20 Tatsachen über Attachment Parenting

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Attachment Parenting ein Thema was die Elternwelt beschäftigt, vereint und viele Meinungen hervorruft. Attachment Parenting ist vielfältiger und facettenreicher wie es auf den ersten Blick scheint und jeder lebt Attachment Parenting anders. Und das ist auch gut so.

Heute erzählt uns Hanna in den „20 Tatsachen über“ wie sich Attachment Parenting in ihrem Leben und in ihrer Familie gestaltet. Ein sehr spannendes Thema.

Attachment Parenting - 20 Tatsachen über dieses viel duskituierte und spannende Thama

Hanna und ihr Mann schreiben seit 2014 einen Blog. Nach der Geburt ihres Rubbelbatz sind sie sozusagen auch digital eine Familie geworden und schreiben nun gemeinsam auf rubbelbatz.de.

30 Jahre jung lebt sie seit zwei Jahren mit ihrem Mann in Berlin und fühlt sich pudelwohl Auf ihrem Blog schreiben die beiden über allerlei Familienthemen. Mal persönlich, mal mit vielen Bildern und auch mal informativ. or der Schwangerschaft litt Hannah an einer Histaminunverträglichkeit dieses Thema und histaminfreie Rezepte verstecken sich auch. Aber heute erzählt Hanna uns 20 Tatsachen über Attachment Parenting.

 

20 Tatsachen über Attachment Parenting

mit Hanna von Rubbelbatz

 

1. Was ist Attachment Parenting?
Attachment Parenting (AP) ist die Bezeichnung für einen Erziehungsstil bzw. Umgang mit Kindern, der die Bedürfnisse der Kleinsten respektiert und berücksichtigt und adäquat reagiert.

2. Wie sind wir darauf gekommen?
Ohne ein Buch gelesen oder den Namen jemals gehört zu haben, haben wir die meisten Bestandteile des AP instinktiv beachtet. Erst später sind wir auf die Bezeichnung „Attachment Parenting“ gestoßen.

3. Was bedeutet Attachment Parenting für uns?
Für uns ist Attachment Parenting das, was übrig bleibt, wenn man sämtliche „man muss“ oder „man macht das doch so“ über Bord wirft und einfach nur auf seinen Instinkt als Mutter bzw. Vater hört: man reagiert, wenn das Baby weint, möchte es so nah wie möglich bei sich haben und sicher gehen, dass es ihm gut geht.

4. Attachment Parenting fördert die Selbständigkeit
Oft wird diesem Erziehungsstil entgegengehalten, dass man sein Kind zu einem unselbständigen Menschen erziehen und es später ängstlich und ein „Mamakind“ wird. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Babys, die in den ersten Lebensmonaten eine sichere und feste Bindung zu den Bezugspersonen aufbauen konnten, sind später mutiger und eigenständiger. Mit einer sicheren Bindung im Rücken und dem Wissen, bei Bedarf jederzeit Unterstützung zu erfahren, entwickelt ein Mensch mehr Selbstvertrauen.

5. Attachment Parenting bedeutet ein Loslösen von „traditioneller“ Erziehung
Sein Kind nach den Prinzipien des AP aufwachsen zu lassen, bedeutet oft, sich gegen gängige Erziehungsprinzipien abzugrenzen. Vor allem die Erziehung, die wir selbst als Kind erfahren haben und für selbstverständlich hielten, müssen wir häufig überdenken und uns stattdessen auf unsere elterlichen Instinkte verlassen.

6. Bedürfnisorientierung bedeutet nicht Selbstaufgabe
Grenzen sind wichtig für die Entwicklung von Babys. Nur wenn sie das Gefühl haben, dass wir als Eltern ganz genau wissen, was richtig und was falsch ist – für uns wie auch für die Kleinen – können sie eine sichere Bindung aufbauen und uns vertrauen. Es ist also niemandem geholfen, wenn wir uns als Eltern komplett hinten anstellen, am allerwenigsten den Kleinen.

