Die Sache mit dem Kinderwunsch

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Ihr kennt meinen eigenen Kinderwunsch. Dieser Wunsch nach einem weitern Kind. Das ich damit nicht allein bin, das weiß ich, aber reden tut doch kaum einer drüber. Nur leise äußern sich immer mal wieder Frauen, die diesen Wunsch verspüren bei mir. Nicht die Rabenmutti, die kann leise, aber auch ganz klar dazu stehen. Heute macht sie mir irgendwie auch Mut, denn auch der Rabenpapa war dagegen. Bis…. lest selber.

Die Sache mit dem Kinderwunsch

Ich freue mich sehr, dass ich heute bei Jessi zu Gast sein darf und hoffe, mit meinem Beitrag das ein oder andere Herz erweichen zu können 😉 Ich möchte euch von meinem Kinderwunsch erzählen. Ich, die Rabenmutti, die NIE Kinder wollte, nach der ersten Höllengeburt mit dem Kinderkriegen abgeschlossen hat und sich dauernd über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf beschwert. Genau die Rabenmutti bin ich und genau die Rabenmutti wünscht sich noch ein Kind…

Die Rabenmutti baut ein neues Nest

Wer zufällig auch mal in meinen Blog hereingelesen hat und mich bereits kennt, kann den Absatz gern überspringen. Für alle anderen erkläre ich kurz, wieso der Kinderwunsch gerade bei mir sehr erstaunlich ist. „DU willst noch ein Kind? Aber du wolltest doch nicht mehr…“. Das ist der Eindruck, den ich vielen Freunden und Bekannten vermittelt habe – und mir selbst. Für mich sind Kinder Karrierekiller, sie treiben die Beziehung an ihre Grenzen. Mein Kind treibt mich in den Wahnsinn. Manchmal. Oft. Nach der Geburt erlitt ich eine Wochenbettdepression, mit der ich auch jetzt noch zu kämpfen habe. Wenngleich sie mich nicht mehr so sehr im Griff hat: Die Gedanken, ich sei eine schlechte Mutter sind weg. Mein Kind liebt mich, das weiß ich jetzt. Anfangs dachte ich, Claire hasst mich und würde mich deshalb nicht schlafen lassen, ständig weinen und und und. Macht für gesunde Mütter wahrscheinlich keinen Sinn, aber das Monster Depression verzapft so manch Quatsch. Jetzt weiß ich: Meinem Kind geht es gut – auch, wenn ich arbeiten gehe. Es hat lange gebraucht, ehe ich das für mich akzeptiert hatte. Kinder brauchen keine 24/7 die Mutter, um glücklich zu sein. Sie brauchen nur Menschen um sich herum, die sie mögen und denen sie vertrauen. Nachdem ich all die Selbstzweifel und Schuldgefühle abgeworfen habe, geht es mir viel besser. Ich lasse mich nicht mehr einlullen, von all diesen „Gesetzen“ der Mutterwelt. „Wenn du dies nicht tust, wird das passieren!“. Mittlerweile höre ich auf meinen Bauch und mein Herz – Bücher habe ich verbannt. Meine Depressionen danken es mir.

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Die ersten Anzeichen

Erstmal muss ich gestehen, dass ich den Kinderwunsch unbewusst schon früher entwickelt habe. Das wurde mir allerdings erst kürzlich klar. Immer, wenn die Periode sich verzögert hatte (oder ich vergessen hatte, wie lange die letzte denn nun eigentlich her ist), hatte ich ein kleines warmes Gefühl im Bauch und dachte, vielleicht bin ich ja schwanger? Wir hatten mit Kondomen verhütet, aber so ganz bruchsicher sind die ja auch nicht… Ich saß hin und wieder auf der Toilette, mit dem Teststreifen in der Hand und dann – Negativ. Erleichterung hat sich breitgemacht, aber kurz davor auch Enttäuschung. Das Gefühl habe ich allerdings nie zugelassen und habe es ignoriert. Enttäuscht? Ich? Niemals. Immerhin will ich um Himmels Willen kein Kind. Zu anstrengend, zu fordernd, ich pack das gar nicht! Was hat den Umbruch geschafft? Nun, wirklich „Klick“ gemacht, hat es an dem Grab meines Vaters…

