Eine Doula als Geburtsbegleitung

Doula Die Geburt mit einer Doula (2) Titel

Geburtsbegleitung kann verschiedene Gesichter haben. Während einer Schwangerschaft stellt man sich unweigerlich die Frage, wer einen bei der bevorstehenden Geburt alles begleiten soll. Eine Hebamme wäre schon mal ein elementarer Teil. Für die einen ist es wichtig neben dem Partner die beste Freundin oder die Schwester als Unterstützung an seiner Seite zu wissen. Manchmal aber, da geht man andere Wege, aus welchen Gründen auch immer. Wie sieht es denn mit einer Doula aus?

Jasmine ist Doula und wird uns in Zukunft mehr über sich und ihre spannende Tätigkeit in der Geburtshilfe erzählen.

„Sterne fallen nicht vom Himmel, sie werden geboren.“

 

Eine Doula? Was ist denn das?

Nicht jeder kennt den Beruf der Doula. Daher erzähle ich Euch einmal ausführlich, was ich so mache und wie meine Gedanken zu diesem Zweig der Geburtsbegleitung aussehen.

 

Laut Webdefinition (Wikipedia) wird der Beruf der Doula wie folgt dargestellt.

„Eine Doula (von altgriechisch  δούλη (doulê) „Dienerin“, „Sklavin“, „Magd“) ist eine Frau, die einer werdenden Mutter vor, während und nach der Geburt als emotionale und physische Begleiterin zur Seite steht.“

In unseren Nachbarländern wie der Schweiz, Österreich und den Niederlanden ist der Beruf der Doula weitaus verbreiteter und seit einigen Jahren findet auch in Deutschland die Doula-Tätigkeit einen immer  größeren Zuspruch unter den Gebärenden.


Durch die Geburten meiner eigenen Kinder weiß ich, wie wichtig eine einfühlsame und kontinuierliche Begleitung ist. In der heutigen Zeit sieht die Realität jedoch oft ganz anders aus. Eine Klinik kann eine Eins-zu-Eins-Betreuung nicht immer gewährleisten und daher habe ich es häufig erlebt, dass sich viele Frauen unter der Geburt unsicher und allein gelassen fühlen. In mir entstand somit der Wunsch, Frauen in eine behutsame und harmonische Geburtssituation zu begleiten. Frauen in ihrem Selbstvertrauen zu bestärken und ihre Entscheidungen und Wünsche zu unterstützen, damit sie dieses wundervolle Ereignis mit Freude durchleben können

Meine Aufgaben als Doula

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…(Hermann Hesse)

Die Zeit des Kennenlernens und die gute Vorbereitung auf die bevorstehende Geburt liegen mir sehr am Herzen. So kann ein ganz besonderes Vertrauensverhältnis entstehen, durch welches sich das Paar und insbesondere die Mutter getragen fühlen. Meine Begleitung beginnt also immer genau dann, wenn die Frauen sich dieses wünschen, denn ich möchte ihnen genügend Raum und Zeit geben, ihre Fragen zu stellen oder Sorgen thematisieren zu können.

Die Doula und der werdende Vater

Natürlich ist es mir wichtig, auch die werdenden Väter in meine Arbeit mit einzubeziehen. Vielleicht empfinden sie die für sie völlig neue Situation als beängstigend oder sind durch vorangegangene miterlebte Geburten einfach verunsichert. Mein Ziel ist es, den werdenden Vater zu entlasten denn durch meine Begleitung ist er nun nicht mehr allein für die Unterstützung seiner Partnerin zuständig. So können sich beide einfach fallen lassen und sich ganz und gar dem Wunder der Geburt hingeben.

 

Das erste Kennenlernen

Beim ersten Treffen wird immer ganz viel Schreibkram erledigt, denn für mich gehört eine gute Dokumentation einfach dazu. Ich möchte in diesem Gespräch erfahren, welche Geburtserfahrungen sie schon gemacht haben. Was sie  sich von ihrer Geburt wünschen und warum sie sich für eine Doula-Geburtsbegleitung entschieden haben. Zwei meiner werdenden Mütter haben ihre Beweggründe einmal kurz zusammengefasst.