7. Die Reaktion auf das Weinen von Babys ist angeboren
Die meisten Menschen reagieren ganz instinktiv, wenn sie ein Baby weinen hören. Ohne eigene Kinder zu haben, wissen viele, was zu tun ist: das Baby hochnehmen und trösten. Essen anbieten. Körperkontakt. Ein beruhigendes Lied singen. Immer wieder gibt es Babytrainer, vor allem zum Thema Schlafen, die proklamieren, dass ein Ignorieren dieses Instinkts zum Erfolg führen würde. Zu AP gehört auch, sich von solchen Praktiken nicht beeinflussen zu lassen.

8. Baby-Trainer „funktionieren“. Nicht.
Ja, wenn ich mein Baby abends einfach allein in sein Zimmer lege und schreien lasse, wird es irgendwann damit aufhören und letztendlich von selbst einschlafen. Aber lernt das Kind dadurch wirklich, dass es alleine einschlafen kann? Oder lernt es vielleicht lediglich, dass niemand zu Hilfe kommt, wenn es stundenlang ruft? Dass die Kommunikation mit der Mutter nicht funktioniert, dass die Hilferufe wirkungslos sind? Irgendwann resigniert es und ja, die Abende werden einfacher. Aber die Lektion, die das Kind gelernt hat, ist keine positive. Sogar ein Baby, das fürchterlichen Hunger hat, hört irgendwann auf, nach Nahrung zu schreien, wenn oft genug niemand kommt. Hat es dadurch gelernt, keinen Hunger mehr zu haben?

9. Ein Baby muss nicht weinen
Wenn Babys weinen, dann weil sie etwas brauchen oder Schmerzen oder Angst haben. „Mal alles rausweinen“ wie ein Erwachsener gehört nicht zu den Bedürfnissen eines Säuglings, auch wenn wir es manchmal trotzdem nicht verhindern können.

10. Stillen nach Bedarf schadet dem Baby nicht
Ich selbst habe es nach ca. 3 Wochen schon erlebt: eine Hebamme hat mir eindringlich geraten, nicht mehr nach Bedarf zu stillen, sondern einen festen Rhythmus von mindestens zwei Stunden einzuführen. Das ständige trinken würde mein Kind zu sehr belasten. Tatsächlich hat es uns belastet, dass für einen Tag versucht habe, weniger zu stillen. Mein Sohn hat fast den ganzen Tag gebrüllt, ich war mit den Nerven am Ende und der Effekt war noch Wochen später spürbar: er hatte Angst, keine Nahrung zu bekommen, wenn er sie braucht. Geschadet hat es ihm nicht und der Rhythmus ist nach ca. 5 Monaten ganz von selbst gekommen. Er ist weder übergewichtig noch hatte er sonderlich Probleme mit der Verdauung. Von den 3-Monats-Koliken war bei ihm sogar sehr wenig zu spüren.

11. Irgendwann schlafen Kinder nicht mehr im Familienbett
Eines der häufigsten Argumente gegen gemeinsames Schlafen ist wahrscheinlich: dann bekommt ihr das Kind doch nie wieder aus dem Elternbett. Ich sage dann immer: „Ja, man kennt ja diese 16-Jährigen, die immer noch zwischen Mama und Papa schlafen. Schrecklich ist das.“ Spaß beiseite. Ein Kind möchte selbständig und unabhängig werden. Natürlich geht das nicht von heute auf morgen, aber irgendwann wird es auch im eigenen Zimmer schlafen wollen. Und in meinen Augen spricht bis dahin nichts dagegen, wenn es die Wärme und Geborgenheit in unserem Bett genießt.

12. Attachment Parenting Kinder sind klüger
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Babys, die eine sichere Bindung zur Bezugsperson aufbauen konnten und die viel körperlichen und sprachlichen Kontakt erfuhren, einen höheren IQ haben als Kinder, die einfach im Laufstall „geparkt“ werden.

13. Tragen fördert die Entwicklung
Tragen wirkt sich positiv auf die Entwicklung von Babys aus. Sie können in einem Zustand der „ruhigen Aufmerksamkeit“ aus einer sicheren Position die Welt beobachten und lernen. Sie sehen vom Tuch aus viel mehr als im Kinderwagen und fühlen sich zudem geborgen und wohl. Auch für die motorische und körperliche Entwicklung ist das Tragen förderlich. Das Baby kann früh üben, das Köpfchen selbst zu halten. Auch die restliche Muskulatur wird im Tragetuch mit trainiert, wie auch der Gleichgewichtssinn. Auch diese Tatsache ist übrigens wissenschaftlich belegt.

