Unsichtbar krank – Anna und das PCO-Syndrom

01 Unsichtbar Krank Titel

Vertrauen ist ein Gut welches man sich eigentlich erst erarbeiten muss, daher bin ich um so geehrter, das Ihr es mir so sehr entgegen bringt – Ihr die mir jeder seine ganz persönliche Geschichte erzählt und damit ein Teil von  #unsichtbarkrank werdet.

Heute hab ich die wundervolle Anna von Familie Mottes kunterbunte Welt zu Gast.

 

Unsichtbar krank 

Anna und das PCO-Syndrom

Anna und das PCO-Syndrom

Bild&Rechte: Anna von Familiemotte.de

Wer bist Du beschreibe Dich in ein paar Sätzen.
Ich bin Anna, 37 Jahre alt, Mama, gebürtige Rheinländerin aber mittlerweile echtes Nordlicht, Reiselustige, Genießerin, Bücherwurm, Filmfreak, liebe Elefanten und bin neugierig auf alle schönen Dinge des Lebens…

Auf unserem Familienblog Familie Motte gibt es Geschichten aus unserem Familienalltag – mal lustig, mal chaotisch, mal nachdenklich. Dazu gehören natürlich ausführliche Berichte von unseren Reisen und Ausflügen aber auch mal Empfehlungen von Produkten, die uns im täglichen Familienleben überzeugt haben oder uns das Leben erleichtern. Dazu ganz viele Gedanken rund ums Elternsein und auch mal Eltern-Frust.

Wir – das sind: mein Mann, die Motte (*01/2012), die Zwillinge Minimotte & Floh (*07/2015) und ich – leben in der schönsten Stadt der Welt – Hamburg –  sind aber auch viel unterwegs, denn wir lieben Reisen und Ausflüge.

1. Welche unsichtbare Krankheit trägst du mit dir herum?
Ich habe keine schlimme oder unheilbare Krankheit, aber dennoch etwas, wo drunter ich eine Zeit lang sehr gelitten habe: PCO-Syndrom. Für alle Frauen die sich nichts sehnlicher wünschen als ein Kind ist das so ziemlich die niederschmetterndste Nachricht die man bekommen kann.

2. Was hast du für Auswirkungen und sind diese bei jedem erkrankten Patienten gleich oder ähnlich??

PCOS bedeutet, dass der Hormonhaushalt und damit auch der geregelte Zyklus einer Frau gestört ist. Ganz identisch läuft das nicht bei allen Frauen ab – die Ursachen und Symptome können unterschiedlich sein. Die Auswirkungen sind aber bei uns allen gleich: es ist schwierig ein Kind zu bekommen und nur mit Behandlungen und „Nachhelfen“ möglich.

Bei mir äußert sich die Krankheit darin, dass ich zu viele männliche Hormone produziere und dadurch keinen regelmäßigen Eisprung und somit auch keine Regel habe. Eigentlich hatte ich in den letzten 4 Jahren nur 3 x einen Eisprung ohne dass nachgeholfen wurde. Die Eier sind zwar in den Eierstöcken vorhanden, wachsen aber nur unter Hormonstimulation. Grundsätzlich ist das nicht schlimm, wenn man sich aber Kinder wünscht, ist diese Diagnose allerdings frustrierend, denn das bedeutet, dass man höchstwahrscheinlich nur schwanger wird, wenn man nachhilft.  In meinem Fall hat das Spritzen von Hormonen und Auslösen des Eisprungs mit einer Spritze wenn die Eier groß genug sind zu zwei erfolgreichen Schwangerschaften geführt. Der Weg  dort dorthin aber war aber lang und tränenreich…

3. Wie hast Du herausgefunden an welcher Krankheit Du leidest? War das auf den ersten Blick gleich ersichtlich oder musstest Du lange forschen bis klar war, welche unsichtbare Krankheit Dich nun auf Deinem Lebensweg begleiten wird?
Herausgefunden habe ich es erst beim ersten Kinderwunsch. Nachdem nach fast 6 Monaten nach Absetzen der Pille noch immer keine Regelblutung kam, war ich deswegen  beim Frauenarzt, der mir nach gründlicher Untersuchung PCOS diagnostizierte.

4. Wie wirkt sich diese Krankheit in Deinem Alltag (und Dein Familienleben) aus. Orientierst Du Dich an der Krankheit oder orientierte Dein Alltag sich um sie herum – wie integrierst du beides
Da unser Kinderwunsch mit Geburt unserer Zwillinge im Juli dieses Jahres nun abgeschlossen ist, beeinträchtigt mich die Krankheit nun nicht mehr. Bei beiden Kinderwunschbehandlungen in der Vergangenheit hat dieses blöde PCOS unseren  Alltag aber schon bestimmt. Durch die ständige Gabe an Hormonen war ich launisch, dünnhäutig und mir war oft zum Heulen. Manchmal wegen jeder Kleinigkeit.
Dazu kommt: alles dreht sich nur noch um dieses Thema. Zwar sagt jeder: entspann´ Dich, konzentriere Dich auf andere Dinge, aber der Druck ist groß und durch die tägliche Spritzerei kann man sich nicht wirklich entspannen.
Außerdem ist da die Ungewissheit, ob es jemals klappt. Und auch der Gedanke: komme ich damit klar wenn es nicht klappt… Aber auch nachdem es einmal geklappt hatte – und unsere geliebte Maus geboren war – der Wunsch nach einem Kind ist auch beim zweiten Mal genauso groß. Das ständige Warten nach einem Zyklus: hat es geklappt? Und die große Enttäuschung, wenn es nicht so ist…das drückt extrem auf die Psyche.  

