Ein zweites Kind ja oder nein?

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Ich wünsche mir ein zweites Kind. Daraus mache ich kein Geheimnis. Es tut sogar gut diesen Wunsch offen aus zu sprechen, er wird realer dadurch.

Manchmal ist diese Entscheidung aber gar nicht so einfach. Manchmal müssen der Verstand und das Herz das erst ausfechten oder das Schicksal muss einfach um die Ecke kommen.

Das Schicksal allerdings kann so brutal sein das sich alle Zweifel in Luft auflösen und das Herz den Verstand überstimmt. Wie bei Bella. Bella ist ein Mensch aus meinem Herzen und Bella gewährt mir eine Ahnung vom zweiten Kind auf ihrem Blog familieberlin und mit ihrer Freundschaft.


 

Ein zweites Kind ja oder nein? Wenn das Schicksal die die Antwort vor die Füße wirft.

Seit wenigen Wochen bin ich zweifache Mama. Das ich diese jemals sein werde, hätte ich nicht gedacht. Denn mein Mann wollte nur ein Kind. Und auch die Geburt des ersten Kindes war schon mehr als Glück für mich, da er gern warten wollte. Hätte mein Inneres nicht gedrängt, wäre unser zweites Kind wohl mein erstes. Doch dem ist nun offensichtlich nicht so.

Schon vor der Geburt des ersten Kindes war für meinen Mann klar: er möchte nur eines. Diesem Kind, so meinte er mal, soll es an nichts fehlen. Alle Wünsche, Träume und Vorstellungen sollen erfüllt werden. Vor meinem inneren Auge sah ich schon das verwöhnte Einzelkind von Reitunterricht zu Klavier wechseln und schmollend am Esstisch sitzen, weil ihm meine Tomatensoße nicht passte und ich bitte eine neue kochen sollte. Ich glaube, dieser Wunsch des Mannes rührte tief in seiner Kindheit mit seinem Bruder, doch bestätigen wollte er mir das nicht. Viel ausschlaggebender für ihn war folgendes Argument: er könne nicht zwei Kinder lieben. Schließlich könne er auch nicht zwei Frauen lieben und überhaupt sei Liebe ja nicht teilbar. Wenn ich aber um mich schaue und sehe, wie viele Menschen mehrere Kinder haben und alle scheinen geliebt, warum nicht auch bei uns?

Warum wollte ich ein zweites Kind?

Dieses Argument brachte bei meinem Mann, der grundsätzlich mit dem Kopf entscheidet, leider nichts. Er wollte Fakten, Details und echte Gründe. Doch was sagt man einem Kopfmenschen, wenn das Herz nach einem zweiten Kind schreit? Wenn man gern die Tritte unterm Herzen spüren will, die  Spannung vorm großen Ultraschall und die Aufregung zur Geburt? Immerhin konnte ich es mir so schön vorstellen, wie unsere beiden Kinder später zusammen spielen, sich streiten, kuscheln und eben bei uns sind. Theoretisch. Aber faktisch gab es dafür keine Gründe. Ich wollte einfach. Punkt. Aus purer Liebe, Mamaglück und für meine Große. Denn auch wenn ich nicht immer stolz auf meinen großen Bruder war, er oft nervte und wir uns näher stehen könnten, würde ich ihn nicht missen wollen. Denn zu zweit groß werden, hat einen entscheidenen Vorteil: man ist nicht allein.

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Er war es, der mir den Weg ebnete, der meine Eltern abhärtete. Dank ihm durfte ich früher ausgehen, länger raus, den einen Freund haben und mit 16 im Wald Auto fahren lernen. Ich durfte bei Freunden auf dem Motorrad mitfahren, ich wusste wer Michael Knight ist und konnte mitreden, wenn es um Fußball ging. Dank ihm hatte ich nicht nur „uncoole“ Klamotten und wie ich später lerne, immer einen, der auf mich aufpasste. Aus der Ferne, heimlich und beschützend. Genau das sollten meine Kinder auch haben. Jemand, der auf sie aufpasst. Denn auch ich habe als Kleine auf meinen großen Bruder geachtet. Ich habe ich verteidigt und beschützt, mit meinen Eltern gestritten. Im Grunde würde ich mit einem zweiten Kind einen weiteren Verbündeten gegen uns Eltern ins Haus holen. Egal!