Der einzige Mensch, der zählte

Der Musikzug bei dem mein Vater zu Lebzeiten mitgespielt hatte, war da und hat seinen letzten Weg musikalisch begleitet. Traurig-schöne Musik hing in der Luft und verlieh eine besondere Atmosphäre. Plötzlich war ich wieder Kind und sah meinen Papa im Musikzug spielen. Jung, energisch, mit seinem verschmitzten Lächeln auf dem Gesicht, das viele Frauen um den Verstand brachte (dieser Casanova hihi). Ich öffne die Augen und die Realität holt mich ein: Die Männer der freiwilligen Feuerwehr waren da. Alte Bekannte, Freunde, Nachbarn. Mein Mann, unsere Familie. Alle, die wichtig waren. In dem Moment, in dem der Sarg zum Auto getragen worden ist, gab es aber nur einen Menschen, dem ich nah sein wollte. Der für mich existiert hat: Mein Bruder.

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Der einzige Mensch, der das Leid und den Schmerz in meiner Brust hatte nachfühlen können. Der meinen Papa so kannte, wie ich. Der mit mir am Wochenende ins Bett meines Papas gekrabbelt ist, um zu kuscheln. Der die gleichen LKW-Touren mit meinem Papa erlebt hatte. Der einfach die schönsten Momente unserer Kindheit mit mir geteilt hatte. Der Mensch, der mich an der Hand nahm und mit mir gemeinsam diesen letzten, furchtbaren Gang zum Leichenwagen beschritt, der so völlig harmlos mit Blumen geschmückt vor mir stand. Nahezu anmutig und wunderschön und dennoch so viel Schmerz in eine kleine Kiste gepackt hat, der kaum erträglich war. Mein Papa starb mit 51 an Krebs. Einer der fiesesten Wege überhaupt, um abzutreten. Verdammt nochmal!

Geschwister geben ein Leben lang Halt

Das Band zwischen Geschwistern ist besonders. In dem Moment sah ich nicht nur den Sarg meines Vaters, ich sah die Erinnerungen meiner Kindheit. Unserer gemeinsamen Kindheit. Die Stärke, die wir Geschwister uns immer gegenseitig vermittelt haben. So wie in diesem Moment. Mein Bruder gab mir den Halt, den ich gebraucht habe. Den mir niemand anderes hätte geben können. Die Liebe zwischen zwei Geschwistern ist einzigartig, wenn man sie hegt und pflegt. Und auch, wenn uns eine große Distanz trennt und wir uns selten sehen, habe ich gemerkt, dass das Band noch immer da ist. Kurz vergessen, aber niemals zerrissen. In dem Moment wusste ich, dass ich Claire diese Form der Liebe gern schenken möchte. Sie soll wissen, wie es ist, einen Bruder oder eine Schwester zu haben. Sie sollte eines Tages nicht alleine am Sarg ihrer Eltern stehen, sie sollte jemanden haben, der sie versteht und in den Arm nimmt. Dem sie sich auf eine besondere Art nahe fühlen kann. Und dann, ganz plötzlich und klar war die Erkenntnis, dass ich innerlich eigentlich schon länger ein Baby wollte. Dass ich mich insgeheim über Babybäuche gefreut hatte, ein bisschen neidisch auf die Babyfotos in Instagram war und die Liebe zu meinem Mann gern mit einem neuen Versprechen bezeugen wollte. Das Versprechen gemeinsam noch ein wunderbares kleines Lebewesen groß zu ziehen und gemeinsam dafür zu sorgen, dass er/sie glücklich wird…