5. Wie reagiert Umfeld auf diese Krankheit? 
Erstaunlicherweise gibt es sehr viele Gleichgesinnte. Immer wenn ich es jemandem erzählt habe, kannte derjenige entweder  jemanden, dem es ähnlich geht oder hatte sogar selbst das gleiche Problem. Negative Reaktionen habe ich nicht erfahren. Und die Solidarität untereinander ist groß: ich habe jedem immer alles Gute und viel Glück gewünscht, damit dieser sehn   

6. Wie kann Dein Umfeld – wie können Außenstehende Dir helfen?
Dieser, so sehnliche Wunsch, in Erfüllung geht. Und mich auch mit jedem mitgefreut, auch wenn es manchmal weh tat, weil es bei uns nicht so schnell geklappt hat.

7. Ich selber habe gute und schlechte Phasen – woran erkennen Außenstehende ob Du grade einen „Schub“ heißt eine schlechtere Phase hast ohne Dich fragen zu müssen? Geht das?
Nein, das kann man so direkt nicht erkennen. Wer mich sehr genau kennt hat aber sicher gemerkt, wenn ich durch die Hormongabe unausgeglichener war…alle anderen haben sicher nichts gemerkt.

8. Wie wird Dir geholfen? Hast Du gute Ärzte? Nimmst Du Medikamente und wie stehst Du alternativen Heilmethoden gegenüber?
Ich habe zwei Kinderwunschbehandlungen in einer Kinderwunschklinik hinter mir. Beide Male hatte ich tolle Ärzte, die mich sehr gut betreut haben. Den psychischen Druck können diese einem zwar auch nicht nehmen, aber die Gewissheit daß es klappen kann.
Ich habe über die Dauer der Behandlung weibliche Hormone gespritzt, die das Wachstum der Eifollikel zur Folge haben. Sobald ein Ei groß genug wurde, habe ich mit einer entsprechenden Spritze den Eisprung ausgelöst.

Beim ersten Kinderwunsch hat es ziemlich schnell im zweiten Zyklus geklappt mit der Schwangerschaft. Bei der zweiten Behandlung zweieinhalb Jahre später haben wir über ein Jahr versucht bevor ich endlich schwanger wurde – und dann gleich mit Zwillingen.

Die Wahrscheinlichkeit für Mehrlinge ist bei einer Kinderwunschbehandlung übrigens erhöht, da es durchaus sein kann, dass mehr als ein reifes Ei heranwächst.

An alternative Heilmethoden glaube ich nicht so richtig. Mir wurden allerdings auch nie welche aufgezeigt in diesem Zusammenhang.

9. Wenn ich Dir einen Tag schenken könnte, an dem Du nicht eine einzige Einschränkung und keinerlei Beschwerden hättest, was würdest Du machen?
Da ich keine Beschwerden im klassischen Sinne habe und hatte, kann ich diese Frage  nicht beantworten.

10. Wie ist Dein Weg mit der Krankheit trotzdem ein erfülltes und glückliches Leben zu führen?? Hast Du dazu eine besondere Einstellung oder einen besonderen Umgang mit Dir???
Zum Zeitpunkt der beiden Behandlungen habe ich versucht die Hoffnung nicht aufzugeben. Immer positiv zu denken. Und mir zu sagen, dass es mir gut geht – auch wenn es nicht klappen sollte mit dem Kind. Mittlerweile bin ich 3-fach-Mama und könnte – trotz aller Anstrengungen die die Mäuse mit sich bringen – nicht glücklicher sein.
Jetzt versuche ich anderen Frauen Mut zu machen die in derselben Situation stecken, in dem ich aufzeige: es kann klappen mit dem Kinderwunsch. Trotz PCOS. Und auch wenn es vielleicht etwas länger dauert.
W
er nachlesen will wie es mir während der zweiten Behandlung ging, dem sei mein Gastbeitrag auf dem Blog „Mit Kinderaugen“ empfohlen…

 


Danke lieber Anna für Deine ehrlichen Worte. Ich hoffe sie machen anderen erkrankten Menschen Mut. Mich haben sie sehr berührt.

Noch immer bin ich ganz überwältigt von der positiven Resonanz und auch den Offenheit. Euer Vertrauen ist unendlich wertvoll und ich ich fühle mich geehrt, dass Ihr es mir entgegen bringt.

20 Tatsachen ueber Familie Motte und Annas Filmleidenschaft Logo

Bild&Rechte: Anna

Anna findet Ihr auch auf Twitter als @FamilieMotte oder auch auf Facebook und seine Texte vor allem auf seinem Blog Familie Motte.de.

Mein Raum – Eure Stimme – zusammen machen wir sichtbar was sonst keiner sieht.

Wenn auch Du mir nun Deine Geschichte erzählen möchtest; schreib mir gerne eine Email, denn nur mit Euch zusammen funktioniert es sie sichtbar zu machen unsichtbarkrank @ feiersun.de

In diesem Sinne ~ das Leben ändern können wir eh nicht, also machen wir doch bitteschön das Beste draus.


Folgende Artikel durfte ich schon in dieser wundervollen Reihe veröffentlichen:

♥ Unsichtbar krank – JuSu und die Multiple Sklerose (MS)
♥ Unsichtbar krank – Saskia und die Angst- und Panikerkrankung
♥ Unsichtbar krank – Osteopenie – meine eigene Geschichte
♥ Unsichtbar krank – Chris und der Krebs

Ich danke Euch für Euer Vertrauen!!

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Kategorie Unsichtbar Krank

Hier schreibt JesS (32), (Pflege-) Mutter, Autorin und selbstständige Unternehmerin. Zwischen Pflegschaft, Elternsein, Gedanken, LifeStyle und der Liebe zur Fotografie nimmt sie Euch mit auf das Abenteuer Familienleben. Mit viel Herzblut, Authentizität und noch mehr Liebe zu den Dingen die sie tut.

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