Ariane (schwanger mit Zwillingen): „Ich habe mich für eine Begleitung durch meine Doula entschieden, um meine Chancen auf eine natürliche Geburt zu erhöhen. Sie hat die Geburtserfahrung und kann die Situation einschätzen und wenn nötig, meine Bedürfnisse erkennen und kommunizieren. Meine erste Geburt war ziemlich traumatisch und heute weiß ich, wie wichtig eine kontinuierliche Betreuung in kritischen Situationen ist. Mit meiner Doula im Rücken traue ich mir nochmal eine spontane Geburt zu, weil ich weiß, dass sie für mich da sein wird.“

Marion (schwanger mit dem 2.Kind) und Nicolai: „Die Beleghebamme die bei der Geburt unseres ersten Sohnes dabei war, hat keine Kapazitäten mehr frei und somit haben wir nach einer Alternative Ausschau gehalten. Meinem Mann und mir ist es wichtig eine schöne Geburt erleben zu dürfen, in der wir rund um die Uhr betreut werden. Die Doula-Geburtsbegleitung bietet uns genau diese Möglichkeit. Während meiner ersten Schwangerschaft musste ich aufgrund von vorzeitiger Wehen 5 Wochen liegen. Da Jasmine auch Familienbegleiterin ist, wüssten wir (sollte dieser Fall noch einmal eintreten) dass unser 2 jähriger Sohn bestens betreut wäre.“

 

Begleitung vor der Geburt

Bei jedem weiteren Besuch richte ich mich immer nach dem ganz persönlichen Zeitplan der werdenden Mutter und bringe alles Nötige mit, um eine entspannte und vertraute Atmosphäre zu schaffen.

Neben Massagen und Meditationsreisen bleibt natürlich immer genügend Raum für  offene Fragen und Gespräche hinsichtlich der bevorstehenden Geburt.

 

Wenn es losgeht – dann bin ich da

Doula Die Geburt mit einer DoulaEinige Frauen möchten gerne schon während der ersten Wehen von mir begleitet werden, damit sie nicht alleine sind. In diesem Fall komme ich dann zu den werdenden Müttern nach Hause und wenn der Zeitpunkt gekommen ist, fahren wir gemeinsam ins Krankenhaus. Während der Geburt besteht meine wesentliche Aufgabe darin, die Frauen zu umsorgen, gemeinsam mit ihnen die Wehen zu veratmen und sie durch Massagen zu entspannen. In dieser doch unglaublich sensiblen Phase Frauen zu ermutigen und einfühlsam zu unterstützen ist ein wunderbares Geschenk.

 

Ein Kaiserschnitt und Doula

Manchmal ist aus medizinischer Sicht ein Kaiserschnitt unumgänglich. In dieser sehr sensiblen Phase ist es mir besonders wichtig, eine einfühlsame und beruhigende Umgebung zu schaffen, damit sich die werdenden Eltern gut und sicher aufgehoben fühlen.

 

Eine Doula ist keine Hebamme

Eine Doula hat keine Ausbildung als Geburtshelferin und möchte die Arbeit der Hebammen in keinster Weise ersetzen! Vielmehr ist es ein Zusammenspiel von zwei „Berufsgruppen“ wo das Wohl der Gebärenden im Fokus steht. Wenn im Kreißsaal viel zu tun ist, dann kann es vorkommen, dass die Hebamme mehr als eine Frau zu betreuen hat und zwischen den Kreißsälen hin und her switchen muss und dadurch nicht dauerhaft anwesend sein kann. Ich als Doula hingegen bleibe kontinuierlich während der gesamten Zeit der Geburt an der Seite „meiner Frau“ und kümmere mich liebevoll um ihr Wohl. Dabei spielt es auch keine Rolle, wie lange die Geburt dauert. Auch Snacks und Getränke gehören standardmäßig in meine Tasche zur Geburtsbegleitung, so dass die werdenden Eltern sich wirklich um nichts kümmern müssen.

Ich achte und schätze die Arbeit der Hebammen sehr. Das heißt, wenn die Hebamme im Kreißsaal anwesend ist, dann ist sie ganz klar Ansprechpartnerin und ich nehme mich selbstverständlich zurück. Manchmal fällt es den werdenden Eltern vielleicht auch schwer Zusammenhänge richtig einzuordnen oder zu verstehen. In diesem Fall kann ich zwischen Hebamme und Eltern vermitteln oder noch einmal gezielter nachfragen. Natürlich kann es auch vorkommen, dass aus medizinischer Sicht Schnelligkeit gefordert ist und dann bleibt mitunter keine Zeit für ausführliche Erklärungen, weil das gesamte Team mit Vorbereitungen beschäftigt ist. Diese Zeit kann ich dann nutzen um Fragen zu beantworten und die werdenden Eltern zu beruhigen. Auch in solchen Situationen möchte ich den werdenden Eltern Ruhe und Gelassenheit vermitteln, damit sie sich sicher und geborgen fühlen können.

Die Hebammen sehen das etwas skeptischer. Sie sehen wie hifreich die Unterstützung einer Doula sein kann, doch die Privatisierung der Leistung ist ein großer Kritikpunkt. Die Krankenkassen dürfen nicht aus ihrer Verantwortung gezogen werden. Mehr Kritische Worte hier.