Der Altersunterschied macht viel aus

Ich wusste auch, dass man im Leben nicht ewig auf seine Chancen warten kann. Ich habe mehrere Geschwister, bin die Älteste von fünf Kindern. Und – leider – ist es nun mal so, dass das Band zwischen den Geschwistern auch stark vom Alter abhängt. Je länger man wartet, desto verschiedener werden die Interessen. Desto schwieriger wird es in jungen Jahren ein Band zu knüpfen. Für meine jüngeren Geschwister war ich eher eine Art Ersatzmutter. Natürlich liebe ich sie. Aber die Art der Liebe ist eine andere. Ich sehe mich verantwortlich für sie. Bei meinem Bruder ist es anders. Wir sind uns quasi ebenbürtig. Sind gemeinsam aufgewachsen. Mit 3 Jahren ist Claire schon beinahe zu alt, um dieses Verbundenheit zu spüren, ich hoffe aber, dass es dennoch klappen wird. Natürlich könnte ich warten, bis sie zur Schule geht. Aber in meinen Augen (subjektive Wahrnehmung ihr Lieben) wachsen die Kinder dann nebeneinander auf, nicht miteinander. Das möchte ich nicht. Demnach musste es „schnell“ gehen. Das Problem: Mein Mann wollte gar keinen Nachwuchs. Zu stressig, zu teuer und überhaupt, wie sollen wir damit nervlich fertig werden. Claire war ein echtes Killer-Baby, wenn es um Nervenbahnen ging.

Papa will nicht

Anfangs war er total ablehnend. Wir gerieten sogar in Streit darüber. Dann habe ich gemerkt, dass ich ihm einfach zu viel Druck gemacht hatte. Es fühlte sich für ihn so an, als müsse er sich für das Kind entscheiden, sonst wäre ich auch ewig unglücklich. Er wollte, dass ich glücklich bin, aber er wollte eben auch kein Kind. Als wir das ausführlich besprochen hatten, gab ich mich damit zufrieden im Zeit zu geben darüber nachzudenken. Hin und wieder habe ich es natürlich auch auf den Tisch gebracht. Spielerisch, nicht so ernst. Aber Klick gemacht hat es bei ihm dadurch nicht. Eigentlich konnte ich sogar gar nichts dafür: Wir luden seinen Chef ein, der ebenfalls zwei Kinder hat. Mädchen ☺ Sie haben zuckersüß miteinander gespielt – auch mit Claire. Und Claire genoss es. Sie liebt andere Kinder einfach, wünscht sich selber ein Geschwisterchen. An dem Abend wurde ihm bewusst, wie schön es sein kann ein Geschwisterchen zu haben und, dass wir es vielleicht doch packen können. Die Mädchen haben nichts getan, außer gemeinsam zu spielen, zu lachen und sich zu ärgern. Diese Emotionen hatten ausgereicht (und viel Zeit), um ihm bewusst zu machen, dass auch er noch ein Kind möchte. Mit mir. Mit uns. Er wollte unsere Familie wachsen lassen.

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Gute Voraussetzungen ebnen den Weg

Das ging ganz einfach so – von jetzt auf gleich. Nachdem ich den Wunsch etwas zurückgestellt hatte und er die anderen Kinder sah, hat sich der Schalter umgelegt. Ohne Druck. Dazu muss ich allerdings sagen, dass die Bedingungen gerade gut sind: Er könnte uns auch locker allein über Wasser halten. Ich muss nicht arbeiten – zumindest nicht finanziell. Das nimmt enormen Druck weg! Die Wohnung reicht erstmal für 2 Kinder, da wir ohnehin das Familienbett praktizieren 😉 Ein größeres Auto haben wir uns auch angeschafft. Alles prima. Nur meine Karriere wird damit vorzeitig beendet. Das hat sich nicht geändert. Noch immer bin ich der Meinung, dass Kinder und Job nicht miteinander vereinbar sind – nicht, ohne, dass ein Lager zu kurz kommt. Jetzt habe ich allerdings das Lager gewechselt: Von der Karriere-Frau zur Teilzeit-Mama. Angst habe ich trotzdem, dass ich mit dem zweiten Kind gar keinen Job mehr bekomme. Flexibilität ist ja schon jetzt schwierig, da wir in einer ziemlich kinderunfreundlichen Stadt wohnen und die Betreuung eine Katastrophe ist. Somit werde ich wohl weniger arbeiten müssen…

