20 Tatsachen über Familie und Karriere

20 Tatsachen über Familie und Karriere

Manchmal denke ich mir, wie schön es wäre, wenn man sich doch für eine Sache entscheiden könnte. Familie oder Beruf. Kind oder Karriere. Die Zeiten in denen wir Frauen „nur Mütter“ oder „nur Arbeitende“ waren, die sind einfach vorbei.

Wie ich will Denise beides und erzählt von 20 Tatsachen über Familie und Karriere.

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Hättet man Denise noch vor ein paar Jahren gefragt, wofür sie mich entscheiden würde, wenn es hieße „Karriere oder Familie“, hätte sie keine 2 Sekunden darüber nachdenken müssen. So ein Spiesserleben, mit Mann, 2 nervigen kleinen Blagen und Hund oder Katze im Reihenhaus kam für sie lange Zeit überhaupt nicht in Frage. Karrieregeil war Denise, und das nicht zu knapp. Bis sie dann eines schönen Tages Papa Habibi kennenlernte. Denise erfülle zwar noch immer nicht alle diese Klischees, aber mit Mann und zwei Kindern ist sie zumindest schon mal half way there. Und der Rest ist wahrscheinlich eine Frage der Zeit.

20 Tatsachen über Familie und Karriere

mit Denise

Karriere oder Familie? Ich will beides! Das Problem dabei ist nur, die Karrierefrau in mir sieht es – mit nicht mal Mitte 30 – einfach noch nicht ein, sich in den ewigen Ruhestand zu verabschieden. Und wie das dann in der Praxis aussieht, will ich euch anhand von 20 Tatsachen versuchen näher zu erläutern:

