Distanzlosigkeit

Vom Antaschten meines Kindes und meiner Reaktion darauf

Oh wei oh wei – ein brisantes Thema welches die liebe Janina vom Herzmutter Mama Blog der heute 2KindChaos heißt da angeschnitten hat und eigentlich wollte ich ihr meine Geschichte nur in einem Kommentar posten, doch dazu war er dann irgendwann einfach zu lang und ich dachte mir, dieses Thema geht alle an. Hier meine Erlebnise zum Thema Distanzlosigkeit.

Janina schrieb ebenfalls inspiriert vom Papablogger Ich Bin Dein Vater eine Gegendarstellung zu seinem Post und führt darin ihre Sichtweisen zum Thema Anfassen von Kindern dar. Janina schrieb sich von der Seele wie sehr sie es schon schwanger nicht leiden konnte als Gemeingut ständig beglotzt oder gar betatscht zu werden und bei ihrer Tochter steht sie da noch viel weniger drauf – verständlich.

Distanzlosigkeit

Schwanger war es bei mir nicht ganz so „schlimm“ wie bei ihr, ich fand es nun nicht schlimm angeschaut zu werden, habe ich meine Riesenkugel aber auch stolz und betont durch die Stadt getragen und strahlte was das Zeug hält. Lies meinen Bauch anmalen und machte unendlich viele Bider von ihm. Wenn aber jemand anderes als ein mir nahestehender Mensch ihn angefasst hätte, hätte ich wohl wild um mich geschlagen.

Genau so war es dann, als das Mottchen zur Welt kam, da wurde irgendetwas in mir geweckt. Manche nennen es Instinkt, andere Muttergefühle und wieder welche reden von den Tiegern in den Müttern.

Hier einmal meine schlimmste Tatsch-Geschichte:

Tatschi-Omi

Es ging im Jahre 2011 auf Weihnachten zu und wir gestalteten lustige Karten mit dem Mottchen im Weihnachtsmann ähm Weihnachtsfrau – Kostümchen *kitschalarm*. Traf es sich doch ganz praktisch sich so gleichzeitig auch noch für die Glückwünsche zur Geburt zu bedanken und ein schickes Weihnachtsfest zu wünschen. Ja verspätet, denn seit September trudelten die ja schon bei uns ein, doch Anfang oder Mitte Dezember hielten wir noch für tragbar und zwischen Wochenbett, Hausbau und Dauerstillen war das nun einfach so.

Ich druckte also gefühlte dreihundert Bilder aus, druckte das Karteninnere und klebte alles zusammen – scheiden durfte der Mann wegen Klebstoff und so – in Wirklichkeit muss er das immer machen, dass ist sein Beitrag zu Basteleien.

Alles in die Umschläge und so führte mich mein Spaziergang am nächsten Tag zur Post hin. Eine kleine Minizweigstelle direkt in meiner damaligen Straße – sehr weit hielt es das Mottchen noch immer nicht ohne Muddis Brüste aus, denn dieses Dauernuckelkind bekam nie genug von den Dingern…

Dort drinnen war es irre voll und die Dame hinter dem Tresen sah mich flehend an als sie den Stapel Karten sah und ich nahm sofort die Marken und klebte sie selber drauf (machten die eigentlich immer für die Kunden).

Also stand ich so da und klebte und klebte und klebte. Damit ich das alles machen kann drehte ich mich zur Seite vom Kinderwagen damit ich an den Tresen kam und das Mottchen doch sehen konnte, die mich freudig anstrahlte und sich wohl fragte, was die Mommy da so anstellt.

Das Menschen plötzlich Giraffenhälse bekamen, wenn sie am Kinderwagen oder gerade mir, wenn ich das Kind im Tragetuch hatte vorbei liefen kannte ich ja schon, doch dieses Mal wagte es eine ältere Lady nicht nur blöde Grimassen und ein unerträgliches „Dutzidutzi Du bist ja süß“ in den Kinderwagen rein zu machen, diesmal packte sie mein Kind sogar an!

