Die Kratzer im Glück – mein Baby hat Neurodermitis

Hilfe, mein Baby hat Neurodermitis, wenn ein Baby Neurodermitis hat, müssen vor allem die Eltern viel lernen. Liebe und Geduld und den weg.

Ich war ein Kind mit Neurodermitis. Im Teenager Alter sogar ganz schlimm. So richtig dolle schlimm. Daher hatte ich große Angst, dass die Motte auch mit dem schlimmen Kratzen beginnen wird. Wir hatte bislang großes Glück.

Meine heutige Gastautorin berichtet von den Kratzer im Glück den ihr Baby hat Neurodermitis.


Die Kratzer im Glück – mein Baby hat Neurodermitis

Die ersten Wochen mit meinem Sohn waren ganz normal. Es war aufregend, anstrengend, wunderschön, harmonisch und manchmal auch aufreibend. Ein Mix an Gefühlen, den alle jungen Mütter kennen. Doch dann änderte sich das.

Hände sind zum Kratzen da

Normal wäre es weitergegangen, wenn ich mich hätte freuen können, wenn mein Sohn merkt, dass seine Hände zu ihm gehören und dass er sie kontrollieren kann. Das wäre eigentlich schön gewesen. War es aber nicht. Warum? Weil mein Sohn seine kleinen Händchen vor allem dazu benutzt hat, sich selbst weh zu tun. Wann immer er die Gelegenheit hatte – wenn er sich geärgert oder gelangweilt hat – hat er seine Händchen benutzt um sich selbst zu verletzen. Er hat seine kleinen Finger in seine Wangen gegraben. Er hat ins Fleisch gekrallt und wenn man ihm Handschuhe angezogen hat, hat er seinen Handrücken benutzt und so lange gerieben, bis das Blut floss. Erst dann hörte er auf. Manchmal.

Blutige Autofahrten

Er hat sich im Kindersitz an den Gurten aufgerieben, so dass wir das Auto nicht selten völlig blutverschmiert verließen. Ich bin im Auto gefahren und habe gehört, wie er hinten im Sitz liegt und kratzt und konnte nicht helfen. Nein, ich kann nicht sagen, ob mehr Blut oder mehr Tränen geflossen sind auf diesen Autofahrten. Ich war so hilflos.

Heilsamer Körperkontakt

Wenn wir Körperkontakt hatten, war es etwas besser. Da konnte ich seine Wunden streicheln und ihm so den Juckreiz nehmen. Dan konnte ich kühlende Umschläge machen und einiges mehr. Ich konnte ihn ablenken. Und dann kam die Nacht. Ich hasste die Nächte. Auch wenn unsere Nähe und die seligen Momente des Tiefschlafs wunderbar waren. Wenn er entspannen konnte und dieser kleine unter Strom stehende und ständig nervöse Körper zur Ruhe kam, wenn auch nur kurz. Den größten Teil der Nacht musste ich jedoch zusehen, wie mein Sohn leidet. Wie er schlafen will, aber vor lauter Jucken und Kratzen nicht kann. Ich hielt ihn im Arm – die ganze Nacht, ich drückte seine Händchen, ich streichelte ihm sanft über die juckende Haut, ich massierte seine blutigen Wunden, um ihm den Juckreiz zu nehmen. Mein Sohn hat Neurodermitis. Atopisches Ekzem haben es die Ärzte zunächst genannt, aber mittlerweile ist es deutlich sichtbar: Seine Haut ist trocken, entzündlich und einfach empfindlich. Sie juckt – mal mehr, mal weniger.

Hilfe, mein Baby hat Neurodermitis, wenn ein Baby Neurodermitis hat, müssen vor allem die Eltern viel lernen. Liebe und Geduld und den weg.

Wie es weitergeht

Eine Prognose will ich nicht wagen. Zu viele verschiedene Meinungen habe ich dazu in den letzten anderthalb Jahren von Hautärzten und Betroffenen gehört.  Nur so viel: Es ist durch Therapieversuche und Geduld besser geworden. Till wird bald zwei Jahre alt und wir alle haben uns an die Krankheit gewöhnt. Besonders er selbst. Er kennt es nicht anders. Mittlerweile schläft er ruhig und friedlich. Er kratzt sich noch immer, aber nicht mehr so oft im Gesicht. Das ist gut, denn so ist die Neurodermitis nicht das Erste was anderen auffällt, wenn sie ihn sehen. Er ist ein fröhlicher Junge, der aufholt, was er während der Kratzerei verpasst hat. Wenn er sich ärgert kratzt er noch immer. Oder wenn er einen Schub hat, von dem wir nicht wissen, was ihn auslöst.