Ein zweites Kind aus einem bestimmten Grund

Die Sache war durch. Alle Gründe ließen meinen Mann kalt. Ich sah mich schon mit einem Kind alt werden. Meine ganze Liebe, die ich noch zu geben hatte, würden wohl Katzen und Hunde bekommen. Und eben mein kleines großes Baby. Ich konnte ihm schlecht ein zweites Kind aufzwängen, immerhin haben wir eine Beziehung auf Augenhöhe. Doch dann kam dieser eine Tag. Wenn ich es mir aussuchen könnte, wäre es mir lieber gewesen, dieser Tag wäre nie da gekommen. Er wäre vom Schicksal ausgelassen worden. Denn an diesem Tag verlor die Welt einen Menschen, eine Nachbarin verlor ihren Mann und zwei Kinder verloren ihren Vater. Die Welt blieb kurz stehen und ich hatte schwer damit zu kämpfen. Nicht mit dem Verlust an sich, sondern mit dem der Hinterbliebenen. Diese kleinen Jungs weinen zu sehen, oder so wie immer. Denn mit vier Jahren trauert man nicht permanent. Da sagt man auch im Spiel mal „Den Ball hat der Papa mitgebracht, aber der ist nun nicht mehr da. Der ist im Himmel“. Die Familie zerbrach und musste sich neu finden. Und ein Satz meiner Nachbarin ließ mich nicht los: so klein sie auch sind, sie haben sich. Und das hilft ihnen ungemein.

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Doch wen hätte meine Tochter, wenn uns etwas passiert? Mit wem könnte sie weinen, schreien und über uns reden? Dieser Gedanke tat weh. Er ließ mich nicht los und raubte mir den Schlaf. Mein Mann war in diesen Tagen ganz ruhig. Er merkte, wie fertig mich das machte. Und auch ihn ließ das Schicksal dieser Familie nicht kalt. Schließlich kannten wir uns gut. Als wir vom Tod unseres Nachbarn erfuhren, blieb auch unsere Welt kurz stehen. Ich wollte meine Lieben nicht mehr von mir lassen. Und auch mein Mann merkte, dass nicht alles rational zu entscheiden ist. Manchmal hat der Kopf Pause oder findet keine Worte. Der Bauch, das Herz hat auch bei ihm Mitspracherecht. Denn auf einmal widersprach er nicht, wenn ich damit haderte, die zu kleingewordenen Kindersachen wegzugeben. Im Gegenteil. Nach diesem Tag sagte er nur noch: „Heb die Sachen gut auf, wir werden sie sicher bald brauchen“.


 

Bella schreibt mit Herz und genau das meine berührt sie sehr. Danke liebe Bella für genau diesen Text, danke Herr Berlin für genau diese Entscheidung und danke auch an Miniberlin und Babyberlin das ihr einfach so viel Glück in die Familie Berlin bringt!!!

Hat das Schicksal bei Euch schon mal einfach eigenständig eine Entscheidung getroffen? Bitte berichtet mir davon, ich brauche manchmal einfach Hoffnung….

In diesem Sinne – manchmal hilft der Verstand nicht weiter und Kinder sind keine Vernunftsentscheidungen.

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6 Kommentare

  1. So ein schöner Text, Jessi. Und Bella: Danke für diese Annekdote. Sie bringt einen wirklich zum nachdenken. Für uns stand immer fest: wir wollen viele Kinder. Mein Schatz ist als Einzelkind groß geworden, weil sein Vater kein Zweites wollte. Meine Schwiegermutter trägt auch heute noch einen großen Riss in ihrem Herzen, weil dieser Wunsch unerfüllt blieb. Ich glaube so richtig verziehen kann sie ihm nicht. Und Lottes Papa vermisst es so sehr ein Geschwisterchen zu haben. Er sagt dass es ein großer Verlust ist, dass er so etwas wie Geschwisterliebe niemals kennenlernen wird. Ich kann das bestätigen. Mein Bruder hat einen großen Platz in meinem Herzen und genau das wünsche ich mir für Lotte auch.
    Liebe Jessi, ich wünsche dir von ganzem Herzen dass dieser Wunsch doch bald gesehen wird. Es gibt Dinge, die darf der Kopf nicht entscheiden, sonst wird das Herz irgendwann einmal krank.