Welcome Tigermom

Ich lies alles fallen riss am Kinderwagen, so das er einen Meter (gefühlte drei) nach vor geschoben wurde stellte mich zwischen sie und das Kind und schaute in zwei vor Verwunderung erschrockene Augen.  Sie fragte mich so dreist, was denn sei, dass ich sie einfach in ihre runzeligen Wangen kniff und sehr überspitzt laut durch den Laden schrie „Ahhh, dutzi dutzi – was bist Du aber für eine süße Omi“. Ihr Blick und der der anderen, sie waren GOLD wert!! Ich war so voller Adrenalin und sie vollends geschockt und stotterte irgendwas von wegen ich könnte sie doch nicht anfassen und was mir den einfallen würde… ich drehte mich wieder um, klebte die restlichen drei Karten zu Ende und entgegnete in den gesamten Laden: „Denken Sie das wir hier im Streichelzoo sind? Ist mein Kind ein Affe welchen man nicht nur anschaut und blöde Geräusche macht? Ne, nun werden hier schon Kinder von wildfremden Menschen angetatscht – das muss ich mir nicht bieten lassen – von niemandem.“ Die Dame hinter dem Tresen war äußerst erschrocken, lächelte mir aber zu und als ich den Laden verließ sagte die tatschende Oma zur einer anderen was von Respekt älteren Menschen gegenüber und ich verließ den Laden mit den Worten: Respekt habe ich wohl um so einiges mehr als Sie, den muss man sich im Leben erst mal verdienen und wer sich so respektlos verhält, dem werde ich keinerlei Respekt entgegenbringen. Denken Sie mal bitte darüber nach“.

 

Draußen bemerkte ich dann, dass ich vollkommen durchgeschwitzt und zittrig war, diese Situation wollte mir nicht in den Kopf und auch dieses mich überkommende Gefühl machte mich richtig wirr im Kopf. Der Spaziergang zog sich dann noch etwas weiter, denn diese Situation musste ich erst mal realisieren.

 Der Todesblick

Kurz danach passierte es in dem Gebiet in dem wir gerade bauten.

Dort trifft sich die gesamte Nachbarschaft in der Adventszeit und wir wurden auch eingeladen. Es war ein netter Nachmittag, bis einer der Nachbarn wohl einen Punsch zu viel hatte und das Kind an den Händen anfasste. Auch wenn sie einen dicken Schneeanzug anhatte, mein Blick gab selbst einem angetrunkenen Mann zu verstehen das das hier nicht gehe – und er entschuldigte sich dann auch gleich. Andere Nachbarn schauten dann, dass war mir aber egal. Ich war froh keinen Aufstand machen zu müssen, aber auch den hätte ich gemacht.

 

Was mir im Bezug auf die Körperlichkeit heute und momentan wichtig ist:

 Selbstentscheidung

Damals musste ich sie noch beschützen und heute mache ich es noch genau so sehr, doch mit einem Unterschied: Ich lasse sie sehr viel selber entscheiden.

Diese Methode ist nicht unbedingt immer unanstrengend, aber wenn ich sie in einen Lebenspunkt anwenden möchte, muss ich sie in allen anderen Zulassen (aber das aus zu führen würde einen neuen Post ergeben).

Mottchen hat wahnsinnig viel Liebe zu verteilen und umarmt Kinder sehr gerne – sie kann sehr körperlich sein, Erwachsenen hingegen ist sie erst sehr zurückhaltend und das manchmal auch öfter und sie entscheidet wem sie die Hand gibt und wen sie drücken möchte. Sie entscheidet mit wem sie sprechen oder spielen möchte und mit wem eben nicht. Das einzige was ich mir wünsche ist, dass sie „Danke“ sagt wenn jemand ihr etwas schenkt oder anbietet. Aber das klappt ganz gut.

 Distanzlosigkeit

Ich möchte nicht das mein Kind in meine Fußstapfen tritt – oh bitte nicht – ich möchte das sie lernt ihre eigenen zu hinterlassen.

 

In diesem Sinne ~ die Tatsch-Omi wird wohl niemals mehr in ihrem Leben ein Kind im Kinderwagen antatschen, denn nun weiß sie, wie eine Mutter auch reagieren kann.

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Kategorie Familie, Gedanken

Hier schreibt JesS (32), (Pflege-) Mutter, Autorin und selbstständige Unternehmerin. Zwischen Pflegschaft, Elternsein, Gedanken, LifeStyle und der Liebe zur Fotografie nimmt sie Euch mit auf das Abenteuer Familienleben. Mit viel Herzblut, Authentizität und noch mehr Liebe zu den Dingen die sie tut.

