen, an Unis und in Unternehmen. Sind bei Partys und Sportveranstaltungen präsent – eben überall dort, wo das Leben spielt. Das Thema unverkrampft aufzugreifen – der für mich beste Weg. Dass sie dabei prominente Unterstützer haben, schafft natürlich eine noch höhere Aufmerksamkeit und ich bin beeindruckt, mit wie viel Engagement alle seit Jahren dabei sind. Mit wieviel Herzblut alle dabei sind, wird bei jedem Projekt, jeder Veranstaltung und jedem Interview deutlich. Und genau das zeichnet die Jungen Helden aus – und überzeugt. Denn nur ein persönlicher, emotionaler Bezug macht das Thema zu einem Thema.

4. Wie bist Du auf die Jungen Helden aufmerksam geworden und was hat Dich dazu bewegt genau in dieser Aktion mit zu wirken?

Wann ich das erste Mal von den Jungen Helden gehört habe, weiß ich gar nicht mehr. Auf den neuen Aufklärungsfilm bin ich über Facebook aufmerksam geworden. Ich habe schon lange den Wunsch, das Thema voranzutreiben. Umso schöner, dass ich aufgrund meiner Teilnahme an der Aktion und meines berufliches Netzwerks die Chance habe, dem Thema Gehör zu verschaffen. Für mich ein Weg, ein Stück Dankbarkeit zurückzugeben. Die bisherigen Reaktionen auf meine Teilnahme bei dieser Aktion sind überwältigend. Damit hätte ich so nicht gerechnet. Und es macht mich stolz, tatsächlich etwas bewegen zu können. Der schönste Beitrag auf Facebook kommt von einem Freund, der geschrieben hat, dass ich ihn überzeugt hätte, Organspender zu werden. Wow!

5. Wie ist Deine Meinung dazu, wenn ich jemand für, aber auch gegen eine Organspende entscheiden sollte? Akzeptierst Du beides und beäugst Du die Entscheidung dagegen?

Die Entscheidung ist eine sehr persönliche. Wichtig ist, und da teile ich die Ansicht der Jungen Helden, dass jeder seine Entscheidung trifft: „Entscheidend ist nur die Entscheidung“. Für oder gegen eine Organspende. Mir hat es sehr geholfen mich zu fragen – was würde ich tun, wenn meine Familie und beste Freunde betroffen sind und ich helfen könnte? Oder was würde ich mir wünschen, wenn ich betroffen wäre und die Chance hätte, mit einem Spenderorgan weiterzuleben?

Wichtig ist aber auch die andere Seite: Meine Familie und Freunde wissen über meine Organspendebereitschaft Bescheid, damit sie eben nicht in einer schwierigen Situation eine Entscheidung treffen müssen. Zu wissen, was derjenige möchte, nimmt im Zweifel jede Menge Last von den Schultern. Daher ist es wichtig, dass jeder eine Entscheidung trifft. Welche das ist, muss jeder für sich entscheiden.

6. Entscheidend ist die Entscheidung – Aufklärung ist das Ziel dieser Kampagne, glaubst Du genau das Ziel wird durch diesen Weg erreicht werden?

Definitiv. Der Film greift viele Fragen auf, die sich einem beim ersten Kontakt mit dem Thema stellen. Und zwar ohne gehobenen Zeigefinger. Er macht klar, wichtig ist, dass du dich entscheidest. Nicht wie.

7. Du warst natürlich auf der Premiere des Filmes „Entscheidend ist die Entscheidung – Der Aufklärungsfilm über Organspende mit Joko & Klaas“ dabei, wie war die Premiere?

Es war schon ein emotionaler Moment. Ich verbinde mit dem Thema stets meine persönliche Geschichte und da sind die Gedanken, Ängste, aber auch die Dankbarkeit sofort wieder präsent. Auch für die Jungen Helden war es eine besondere Veranstaltung. Denn die Gründerin des Vereins, Claudia Kotter, hatte schon lange den Wunsch einen solchen Film auf die Beine zu stellen. Sie ist leider 2011 verstorben – ihre Schwester und ihr Team bringen seitdem das Thema voran. Der Film ist ihr gewidmet und so gab es durchaus auch ein paar „Schluck-Momente“. Während des Films aber wurde viel gelacht, denn mit Joko & Klaas als Hauptprotagonisten ist genau diese humoristische Weise vorprogrammiert. Auch Jürgen Vogel, der mit vor Ort war und seit Jahren den Verein unterstützt, stand Journalisten Rede und Antwort und hat mit seinen Anekdoten zu einer Leichtigkeit beigetragen, die man bei dem Thema zunächst nicht vermutet.