    Ich schicke dir eine dicke Umarmung und Bella und ihrer entzückenden Familie ebenfalls ?

    Sarah

  2. So so viele Männer denken nur mit dem Kopf statt mit dem Herzen nur zu fühlen…

    Mein Mann wollte Anfang 2013 noch kein Kind weil wir gerade erst gebaut hatten und wir noch einiges erleben wollten wie zb. Reisen usw.. er ist total der Kopfmensch und ich war mir ja selber noch nicht so sicher wann der richtige Zeitpunkt war..
    Dann bekam ich eine richtige heftige Magen Darm Grippe wo ich wirklich Tagelang dachte das wäre mein Ende so schlecht fühlte ich mich. Nun ja , durch das Übergeben haben wir nicht mehr dran gedacht das die Pille ja eventuell garnicht richtig wirkt. Im Juli 2013 blieb die Periode aus und im Februar 2014 kam unser Sohn auf die Welt.. In der ersten Nacht Zuhause dachten wir beide wir kriegen nie wieder ein Baby weil es so hart und anstrengend ist… joah 3 Monate nach der Geburt haben wir uns angesehen und gesagt wir möchten noch einen von der Sorte 🙂 gesagt getan. Als mein Sohn 6 Monate alt war haben wir wieder angefangen und zu üben und zack war ich wieder schwanger.. Meine Söhne haben 16 Monate Unterschied und wenn es nicht so verdammt hart wäre und wir nicht höhere Ansprüche an das Leben mit Kindern hätten ( jeder ein eigenes Zimmer usw ) würden wir glaube ich eins nach dem anderen bekommen weil wir noch so so viel mehr liebe zu geben haben. Aber der Verstand und meine Nerven sagen… Nein…naja Vllt..Mal schauen :))))

    Ich hoffe das sich dein Wunsch noch erfüllt denn ich denke das so ein unerfüllter Kinder Wunsch einen auf die Dauer richtig fertig machen kann.. Man fühlt sich ewig „unfertig“ oder ?!?

  3. Wir haben laaaaaaaaaange überlegt, ob wir ein zweites Kind wollen. Wir waren lange Zeit mit dem einen mehr als zufrieden, aber so wirklich ausschließen wollten wir es auch nie. Und dann irgendwann kam der Zeitpunkt, wo ich meinte „Jetzt oder nie, ich werde ja auch nicht jünger“ und der Miniheld war gerade in so einer Phase, in der er unbedingt Papa sein wollte. Es passte einfach als wagten wir es und ließen das Schicksal entscheiden und das war scheinbar dafür ^^

  4. So ein schöner Text. 🙂

    Unser großer Sohn ist ein autistisches Kind. Und wir wollten eigentlich kein 2., weil es doch sehr anstrengend ist und was ist wenn wir es vererben?
    Aber dann war dieser eine Tag, wie lang bin ich eigentlich schon überfällig? Und dann der Test… schwanger … schwanger, ….
    jetzt ist sie 8 Monate alt. Und das Beste was unserer Familie passieren konnte, sie rettete mich aus der Depression, sie liebt ihren Bruder, so wie er ist und himmelt ihn an. Beide krabbeln um die Wette, schauen der Waschmaschine beim waschen zu usw. Der Große liebt sie abgöttisch und blüht durch sie erst richtig auf.
    Meine beiden Kinder sind einfach das beste was mir jeh passieren konnte.

  5. Tja , das ist eine gute Frage. Unser zweites Kind ist ein Mädchen geworden mit vieeel Eigensinn und einen Dickkopf wie es im Buche seht. Einfach ist es manchmal nicht. aber jede Sekunde ist so wertvoll und aufregend.
    Wenn man die beiden nun zusammen spielen sieht und für einander sorgen bestätigt sich dass Kinder Geschwister einfach brauchen.

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