15 Kommentare

  1. OMG – du bist ja wirklich eine Tigermom 🙂 sehr cool Jessi *g* hätte ich garnicht gedacht daß du so fies sein kannst… Da hast du echt mehr Courage als ich! Hammer! Wobei deine Geschichte auch echt krass ist und nach einer krassen Reaktion fordert. Einfach so anfassen wenn du es nicht mal siehst, wie heftig! Ist doch klar daß du durchdrehst das hätte ja sonst was (gefährliches) sein können 😉

    Und nein wieso sollte ich sauer sein wenn du dich auf mich beziehst so funktioniert bloggen 😉 Liebe Grüße!

    • Liebe Janina,
      ich würde diese Reaktion auf andere Faktoren wie Mut oder Taff-sein schieben. Da wären zum Einen die Hormone und der aufgebaute Stress durch den Hausbau – ich denk Tatschi-Omi hat schon einen mehr abbekommen als sie es hätte sonst getan – und zum anderen der Instinkt. Ich meine Mister Nachbar hat sie „nur“ berührt, doch Omi hat ihr richtig in´s Gesicht gefasst!! In das GESICHT! – Da hätte sonst was passieren können.

      Aber lustig ist das Tragetuchtragen auch gewesen.
      Ich wurde regelmäßig angegafft – anscheinend kannte das hier in der Kleinstadt in der wir derzeit noch wohnten noch niemand – und des öfteren gefragt ob da wirklich ein Baby drinnen sein… meine liebe Freundin antwortetet einmal: „Ne, ein Elefant, ich mag keine Kinder“… – Übrigens heute rennen viele Mütter mit Kindern in den Tüchern durch das Städchen – irgendwie komisch oder….

      Nun ja, ich selber war so erschrocken von mir und meiner Reaktion, doch ich denke ich würde wieder so handeln – nun eben aber etwas bedachter, denn nun entscheidet das Kind ja mit….. nun ist sie aber einfach schon größer und wird auch einfach laut wenn sie das nicht will …

      Liebste Grüße
      JesSi

      P.S. Tigermom oder Übermuddi – was es auch war, der Adrenalinstoß war heftig 😀

  2. Ich musste ja erstmal grinsen beim Lesen 🙂 Das mit der Omi hast du super gemacht.
    Ich fand es auch immer grausam, egal wo man war erst wurde der Bauch betatscht und danach der Zwerg. Das konnte ich nie leiden. Und gerade bei älteren Leuten habe ich dann Sprüche gedrückt, damit die sich mal merken. Das hat auch nichts mit Respekt vor dem Alter zu tun. Die meinen sich jedes Recht rausnehmen zu dürfen, nur weil sie alt sind.
    Meiner kann es bis heute nicht leiden, wenn ihn Fremde anfassen und er bestimmt wer das auch machen darf. Und das ist gut so

  3. hallo,
    leider komme ich auch an keinem kinderwagen vorbei und freue mich über die kleinen babys, die in dem kinderwagen liegen.
    habe auch schon zu machem baby gesagt „du bist aber ein hübsches kind“ oder habe es der jungen mutter auch gesagt, dass ie
    aber ein besonders hübsches kind hat. ich sage sowas nicht immer, bis jetzt hatte ich dieserhalb noch keine probleme.
    im gegenteil die jungen eltern oder mütter haben sich immer gefreut, wenn ich das gesagt habe.
    angefasst habe ich allerdings auch noch niemand.

    lieben gruß eva

    • Hallo Eva,
      das angucken und das sagen ist auch nicht schlimm. Das einzige was mich daran nervt ist das „Gutschidutzidutzidu“ – das muss ja nicht sein, ist aber auch kein Weltuntergang – nur dieses Anfassen.
      Ich fasse ja auch nicht einfach fremde Menschen, Kinder oder Bäuche an…
      Hey, wenn mir jemand heute noch ein Kompliment zu meinen – in meinen Augen allerschönsten – Kind der Welt macht, dann freue ich mich und wenn jemand ihr das sagt auch, nur Anfassen ist so eine Sache..