8. Nun gibt mal Insiderwissen preis: Wie sind die Jungs und Mädels so ganz in real?

Jeder der Unterstützer verbindet seine eigene Geschichte mit dem Thema. Einige wurden durch Claudia Kotter aufmerksam und waren sofort mit an Bord. Alle verbindet ein unglaubliches Engagement – und zwar seit Jahren – und eine herzlich erfrischende Art dem Thema Gehör zu verschaffen. Großes Kino – in jeder Hinsicht! Mit Jürgen Vogel konnte ich kurz über seine Knochenmarkspende an seine Schwester sprechen und Joko Winterscheidt für ein Foto vor das Plakat ziehen (*lach*). Beide sind unglaublich herzliche Personen. Ein großer Gewinn für die Jungen Helden!

9. Gibt es etwas, was Du meinen Lesern zum Abschluss sagen möchtest? Eine besondere Massage? Einen besonderen Gedanken?

Ich möchte mich bei meiner besten Freundin bedanken – dafür dass sie gekämpft hat und dafür, dass ich mit ihr stets ganz offen meine Gedanken und Sorgen zu diesem Thema teilen kann! Sie ist für mich ein großes Vorbild – in vielerlei Hinsicht. Und ich möchte mich bei dir bedanken, Jessi und allen, die gerade auf Facebook mit mir für Furore sorgen! Dafür, dass du mich darin unterstützt, das Thema Organspende auf die Agenda zu setzen. Ich freu mich, wenn ihr euch den Film anschaut, mit Freunden und Familie darüber sprecht und am Ende eure eigene Entscheidung trefft. Ganz fröhlich und im Sinne der Jungen Helden. Denn: Entscheidend ist nur die Entscheidung.


 

Dankeschön liebe Tomma für diese wahnsinnig berührenden und offenen Antworten und die Spontanität diese Idee innerhalb weniger Stunden um zu setzen.- Einfach so mitten im Alltag finden Dinge die das Herz berühren Platz. Ich liebe Deine inspirierende Art und Dein Ausstrahlung voller Energie, ich hoffe wir finden noch das ein oder andere Mal zusammen.

 

Wie steht Ihr zu diesem Thema? Was wird mit Euren Organen passieren wenn Ihr sie nicht mehr brauchen solltet?

 

 

Als besonderen Schmankerl hab ich Euch den Film noch hier eingebunden. Schaut ihn echt an, er ist trotz seiner informativen Seite wahnsinnig humorvoll und modern gemacht – wie auch anders bei den Protagonisten.

In diesem Sinne ~ entscheidend ist nur die Entscheidung triff Deine und halte sie fest! Und vielleicht als Entscheidungshilfe hier der Film:

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Kategorie Gedanken

Hier schreibt JesS (32), die Mutter, Autorin und selbstständige Unternehmerin. Zwischen Pflegschaft, Elternsein, Gedanken, LifeStyle und der Liebe zur Fotografie nimmt sie Euch mit auf das Abenteuer Familienleben. Mit viel Herzblut, Authentizität und noch mehr Liebe zu den Dingen die sie tut.

3 Kommentare

  1. Hallo Jessi,
    ein wundervoll geschriebener Artikel. Auch in meiner Geldbörse sind diese beiden Ausweise vorhanden! Ich bin schon lange Jahre Organspender und habe bisher nie an der Entscheidung gezweifelt. Den Slogan Entscheidend ist die Entscheidung finde ich toll. Danke das du dieses Thema aufgreift.
    Liebe Grüße
    Michelle

  2. Hallo Jessica, sehr toller Artikel und ein so so wichtiges Thema.
    Mein Mann und ich tragen auch beide einen Organspenderausweis mit uns rum und sind auch beide bei der DKMS registriert. Mein Mann wurde dort sogar schon dreimal angeschrieben – einmal passte er bei genaueren Untersuchungen doch nicht, einmal wurde die Spende dann leider nicht mehr benötigt und beim dritten Mal hat er tatsächlich Stammzellen gespendet für einen 50-jährigen Amerikaner. Das war 2012. 2014 haben wir uns dann mit dem Stammzellempfänger getroffen.
    Sehr ergreifend und eine tolle Erfahrung fürs Leben.

    http://familiewitz.de/stirb-langsam-meine-stammzellspende/

    http://familiewitz.de/wie-sagt-man-hallo-zu-der-person-die-einem-das-leben-gerettet-hat/

    Liebe und sonnige Grüße aus Aachen

    Anja

  3. Ich bin auch nahezu komplett wiederverwertbar: Organ- und Blutspendeausweis sind immer am Mann und seit ein paar Jahren bin ich auch bei der DKMS typisiert… Warum? Ich bin zwar ein absoluter Sozialdarwinist, aber ich glaube, dass ich selbst sehr froh wäre, im Falle eines Falles selbst ein Empfänger sein zu dürfen. Und wenn ich erwarte, dass ich ein solches „Geschenk“ erhalte, muss ich auch geben…

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