Mama, warum liegen da Blumen auf der Treppe?

Mama, warum liegen da Blumen auf der Treppe

Wir alle sind erschüttert – wir alle spüren den Schock in unseren Gliedern und alle Eltern stehen vor der Herausforderung, wie gehe ich mit dem Thema und meinen Kindern um.

Ich las in den letzten Tagen viele Artikel in denen beschrieben wurde, wie wir mit dem Thema Terror und unseren Kindern umgehen könnten. Artikel von anderen Müttern, Bloggern und auch Expertenmeinungen. Ich las aus keinem das Geheimrezept heraus, aber das ist auch gut so, schließlich sind unsere Kinder alle unterschiedlich.

Unterschiedlich in ihrer Auffassungsgabe, unterschiedlich in ihrer Fragestellung. Im Alter unterscheiden sie sich und darin, wie viel sie mitbekommen. Woher soll also die Art und Weise kommen, damit um zu gehen und habt keine Hoffnung, ich hab sie auch nicht gefunden, ich weiß auch nur, wie ich mit meinen Kindern damit umgehe.

Terror und Kinder – es geht uns alle an!

Der große Junge ist 17. Der bekommt es auf allen Kanälen mit. Das kann und will ich nicht verhindern. Er hat eine sehr gute Auffassungsgabe und in der Ausbildung haben sie neben einer Schweigeminute auch die Fahnen auf Halbmast. Das Thema ist präsent. Wir reden mit ihm, tauschen uns aus und sind für alle Fragen offen – wenn wir sie denn beantworten können.

Die Motte hingegen ist vier. Verdammte Welt, ich würde sie so gerne vor solchen Nachrichten und Ereignissen beschützen. Aber – das kann ich nicht und das werde ich nicht. Nein! Das Leben ist das Leben – es hat das Recht darauf real zu sein.

Nun so einfach wie mit dem großen Jungen ist es mit der Motte natürlich nicht. Ich machte mir bis Dienstagnachmittag viele Gedanken, wie ich mit ihr über das Thema sprechen könnte bzw. hatte ich mich schon entschieden, es erst zu erwähnen, wenn sie Fragen stellt. Aber sie ist vier, wie viel Wahrheit verträgt ein Kind mit vier Jahren? Es kam wie so oft, wie es kommen sollte. Als feinfühliges Kind merkte sie einfach das etwas in der Luft lag und das wir auch den Fernseher weniger an hatten. Das wir auch das Radio zeitweise ausmachten. Wenn sie da war, dann brauchten auch wir einfach mal einen kurzen Moment zum Atmen und sacken lassen. Doch sie brauchte gar keine Nachrichten, um auf das Thema zu kommen.

Mama, warum liegen da Blumen auf der Treppe?

Am Dienstag fuhr ich mit ihr in die Stadt. Wir aßen zu Mittag und sahen auf dem Hinweg schon Blumen, Kerzen und die französische Flagge vor dem Rathaus liegen. Eine kleine aber berührende Geste. Die Motte sah die Dinge dort liegen und sagte, dass sie jemand vergessen hätte. Ich schaute kurz, doch sie erzählte gleich weiter, als wenn nix gewesen wäre, was sie im Kindergarten alles gemalt habe. Erst war ich fast erleichtert, aber irgendwie wusste ich, dass es damit nicht getan war.

Wir aßen zu Mittag, wir erzählten, wir sprangen durch die Stadt und probierten lustig viele Mützen auf. Aßen Zimtschnecken und versteckten uns zwischen Kleiderständer – es war ein typischer Mädchen-Tag und wir lachten und hielten unsere Hände.

Auf dem Rückweg kamen wir wieder am Rathaus vorbei und noch bevor die Motte etwas sagte, wusste ich – jetzt ist der Moment gekommen. Jetzt musst Du Dich Fragen stellen, die Du selber vielleicht gar nicht komplett beantworten kannst. Eine Aufgabe der Elternschaft…

Sie ging schnurrstracks auf die Blumen zu. Schaute auf die letze Stufe und fragte ganz natürlich und in ihrer kindlichen Neugier: „Mama, warum liegen da Blumen auf der Treppe?“. Ich kniete mich in die vom Regen nasse Innenstadt, nahm ihre Hand und alle Überlegungen schienen unnötig gewesen zu sein. Wir unterhielten uns ganz natürlich. Ich erzählte von Paris und von Menschen. Ich erzählte das dort ganz viele Menschen starben und das wir alle traurig sind. Sie fragte warum sie starben und ich erzählte ihr, dass es manchmal ganz böse Dinge in den Menschen gibt und das dies die Menschen ganz dolle böse machen kann. Aber nicht alle Menschen böse sind und das wir als Zeichen, dass wir auch traurig sind, Blumen hinlegen. Das in Paris noch mehr Blumen liegen, es aber ja zu weit ist dort hin zu fahren (sie wollte die niedergelegten hinbringen). Ob die bösen Menschen eine Strafe bekommen würde, fragte sie. Darum kümmert sich nun die Polizei und ganz viele Menschen, deren Aufgabe es ist, sich genau darum zu kümmern. Auf die Frage ob ich Angst habe schluckte ich, hielt ihre Hand und sagte, dass ich sie immer beschützen würde. Immer. Ich wollte ihr keine Angst machen und sie kuschelte sich an mich.