14. Im Familienbett schläft man besser
Meiner Meinung nach schlafen vor allem die Eltern besser, wenn das Kind mit im Bett schläft. Mich jedenfalls beruhigt es ungemein, den Kleinen ständig in meiner Nähe zu haben und zu spüren, dass es ihm gut geht. Ich könnte mir nicht vorstellen, jedes Mal, wenn er uns braucht aus unserem Bett aufzustehen und an seins – oder gar in ein anderes Zimmer – zu gehen.

15. Attachment Parenting Kinder sind gesünder
Kinder, die gestillt werden, erhalten durch die Muttermilch wichtige Abwehrkräfte. Aber auch die bedürfnisorientierte Erziehung fördert die Gesundheit des Kindes. Der Stresspegel ist niedriger als bei Kindern, die öfter weinen und sich weniger wahrgenommen fühlen. Ernsthafte Erkrankungen werden außerdem durch den engen körperlichen Kontakt zum Kind von den Eltern früher entdeckt.

16. Attachment ParentingBabys wachsen besser
Ein Baby, das gestresst ist, hat einen höheren Pegel des Hormons Cortisol im Blut. Das hemmt das Wachstum.

17. Attachment ParentingKinder benehmen sich besser
Oft hört man, wie oben beschrieben, das Vorurteil, dass man sein Kind nicht verwöhnen darf. Es würde einem sonst eines Tages auf der Nase herum tanzen. Aber nicht nur sind sicher gebundene Kinder später weniger ängstlich, sie neigen auch weniger zu Verhaltensauffälligkeiten. Wer feste Grenzen kennt und sich gleichzeitig in seinen Bedürfnissen respektiert fühlt, der baut Vertrauen auf. Durch dieses Vertrauen fällt es den Kindern einfacher, auf ihre Eltern zu „hören.“

18. Attachment Parentingist kein Dogma
Es geht hier nicht um Alles-oder-nichts. Niemand ist eine schlechte Mutter, wenn sie nicht akribisch allen Grundsätzen, die unter „Attachment Parenting“ zusammengefasst werden, folgt. Es geht darum, einen Weg zu finden, mit dem es allen Familienmitgliedern möglichst gut geht. Wenn jemand zum Beispiel nicht stillen kann oder möchte, kann er trotzdem bedürfnisorientiert erziehen und sein Kind respektvoll behandeln.

19. Attachment Parenting funktioniert“ nicht
Auch wer all diese Tatsachen über das AP nachvollziehen kann und beachtet, hat leider keine Garantie auf ein pflegeleichtes und gut gedeihendes Kind. Denn leider sind Babys nicht wie ein Stück Ton, das wir nach unseren Vorstellungen und Fähigkeiten formen und färben können. Jedes Kind kommt mit einem eigenen Charakter, einer Disposition zu bestimmten Stärken und Schwächen zur Welt. Wir können als Eltern Einfluss nehmen, die bestmöglichen Voraussetzungen machen und die Entwicklung unserer Kinder bestmöglich unterstützen. Eine Garantie, dass wir und unsere Kleinen von sämtlichen Problemen verschont bleiben, gibt es leider trotzdem nicht.