Was den Druck nimmt: Geld und viel Liebe

Das wird sich ganz bestimmt negativ auf meine Rente auswirken, aber zum Glück kann ich privat vorsorgen. Uff. Eine Hürde gemeistert. Sollte die Ehe scheitern, gibt es einen Vertrag, der uns absichert. Somit wäre auch das kein finanzielles Fiasko. Zweite Hürde gemeistert (Ihr merkt, mir ist das sehr wichtig, das liegt an meinem Background, da meine Kindheit sehr sehr schwierig war). Und was fehlt noch? Liebe. Gaaaanz viel Liebe. Liebe haben wir auch genug zu vergeben, da unsere Beziehung so harmonisch wie nie verläuft (ein Baby wird das sicherlich durcheinanderwirbeln). Aber ich denke, dass wir auch dieser Herausforderung gewachsen sind, denn wir sind gewachsen. Innerlich. Das ist uns bewusst geworden. Wir, unsere Beziehung, unsere Familie ist stark geworden – das schlich sich so über die Jahre ein. Wir haben schon viele Hürden gemeistert und werden weitere packen. Danke Claire ☺ Jetzt muss es nur noch mit dem schwanger werden klappen…


 

Danke liebe Yasmin für diesen Artikel. Er gibt mir wieder ein Stückchen Mut mir und ich werde ihn lese, wenn ich an traurige Tagen die Hoffnung verlieren werde.

Yasmin findet Ihr auf ihrem Blog Rabenmutti, auf Facebook, Twitter und auch auf Instagram.

Habt Ihr auch in den Punkt Kinderwunsch unterschiedliche Ansichten mit Euren Partnern oder gar Eure Ansicht total geändert? Erzählt mir, gebt mir Mut.

In diesem Sinne – „jemand“ träumte ich komme schwanger und entspannt aus dem Urlaub zurück. Jemand der auch noch einen Kinderwunsch verspürt….

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Kategorie Familie

Hier schreibt JesS (32), (Pflege-) Mutter, Autorin und selbstständige Unternehmerin. Zwischen Pflegschaft, Elternsein, Gedanken, LifeStyle und der Liebe zur Fotografie nimmt sie Euch mit auf das Abenteuer Familienleben. Mit viel Herzblut, Authentizität und noch mehr Liebe zu den Dingen die sie tut.

4 Kommentare

  1. Hach, wie schön wenn die Umstimmung doch so wirkt, als wäre es einfach. ?
    Mein Mann möchte auch absolut kein zweites Kind. Er erzählt immer, er wäre lieber Einzelkind geblieben.. ich weiß schon gar nicht mehr was ich sagen könnte. Denn es wäre bei uns leider auch ein Streitthema, wenn ich es anspreche.

    • Liebe Eva,

      ja, von außen wirkt es einfach. Die vielen Streitereien und negativen Gedanken die dahinter stehen, habe ich einfach mal außen vor gelassen. Ich glaube, die kennt ohnehin jeder, der einen unerfüllten Wunsch hat 🙂 Mein Mann ist übrigens auch Einzelkind und meinte, es war so toll. Keine Ahnung, warum ihm das Bild der spielenden Geschwister mit Claire so zugesetzt hat, dass er dann doch dafür war. Aber: Glück für mich <3 Streit hatten wir übrigens echt häufig deswegen. Und, ja, wir waren auch bei einer Eheberatung. Nicht deswegen, aber auch. Das wurde auch Bestandteil. Und der Berater war sichtlich erstaunt, als wir in der letzten Sitzung dann doch vom zweiten Kind sprachen 🙂
      LG
      Yasmin aka Rabenmutti

  2. Ach Mensch, ich kann Euch so gut verstehen. Ich bin als Einzelkind aufgewachsen und mir war immer klar, dass ich zwei Kinder wollte. Das war von Anfang an auch meinem Mann klar, der mit einer Schwester (13
    Monate Altersunterschied) aufgewachsen ist. Unser erstes Kind war einfach, das zweite auch. Wir haben allerdings 4 Jahre und 4 Monate Altersunterschied, Mädchen und Junge. Aber die beiden lieben sich abgöttisch und spielen auch miteinander. Zwar nicht immer, aber immer öfter. Und die grosse Schwester liest dem kleinen Bruder vor. Es ist sooo schön und ich bin so froh. Für uns ist die Familienplanung damit abgeschlossen, ich möchte kein grösseres Haus, grösseres Auto etc. und auch arbeiten gehen kann ich noch/wieder. Die Grosse ist 8, der Kleine 4. Ich wünsche Euch von Herzen, dass es mit dem zweiten Kind klappt.

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