 

 

Mein Weg zur Geburtsbegleitung

Durch die wunderbare Begleitung meiner eigenen Hebamme während meiner letzten Schwangerschaft und der Geburt meiner Tochter entstand erst einmal der Wunsch selbst Hebamme zu werden und so bewarb ich mich an verschiedenen Schulen in ganz Deutschland. Die Entfernung zu meinen Kindern ließ mich all das aber nochmal überdenken und so entschied ich mich letztendlich doch gegen eine weitere Ausbildung.

Doula Die Geburt mit einer Doula (2)

Jedoch blieb der Wunsch, Frauen in dieser spannenden und aufregenden Zeit zu begleiten, ungebrochen. So überlegte ich, was es braucht um diesen Traum verwirklichen zu können. Ich ließ mich zur Stillberaterin ausbilden, besuchte verschiedene Workshops und  Kurse, um ein Fundament zu schaffen. Zuerst habe ich freiberuflich in der Wochenbettpflege gearbeitet. Nach weiteren Kursen entschied ich mich dann für die Selbstständigkeit. Da die praktische Unterstützung von Eltern und ihren Neugeborenen eher in den Bereich der häuslichen Wöchnerinnen und Säuglingspflege gehört, habe ich mein Tätigkeitsfeld erweitert. Ich begleite Eltern auch nach der Geburt noch ein Stück auf ihrem gemeinsamen Weg, bis sie und ihr Baby richtig angekommen sind. Ich biete praktische und emotionale Unterstützung im Bereich Säuglingspflege, Stressbewältigung, und sorge für die ganz individuelle Entspannung. Auch das Einbeziehen von Geschwisterkindern ist Teil meiner doch sehr facetttenreichen Arbeit. Und nun bin ich selbstständige Familien- & Geburtsbegleiterin. Mehr Berufung als Beruf!

Die Zertifizierung zur Doula bieten sowohl die GFG als auch Doulas in Deutschland an.

 

Was kostet eine Begleitung durch eine Doula?

Da die Leistungen einer Doula-Geburtsbegleitung nicht von den Krankenkassen übernommen werden, ist dies eine reine Privatleistung. Was eine Doula für ihre Begleitung nimmt, kann also jede Doula für sich selbst festlegen.

Im Schnitt kostet eine Doula- Geburtsbegleitung zwischen 500 und 650 Euro. Familien deren finanziellen Verhältnisse eine Doula-Geburtsbegleitung nicht zulassen würden, müssen natürlich nicht automatisch darauf verzichten. Mir liegt die Begleitung von Frauen und Paaren auf dem Weg zum Eltern-werden sehr am Herzen, so dass wir immer einen Weg für eine optimale Begleitung finden.

 

Übrigens…Wissenschaftliche Untersuchungen (Klaus, Kennell, Klaus;1993, Hodnett et al, 2003) zeigen, dass die kontinuierliche Begleitung durch eine Doula während der Geburt die Kaiserschnittrate, die Geburtsdauer, die Verabreichung von Wehenmittel, die medikamentöse Schmerzbekämpfung, den Einsatz der Geburtszange und die Nachfrage nach einer Periduralanästhesiesignifikant reduziert. Außerdem zeigte sich, dass nach einer Geburt mit Doula wesentlich mehr Babys voll gestillt wurden und weniger Ernährungsprobleme auftraten. Psychologische Tests zeigten bei den Müttern weniger innere Unruhe oder Anzeichen von Depressionen, aber mehr Zufriedenheit in der Partnerschaft. Quelle: Hebammenblog

 


 

Wow, das war geballtes Wissen über einen Beruf, den auch ich erst durch diesen Artikel von Jasmine und durch die Arbeit im Vorfeld zu dieser Zusammenarbeit kennen lernte.

Jasmine ist Doula aus vollem Herzen, sie erlebt jedem Tag neue interessante Dinge. Was sie in ihrem Leben als Doula und Familienbegleiterin alles erlebt, davon wird sie uns nun einmal im Monat berichten. Wenn Ihr Fragen an sie habt, schreibt sie in die Kommentare.

Kanntet Ihr den Beruf der Doula schon? Oder ist er genau so neu für Euch wie für mich?

In diesem Sinne ~ oft denke ich die Geburt der Motte zurück – ob es anders gelaufen wäre oder gerade gut war, das es genau so lief wie es gelaufen ist????

 

– Alle Bildrechte liegen bei Jasmine –

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Kategorie Leben
Autor

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1 Kommentare

  1. Ich hatte vorher noch nie von einer Doula gehört. Aber es hört sich wirklich interessant und facettenreich an und ich bin auf die weiteren Berichte gespannt 😊

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