Das ganze dauerte eine kleine Weile und wir betrachteten die Blumen und die Kerzen. Die Menschen gingen bejahend-lächelnd an uns vorbei. Wir sprachen und ich bin erstaunt, wie klar und aufmerksam mein Kind mit zuhörte, sie ist doch erst vier. Dann gingen wir weiter und hielten uns bei der Hand – ganz fest. Am Abend beim Zubettgehen blieb ich bei ihr, bis sie eingeschlafen war. Nur für den Fall. Viele Themen holen sie am Abend ein. Sie schlief ruhig in meinen Armen ein. Einen Moment den ich manchmal genau so sehr brauche wie sie.

Warum ich ihr das nicht verheimliche, warum da Blumen auf der Treppe liegen?!
Weil es zu unserer Welt gehört. Weil es zum Tagesgeschehen gehört und weil wir es bevorzugen, dass sie es von uns erfährt und uns ihre Fragen stellt, als das ihr Geschichten, oder das totschweigen dieser Dinge Angst machen.

Wie geht Ihr mit dem Thema und Euren Kindern um? Habt Ihr die Gespräche noch vor Euch oder versucht Ihr daran vorbei zu kommen?

In diesem Sinne ~ wir können sie nicht vor allem beschützen, aber Unwissenheit kann Angst machen. Altersgerecht verpackt haben auch Kinder ein Recht auf Information.

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Kategorie Gedanken

Hier schreibt JesS (32), (Pflege-) Mutter, Autorin und selbstständige Unternehmerin. Zwischen Pflegschaft, Elternsein, Gedanken, LifeStyle und der Liebe zur Fotografie nimmt sie Euch mit auf das Abenteuer Familienleben. Mit viel Herzblut, Authentizität und noch mehr Liebe zu den Dingen die sie tut.

7 Kommentare

  1. Liebe Jessi, ich fühle so mit dir. Unsere Lütte hat’s nicht wirklich mitbekommen, aber der Große ist viel zu sensibel, als das er die Ängste und Sorgen nicht mitbekommen würde. Wir haben nur kurz, aber klar darüber gesprochen. Es kam auch von ihm aus und sollte er mich doch noch mehr fragen, werde ich ihm natürlich auch noch mehr Antworten geben.
    Schön, wie ihr darüber gesprochen habt und ja, es ist unfassbar wie toll die Kinder mit solchen Themen und Ereignissen umgehen…
    Lieben Gruß!

  2. Hallo Jessi,
    ich finde es toll wie du mit deinem Kind darüber geredet hast, klar versteht Sie die Situation noch nicht so wie manche Erwachsene dennoch finde ich Ihre Reaktion auf das ganze bezaubernd. Außerdem muss ich ein großes Lob an dich aussprechen das du so einfühlsame Wort für das ganze gefunden hast, sodass es deine Kleine auch versteht.
    Liebe Grüße
    Emma

    • oh vielen lieben Danke für das tolle Kompliment. Ich fand es so wahnsinnig, dass ich mir tagelang Gedanken darüber machte und dann war diese Unterhaltung total natürlich…
      Ich versuche sie natürlich in ihrer kindlichen Welt zu unterstützen, werde aber immer ihre Fragen beantworten…. sie merken es eh irgendwann diese tollen Wesen.

      Ich danke Dir für Deinen wundervollen Kommentar°!

      • Das ist ganz normal das man sich davor tausend Gedanken macht wie dieses eine Gespräch ablaufen könnte und am Ende wird es ganz anders als gedacht und man ist total ehrleichtert das es doch anders gekommen ist und alles gut gelaufen ist.
        Es ist gut das du ihr alle Fragen beantworten wirst so weis sie das sie dir vertrauen kann und das du Ihr jede Frage beantworten wirst.

        • ach es freut ich so wenn so eine kleine Geschichte aus dem Alltag so schönen Anklang findet. Heute schrieb ich erst auf FB davon wie stolz ich auf die Motte b in, die mir bei meinem gestrigen Migräne-Anfall fast die Hand hielt und wie wundervoll sie sich verhalten hat bis der Papa kam…. manchmal möchte man vor Stolz weinen….

          • Och Gott wie Süß du kannst echt stolz auf deine Kleine sein. Sie wird bestimmt ein wunderbares Kind mit einem fantastischen Charakter.

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