  1. Arbeiten in Teilzeit – um Job und Familie zu vereinbaren? Schön und gut, aber dann sag bye bye zu deinen beruflichen Ambitionen – oder habt ihr schon mal von einer beruflichen Karriere in Teilzeit gehört? Ich auch nicht!
  2. Geschäftsreisen – heikles Thema! „Möchten Sie in 2 Wochen nach Tokio fliegen?“ „Äh, klar – ich muss das nur noch eben abklären“ – mit meinem Arzt (denn ich bin schwanger), mit meinem Mann (denn er muss sich um den Troublemakerkümmern) und mit meiner Tagesmutter (denn sie muss den Troublemaker tagsüber länger betreuen). Ich, vor einem Jahr. Die Krux an der Sache ist nur Folgende: Wenn dein Chef dich – auch noch so nett – fragt, ist es eigentlich weder Bitte noch Nettigkeit, weil er dir ermöglichen möchte viele neue Länder kennenzulernen – es ist ein Auftrag! Und insgeheim bete ich nur, dass der nächste Auftrag ähnlicher Art noch ein bisschen (oder auch ein paar Jahre?) auf sich warten lässt, denn mit zwei Kindern nimmt der Abklärungsbedarf nochmal eine neue Dimension an.
  3. Krankes Kind zuhause – und zwar immer dann, wenn du es so gar nicht gebrauchen kannst. Und dann beginnt die Diskussion zuhause, wer denn heute wichtigere Meetings mit wichtigeren Personen um wichtigere Dinge anstehen hat. Eine wahre Freude für alle Beteiligten. Immer wieder.
  4. Das Verständnis der anderen – ist irgendwann aufgebraucht. Auch wenn Chef und Kollegen nice in your face sind, wenn dein Kind  krank ist oder die KiTa heute früher schließt, in den Köpfen bleibt meist nur die Tatsache, dass du „schon wieder“ nicht da bist. Das kann sich dann natürlich auch darauf auswirken, dass wichtige Themen oder Projekte mal schnell an dir vorbeischliddern, weil man sich ja nun mal nicht darauf verlassen kann, dass du da bist oder vielleicht an späten Meetings nicht teilnehmen kannst, weil du dein Kind aus der KiTa abholen musst. Tough und juckt ausser dir keinen, denn die (Arbeits)Welt dreht sich auch ohne dich weiter.
  5. Betreuungszeiten – mit einem Vollzeitjob nicht kompatibel! An Alleinerziehende möchte ich hier gar nicht denken, denn zu machen ist es nur, wenn ein Partner bringt und der andere abholt. Und dass du um deiner Karriere nachzugehen nicht in Teilzeit arbeiten kannst, hatten wir ja bereits.
  6. Du wirst von anderen verurteilt – ob andere Muttis, deine Familie oder die Bekannte deiner Oma – jeder erlaubt sich ein Urteil über die Selbstsüchtigkeit einer Mutter, die trotz Kind(er) noch Karriere machen will – ein dickes Fell ist die Voraussetzung für das tägliche Überleben!
  7. Kinder holen sich ihre (Mama-) Zeit nach – und das ist auch gut so! Somit fällt auch die Schlafenszeit (im eigenen Bett) um 19 Uhr weg und stattdessen wird sich (im Familienbett) in dem Schlaf gekuschelt – von anderen aufs Schärfste verurteilt, von mir aus vollem Herzen befürwortet, denn so kommt nicht nur das Kind, sondern auch die Mama zu den dringend benötigten Kuscheleinheiten. Läuft natürlich nicht immer so flauschig und friedvoll ab, alles in allem aber einer der schönsten Momente des Tages.
  8. Organisation, Organisation, Organisation – du musst die täglichen Abläufe rigoros durch organisieren – und das mehrfach – anders kann und wird es nicht funktionieren. Denn das Kind muss zu bestimmten Zeiten hingebracht und abgeholt werden von der der KiTa und du und dein Mann habt zu bestimmten Zeiten Verpflichtungen im Büro – um da alle Timings, Fristen und Deadlines einzuhalten, führt an einer täglichen Planung nichts vorbei. Und an der täglichen Kommunikation, denn diese ist hierfür Grundvoraussetzung.
  9. Familie in der Nähe ist besser als ein Lottogewinn. Das Glück ist mir leider vergönnt, denn mein Familie ist 400km weiter weg und die von Papa Habibi auf einem anderen Kontinent. Wenn es bei euch anders ist, lernt es bloß zu schätzen (und zu nutzen!), denn das ist sooooooooo viel wert.
  10. Du wirst den Bedürfnissen anderer nie gerecht – nicht zu schweigen von deinen eigenen. Ständig hast du das Gefühl, du müsstest mehr Zeit investieren – für deine Kinder, denn sie brauchen dich. Oder in das Projekt was du gerade leitetest – ist schließlich wichtig fürs Unternehmen. Was du selbst willst und auch brauchst, weißt du selbst schon gar nicht mehr. Ein täglicher Teufelskreis, der ganz schön aufs Gemüt schlagen kann.
  11. Du kommst nie irgendwo an – dein Kopf ist immer irgendwo zwischen Arbeit und KiTa – wenn du völlig abgestresst im Büro ankommst, denkst du, dass dein Kind heute eigentlich viel zu kalt angezogen ist. „Hoffentlich gehen die nicht raus, sonst ist er morgen krank.“ Kaum hast du ihn dann abends abgeholt, fällt dir ein, dass du diese Email noch unbedingt heute rausschicken musst. JEDEN. FUCKING. TAG.
  12. Hobbies – selten so gut gelacht! Klar sind die wichtig, insbesondere auch um nicht völlig gaga im Kopf zu werden – wobei es dafür bei mir glaube ich schon längst zu spät ist – aber echt eine Herausforderung hierfür noch Zeit zu schaffen. Ich habe es bisher leider nicht geschafft, alten Aktivitäten wieder nachzugehen – aber vielleicht auch gesünder für mich, denn mein sportlicher Ehrgeiz könnte es nur schwer ertragen wenn ich hinter meinen Möglichkeiten bleibe, weil mir die Zeit für das nötige Training fehlt.
  13. Belastung für Beziehungen – dieser tägliche Spagat kann sich ganz schön (negativ) auf das Eheklima sowie auch auf Beziehungen anderer Art auswirken. Wenn man ständig unter Strom steht ist es manchmal nicht so einfach noch voller positiver Lebensfreude zu sprühen. Und das kriegen dann oft der Partner oder die Freunde ab. Und wenn man für diese sogar eh schon wenig Zeit aufbringen kann, kanns manchmal ganz schön explosiv werden.
  14. Der Mann ist der Leidtragende – so zumindest sehen es die anderen. „Find ich ja toll, dass dein Mann das mitmacht“, hieß es, als ich meine Tokio-Reise verkündete. Was ich so alles mitmache, versteht sich natürlich von selbst – ist klar! PULS!
  15. Schlechtes Gewissen und Selbstzweifel – täglich! Es vergeht tatsächlich nicht ein einziger Tag in dem ich nicht darüber denke, ob das alles so richtig ist oder nicht ganz anders sein müsste und viel schöner für meine Kinder sein könnte – jede Mutter will das beste für ihr Kind und das Gefühl eine Rabenmutter zu sein ist (m)ein täglicher Begleiter. Wie lange ich das aushalte, steht in den Sternen.
  16. Sich ständig rechtfertigen müssen – immer, überall und bei jedem, es nervt und es raubt Energie!
  17. Sich mehr beweisen als andere – bei der Arbeit habe ich das Gefühl ich muss doppelt so gut sein, wie meine kinderlosen und männlichen Kollegen – irgendwoher muss mein Chef ja einen Mehrwert in der Anstellung meiner Person sehen, deswegen muss ich einfach besser sein als die anderen – viel besser! Und immer verfügbar!
  18. Mommywars are all around – ob im Büro oder im Freundeskreis: working mum vs. stay-at-home-mum. Egoismus meets Faulheit. Mütter untereinander bzw. gegeneinander sind oft die schlimmsten Lästerbacken. Und ob bewusst oder nicht, es besteht immer ein Konkurrenzdenken, was ein sich gegenseitiges Ausstechen zur Folge hat. Alles Schwachsinn? Ich wünschte, es wäre so! Loggt euch doch einfach mal selbst in ein Mutti-Forum ein, da könnten manche Debatten einen dritten Weltkrieg entfachen.
  19. Danken tut dir keiner – denn du tust schliesslich „nur“ das was von dir erwartet wird. Täglich stehst du am Limit – körperlich und mental, aber interessierten tut es am Ende keinen. Denn es ist nicht das Problem deines Chefs, dass du letzte Nacht wieder nicht geschlafen hast. Und dein Kind interessiert es genauso wenig, dass du heute wieder einen richtig beschissenen Tag im Büro hattest. Als kleines Sensibelchen – so wie ich es auch heute noch manchmal bin – hat man es hier alles andere als leicht.
  20. Arbeit bedeutet auch Freiheit und Selbstverwirklichung. Ein Ausgleich zu deinem Alltag mit Kind ist – wie ich finde – super wichtig. Wenn mein Leben nur noch bestimmt ist von Verzicht und sich NUR um meine Kinder dreht, weiß ich nicht ob das immer so positiv für die Mutter-Kind-Bindung ist, denn der tägliche Frust holt einen irgendwann ein. Ich kenne auch viele Beispiele im Bekanntenkreis wo Mütter in dieser Rolle total aufgehen und das finde ich toll, aber das bin eben nicht ich. Und werde es wohl auch nie sein. Der Job ist meine temporäre Flucht aus dem Alltag und meine Verwandlung von Mama zur Frau. Dadurch fühle ich mich erfüllt und selbstbewusst. Ist das so verwerflich?