20. Attachment Parenting funktioniert für uns
Nach den ersten 6 Monaten mit unserem Sohn können wir sagen: für uns funktioniert Attachment Parenting. Unser Kleiner entwickelt sich motorisch, körperlich und geistig überdurchschnittlich gut. Natürlich können wir nicht beweisen, dass er das nicht ohne AP genauso getan hätte – ich bin mir allerdings ziemlich sicher. Ohne die beschriebene Unterstützung wäre unser Kind nämlich ein sog. Schreikind. Erst seit wenigen Wochen kann man ihn überhaupt ablegen und er beschäftigt sich kurz alleine. Vorher hat er nach spätestens 5 Minuten angefangen, zu weinen und, wenn man ihn dann nicht hochgenommen hat, wie am Spieß zu brüllen. Auch im Kinderwagen hat er nur geweint und alleine zu schlafen, fällt ihm heute noch schwer. Wenn wir also so gehandelt hätten, wie man das in der Gesellschaft mitbekommt – unser Kind im Kinderwagen geschoben, ins eigene Bettchen gelegt zum Schlafen, Stillen in einem bestimmten Rhythmus – hätte er die meiste Zeit geweint oder vor Erschöpfung geschlafen. Stattdessen haben wir unser eigenes Leben vorübergehend stark eingeschränkt; wir tragen ihn ausschließlich; er wird nach Bedarf gestillt, auch wenn er vor allem die ersten 4 Monate vor allem zur Beruhigung und ständig getrunken hat; er schläft nachts in unserem Bett, ich lege mich jeden Abend mit ihm hin und stille ihn mehrmals jede Nacht. Die Stunden, die er in seinem bisherigen Leben im Laufstall verbracht oder sogar alleine in einem Raum, lassen sich an einer Hand abzählen. Als Dank haben wir ein sehr zufriedenes, ausgeglichenes Baby, das wenig weint. Als meine beste Freundin ihn zum ersten Mal gesehen hat, da war er 4 Monate alt, hat sie mich gefragt, was sie tun muss, um ein so pflegeleichtes und gut gelauntes Baby zu bekommen.

Literatur: William und Martha Sears: „Das Attachment Parenting Buch. Babys pflegen und verstehen“. Tologo Verlag, 2012. 

Attachment Parenting - 20 Tatsachen über dieses viel duskituierte und spannende ThamaHanna findet Ihr auch auf ihrem Blog, auf Facebook und Instagram und Papa Rubbelbatz auf Twitter

 – Alle Bildrechte liegen bei der Hanna- 

 
 

Attachment Parenting ist etwas, was so vielseitig ist und für jeden selber Attachment Parenting. Ich habe kein Buch dazu gelesen, aber ich bin davon überzeugt, das wir so leben – nicht immer, nicht perfekt, aber auf unsere Weise. Wie Susanne von Geborgen wachsen glaube ich daran, das Attachment Parenting aus dem Herzen kommt und wir dafür keine Anleitungen bauchen. Wir finden sie, wenn wir sie möchte, aber wir brauchen sie nicht, wenn wir auf unsere Bedürfnisse und die unserer Kinder hören.

Was bedeutet Attachment Parenting für Dich? Wie stehst Du zu dem Thema?

 
In diesem Sinne ~ Achtsamkeit und Liebe, u.a. das bedeutet Attachment Parenting für uns.
 

Die Begeisterung für die 20 Tatsachen reißen nicht ab. Wie sehr wir uns darüber freuen, könnt Ihr Euch kaum vorstellen. An so vielen Stellen erweitert sich unser Horizont oder bestätigen sich eigene Gedanken. Dank dieser Serie. Danke das Ihr sie liebt – danke das Ihr mitmacht. Mein Herzensprojekt!

Mach mit:  Wenn auch Ihr 2016 Lust habt bei der Serie #20Tatsachenüber dabei zu sein, dann schreibt mit gerne eine Email an 20Tatsachen[ät]feiersun.de.
Schaut Euch auch mein Resumé aller Beiträge aus 2015 oder den bislang erfolgreichsten Beitrag die 20 Tatsachen über die Entwicklung von Kindern  oder über den Job als Sozialpädagogin und in 14 Tagen geht es bei der lieben Dani weiter und in vier Wochen vielleicht mit Dir, bei mir. Bis dahin klickt Euch gerne durch alle spannenden Beiträge der 20 Tatsachen-Reihe.

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Kategorie 20 Tatsachen

Hier schreibt JesS (32), die Mutter einer etwas anderen Familie. Zwischen Pflegschaft, Elternsein, Gedanken, LifeStyle und Kinderkleidung nehmen wir Euch mit auf unser Abenteuer Familienleben. Mit viel Herzblut und noch mehr Liebe zu den Dingen die sie tut.

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