Umgang mit der Neurodermitis

Es gibt Möglichkeiten der Linderung, aber die Situation anzunehmen wie sie ist, stark zu sein und geduldig, das ist das, was ich wirklich für ihn tun kann. Etwas, das unsere Oma gesagt hat, kommt mir immer wieder ins Gedächtnis. „Es gibt nichts Schlechtes auf der Welt, das nicht auch sein Gutes hätte.“ Ich weiß nicht genau, was das Gute daran ist. Aber ich glaube, dass uns die Krankheit zusammengeschweißt hat, dass sie meinen Sohn stark macht und selbstbewusst. Er hat früh gelernt, dass er ganz schön was aushält und dass immer jemand da ist, der ihn hält. Und er weiß, dass das Leben schön ist, auch wenn es manchmal nicht so aussieht. Die Neurodermitis ist für uns heute eine Begleiterscheinung, wir haben sie aus dem Mittelpunkt unseres Lebens verbannt. Wir alle sind daran gewachsen und tun es weiter. Alles wird gut.

Katharina

Hilfe, mein Baby hat Neurodermitis, wenn ein Baby Neurodermitis hat, müssen vor allem die Eltern viel lernen. Liebe und Geduld und den weg.Kinderleute sind starke Kinder und fröhliche Leute. Menschen, die sich und das Leben nicht allzu ernst nehmen – die Kinder dagegen schon. Tipps und Geschichten aus dem Leben und Erziehen einer Journalistin und Chaosmutter und ihrer Familie. Ein Plädoyer für mehr gewaltfreie Gelassenheit.

Katharina findet Ihr auch auf Instagram, Facebook und Pinterest.


 

Da ich weiß, wie es sich als Kind und Teenager anfühl, wenn man sich immer und immer wieder kratzen muss, bin ich sehr dankbar, für diese Sicht einer Mutter auf das Leben damit das ihr Baby sich ständig kratzt. Von ihren Kratzer im Glück den ihr Baby hat Neurodermitis.

Kennt Ihr diese Hautkrankheit und habt Ihr auch Erfahrungen damit gemacht? 

In diesem Sinne – „Es gibt nichts Schlechtes auf der Welt, das nicht auch sein Gutes hätte.“ Auch wenn wir es nicht immer direkt sehen können.

 

– Die Bildrechte liegen bei Katharina –

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Kategorie Familie

Hier schreibt JesS (32), die Mutter, Autorin und selbstständige Unternehmerin. Zwischen Pflegschaft, Elternsein, Gedanken, LifeStyle und der Liebe zur Fotografie nimmt sie Euch mit auf das Abenteuer Familienleben. Mit viel Herzblut, Authentizität und noch mehr Liebe zu den Dingen die sie tut.

2 Kommentare

  1. Liebe Jessi, liebe Katharina, ja unsere Kleine hat auch Neurodermitis. Sie ist bei ihr erst mit 3,5 Jahren richtig ausgebrochen, war aber schon immer latent da. Ihr Onkel hatte sie auch als Kind, sie hat sich bei ihm bis zum Schulalter verwachsen. Darauf hoffe ich auch. Aber es wird leichter, wie Katharina auch schreibt. Man lernt damit klar zu kommen. Sie (mittlerweile 4) lernt damit klar zukommen. Kratzt sich weniger oft. Momentan stelle ich auf dem Blog eine tolle, auf wenige Inahaltstoffe reduzierte Pflegeserie vor, die auch bei Neurodermitis sehr gut geeignet ist. Liebe Grüße, Ella

  2. Zeidler Nicole

    Hallo liebe Gastautorin,
    ich möchte dir Mut machen, Mut machen das es vielleicht wirklich irgendwann weg geht. Sowohl mein Mann wie ich hatten ab Ende Pupertät bis Ende 20 Ruhe. Ich kann nicht sagen wie es sich bei mir entwickelt, mein Mann hat zwar seit 1,5 Jahren wieder zu kämpfen quasi pünktlich zum 30. aber er kommt gut damit zurecht.

    Ich wünsche euch das so wird und ihr bald Ruhe bekommt!

    Viele Grüße aus Hamburg
    Nicole

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