      Liebste Grüße
      JesSi

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  5. Zum ersten mal lese ich mir etwas vom Anfang bis hin zum Ende durch!! Das kann doch nur gutes bedeuten oder? Ich war die ganze Zeit am schmunzeln 🙂 Ich finde es echt faszinierend und wunderschön wie eine Mutter ihr Kind liebt und beschützt!! Wenn ich sowas lese, kann ich es kaum abwarten mein eigenes zu haben 🙁 Wünsche euch nur das beste!!!
    LG

    • Liebe Mila,
      ich freue mich wirklich sehr das Dir dieser Artikel gefallen und sogar ein Schmunzeln in´s Gesicht zaubert und das das der erste Artikel ist, den Du von Anfang bis Ende liest, dass ehrt mich wahnsinnig!!!
      Dankeschön!!!
      Eine Mutter ist manchmal selber sehr geflaht von ihren Gefühle und Instinkten – zumindest bin ich es heute manchmal selber noch sehr, aber es ist einfach etwas magisches – das hat die Evolution schon richtig gemacht und – es ist das wundervollste auf der Welt!!

      Liebste Grüße und ich freue mich Dich bald wieder zu lesen!
      JesSi

  6. Ich bin so Solz auf Jessis Reaktion ich habe nicht anders gehandelt und hab ihr frühzeitig auch beigebracht das sie zu endscheiden hat wer sie anfassen darf und wer nicht,den Jessi wa ein Kind was sehr Kontaktfreudig war ob gross oder klein,aber mit jemanden mitgehn das durfte sie nicht und das wusste sie auch genau und hat es auch nie getan.Ich denke eine übermutti ist sie nicht,sondern ehr eine Mutti die die Augen überall hat und nur das beste für ihr Kind will.Ich finde das macht sie auch mega gut und wenn wir Mottchen besuchen oder sie uns lassen wir ihr auch zeit sich uns zu nähern da wir uns durch die Endfernung ja nicht Häufig sehen,aber meist dauert es nicht lang und das Mottchen klebt an ihrer Omi und nimmt sie voll in besitzt und ich geniese es in vollen zügen.Ja ich bin eine vollblut Omi und Stolz drauf und unendlich dankbar so ein Bezaubernes Wesen mein Enkelkind nennen zu dürfen.Ich Liebe meine Kids und mein Mottchen überalles und auch meinen tollen Schwiegersohn.In diesen Sinne wünsche ich das jede Mami und Omi so Reagiert wie es meine Jessi getan hat HUT AB Liebes

    • Danke Mama für den lieben Kommentar – aber der gilt nur so halb,denn als Mama und Oma bist Du befangen *kicher*
      Freu Dich auf die Zeit hier oben im September – es ist nicht lange aber genieße sie einfach und überzeuge Dich, dass die Strecke nicht schlimm ist – und wiederhole es jeder Zeit!!

  7. Hammer
    Ich glaube du hast vielen Müttern damit aus der Seele gesprochen!!!
    Ich finde das immer so schrecklich
    Wir haben hier auch ein Opa der will immer grundsätzlich mein kleinen antaschen ich nimm ihn dann immer weg
    Da es ihn sichtbar unangenehm ist

  8. Ich musste gerade herzlich lachen, als ich mir vorgestellt habe, wie du einer verdutzten Omi in die Wangen kneifst… Der Gedanke hat sozusagen gerade meinen Abend gerettet.
    Wenn ich merke, dass irgendjemand meine Maus anfassen möchte, sage ich immer „Vorsicht, die beißt!“ Meistens sind die Leute dann so verdutzt, dass sie entweder mit offenem Mund stehen bleiben oder kopfschüttelnd weiter gehen.

    LG
    Daniela

    • Das ist ja auch ne witzige Methode.
      Es war gerade interessant zu lesen, was ich damals schrieb.
      Damals war die Motte sehr großzügig mit Freundlichkeit – heute versteckt sie sich viel hinter mir – diese Phasen machen es dann schon einfacher Distanz stehen zu lassen ohne das man sie abschirmen möchte. Bei Babys ist das natürlich dann schwerer.

  9. Sehr gut gemacht. Und diese doofen Worte Dutzidutzi, die finde ich extrem blöd. Auch Kinder, wollen lernen normal zu reden, wenn man einfach vernünftig mit ihnen redet. Schön, dass du so mutig warst, ich wäre mir dann doof dabei vorgekommen, weil ich immer denke, dass die anderen denken könnten, ich wäre zu übermütig, das wäre doch voll übertrieben so zu reagieren… Du hast es jedenfalls richtig gemacht.

    lg nancy

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