Abschließend – und bevor mich euer Shitstorm komplett von der Bildfläche bläst – sei gesagt, dass sich mit der Geburt meiner Kinder meine Prioritäten neu geordnet haben. Meine Familie steht unangefochten an erster Stelle: am Arbeitsplatz ist man (und Mutter sowieso) austauschbar, für meine Familie hingegen bin ich einzigartig.

Wenn man sich das so bewusst zu Gemüte führt, sollte die Entscheidung zwischen Karriere und Familie – wenn man sie dann irgendwann mal treffen muss – nicht allzu schwer fallen. Und wie ich es dann wirklich mit zwei statt nur einem Kind rocke (oder auch nicht!) wird die Zeit zeigen, denn bis das Mini-Monster 1 ist, arbeite ich ja „nur“ aus dem Home Office.

Im übrigen ist es in anderen Ländern dieser Welt längst Normalität, dass Frau wie Mann sich beruflich verwirklichen,  und ich würde mir erhoffen, dass Toleranz und Verständnis in dieser Hinsicht auch mal irgendwann die (konservativen) deutschen Grenzen überqueren.

In diesem Sinne: Leben und leben lassen, streut Liebe und positive vibes und macht das was euch glücklich macht! Und an alle Muttis da draussen, mehr TLC für- und miteinander, wir haben es doch eh schon schwer genug!

20-Tatsachen-ueber-Familie-und-Karriere_WorkMumBalance_LogoDenise findet Ihr auf ihrem Blog WorkMumBalanceInstagram, auf Facebook und Twitter 


Iich zähle auf Euch das Denise nun keinen befürchteten Shitstorm ernten wird, denn ich lebe ja nach dem Motto „Leben und Leben lassen“ und halte Toleranz ganz hoch. Aber gebt Ihr und mir gerne Feedback zu diesem Thema.

Was wollt Ihr? Was lebt Ihr? Familie und Karriere oder denkt Ihr, man muss sich entscheiden?

In diesem Sinne – ich will beides und manchmal ist das ganz schön anstrengend, aber ich mag auch nicht verzichten.

 

Die Begeisterung für die 20 Tatsachen reißen nicht ab. Wie sehr wir uns darüber freuen, könnt Ihr Euch kaum vorstellen. An so vielen Stellen erweitert sich unser Horizont oder bestätigen sich eigene Gedanken. Dank dieser Serie. Danke das Ihr sie liebt – danke das Ihr mitmacht. Mein Herzensprojekt!

20 Tatsachen über LOGOMach mit:  Wenn auch Ihr Lust habt bei der Serie #20Tatsachenüber dabei zu sein, dann schreibt mit gerne eine Email an 20Tatsachen[ät]feiersun.de.

Weitere Tatsachen findet Ihr auf dem Blog wie die 20 Tatsachen über die Entwicklung von Kindern oder über Attachment Parentingund in 14 Tagen geht es bei der lieben Dani weiter und in vier Wochen vielleicht mit Dir, bei mir. Bis dahin klickt Euch gerne durch alle spannenden Beiträge der 20 Tatsachen-Reihe.

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Kategorie 20 Tatsachen

Hier schreibt JesS (32), (Pflege-) Mutter, Autorin und selbstständige Unternehmerin. Zwischen Pflegschaft, Elternsein, Gedanken, LifeStyle und der Liebe zur Fotografie nimmt sie Euch mit auf das Abenteuer Familienleben. Mit viel Herzblut, Authentizität und noch mehr Liebe zu den Dingen die sie tut.

18 Kommentare

  1. Sehr schöner Beitrag ! Und ich gebe dir recht, das Beides manchmal ganz schön anstrengend ist – aber wiederum auch schön, wenn man alles unter einen Hut bekommt.

  2. Puh, alleine beim Lesen des Eintrags ging mein Puls hoch.. 😉

    Aber ich werde niemals kritisieren oder in sonstiger Weise bewerten, denn das kann nur der, der in den gleichen Schuhen gelaufen ist – und das ist ja erstmal NIEMAND!
    „leben und leben lassen“ ist wirklich ein gutes Motto.
    Die eigenen Entscheidungen kann man nur selbst treffen – natürlich bestenfalls nach Rücksprache mit den wichtigsten Personen (Familie, Tagesmutter, wer eben benötigt wird, um sein eigenes Leben lebensWERT zu machen).

    Liebe Powerfrauen, denkt auch zeitweise trotzdem an euch – und wenn es auch nur wenige Minuten bei einem Kaffee zwischendurch oder bei 3-4 Sonnenstrahlen sein sollte, die ihr genießt 🙂

    • Keinen Puls hochjagen liebes. Ich finde auch nicht alles für uns passend, aber dennoch mag ich andere Ansichten und den Austausch darüber und fand den Beitrag von Desi dann auch spannend. Ganz ohne Puls 🙂

  3. Pingback: Aufruf zur Blogparade: eure Geschichten zum Thema Vereinbarkeit - Heute ist Musik

  4. Pingback: Von Tests, Elmo und Pupskraut - Freitagslieblinge // 28.04.17 - Puddingklecks

  5. Wow, du leistest ja extrem viel! Ich finde auch jede/r sollte selbst entscheiden, wie er/sie sein Leben lebt. Leider sind die Rahmenbedingungen und die Grenzen in den Köpfen oft sehr eng gesteckt. Da ist es umso besser wenn es jemand anders macht als üblich. Alles Gute für dich und dein Familien- und Berufsleben. LG Isabella

  6. Karriere sieht höchstens anders aus… nicht mehr das allgemeingültige Ziel sondern: tolle Aufgaben, vielleicht das Führen von Azubis und Praktikanten, Flexibilität bei den Arbeitszeiten.

    Ich kann beides tatsächlich bis zu 90% perfekt vereinen… aber ich weiß, da habe ich Glück!

    • Ich kann es auch gut vereinen, mit eben verschobenem Fokus und hier bei mir viel Fleiß und wenig Schlaf, aber auch ich habe da viel Glück

  7. Bei mir hat es lange gedauert, bis ich Job und Kinder wieder gut vereinbaren konnte. Nun habe ich einen Arbeitgeber, der sehr tolerant und flexibel ist. Das macht vieles leichter.

    • Dein Arbeitgeber ist toll. manchmal fällt es mir auch noch schwer, obwohl ich im Homeoffice arbeite, oder gerade deswegen… ich schreibe dazu bald mal was

  8. Ein toller Beitrag! Ich kann alle Punkte unterschreiben! Und Hobbies?! Ein Traum! Zeit für mich?! Auch ein Traum… 😀
    Es ist aber super, wenn man alles unter einen Hut bekommt!

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